Die Reihe der gotischen Heiligenfigruren setzt sich auf allen Seiten fort
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Domzeremoniar Tobias Hopmann ist auch Subregens des Priesterseminars
Domzeremoniar Tobias Hopmann ist auch Subregens des Priesterseminars
Der Lieblingsort von Domzeremoniar Tobias Hopmann ist der Hochaltar des Kölner Domes
Der Lieblingsort von Domzeremoniar Tobias Hopmann ist der Hochaltar des Kölner Domes
Der Hochaltar des Kölner Domes wurde 1322 geweiht
Der Hochaltar des Kölner Domes wurde 1322 geweiht
In der Mitte des Altares befindet sich das Motiv der Krönung Mariens
In der Mitte des Altares befindet sich das Motiv der Krönung Mariens
An der Vorderseite zieren kleine Apostel-Statuen den Altar
An der Vorderseite zieren kleine Apostel-Statuen den Altar

06.07.2021

Domzeremoniar Hopmann verrät seinen Lieblingsort im Kölner Dom "Auf dem Fundament der frühen Christen stehen"

Jeder, der im oder am Dom arbeitet, betrachtet Kölns Kathedrale aus einer ganz persönlichen Perspektive. Und er oder sie entwickelt oft eine Vorliebe für einen bestimmten Platz. Für Domzeremoniar Tobias Hopmann ist das der Hochaltar.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Eigentlich habe er ja viele "Lieblingsorte" im Kölner Dom, da falle es einigermaßen schwer, sich festzulegen, findet Tobias Hopmann, fragt man ihn nach dem Platz, zu dem er über die Jahre eine ganz besondere Beziehung entwickelt hat. Schließlich ist der Domzeremoniar seit fast einer Dekade an der Kathedrale zuständig für reibungslose Abläufe während der Liturgie – an allen Sonn- und Feiertagen oder wenn außergewöhnliche Kirchenveranstaltungen und -feste on top kommen. Dann muss ein Rädchen ins andere greifen, er die Ruhe und gleichzeitig alle Fäden in der Hand behalten, vor allem aber auch auf jeden Einsatz akribisch vorbereitet sein. Nachlässigkeiten oder gar grobe Schnitzer werden immerhin gnadenlos live in alle Welt gesendet, daher kaum verziehen – das Internet vergisst ja nichts. Vor allem aber stören Fehler im liturgischen Protokoll empfindlich den festlichen Gesamteindruck bei Pontifikalämtern – womöglich noch unter den Augen prominenter Konzelebranten.

Doch das ist nur einer der zahlreichen Verantwortungsbereiche Hopmanns, bei denen außergewöhnliche Orga-Fähigkeiten gefragt und Detailkenntnisse des an Ausmaßen gewaltigen Innenraums von Vorteil sind. Als Präses der Chöre am Dom war er viele Jahre außerdem für die Erstkommunionkinder zuständig, die traditionell aus der Kölner Domsingschule kommen und mit denen er im Vorfeld Familienmessen am Dreikönigenschrein gehalten oder dort Tauferinnerung gefeiert hat. Wie viele Katechesen da in der Summe letztendlich zusammengekommen sind, weiß der Seelsorger nicht mehr so genau, aber dass ihn immer tief berührt hat, genau an diesem Punkt, wo sich der steinerne Hochaltar befindet, zu den Kindern zu sprechen – hier, wo sich schon Menschen in der Römerzeit zum Gebet versammelt haben – das verbucht er bis heute als spirituell tief bewegende Erfahrung.

Hochaltar seit der Römerzeit liturgischer Mittelpunkt

"Seit dem 27. September 1322, dem Weihedatum dieses Altares, werden hier offiziell Gottesdienste gefeiert, daher findet auch die alljährliche Dreikönigswallfahrt immer rund um dieses Datum statt", berichtet Hopmann. "Im Mittelalter grenzte eine eingezogene Trennmauer den heutigen Hochchor nach Westen zur Vierung hin ab. Sie sollte erst wieder 1863 abgerissen werden, als das Langhaus vollendet war. Zu diesem Zeitpunkt gab es also nur einen sehr überschaubaren Kirchenraum: im Vergleich zu heute war der eher klein, der Altar entsprechend im Blick und alles andere eine Großbaustelle. Es sollte ja noch Jahrhunderte dauern, bis der Dom 1880 fertiggestellt sein würde."

Doch schon in den Anfängen des frühen Christentums habe hier ein Wohnhaus gestanden, in dem die Gläubigen damals zur Feier der Gottesdienste zusammengekommen seien. Das ist belegt. Und auch später, als an diesem Ort der erste Vorgängerbau des heutigen Domes entsteht, habe sich hier immer der Altar und damit das Zentrum jeder christlichen Gemeinde befunden. "Dieser bedeutsame Ort so vieler Glaubenszeugnisse war den Christen durch die Jahrhunderte hindurch so wichtig und heilig, dass er nie verschoben wurde. Es muss eine bewusste Entscheidung gewesen sein, diesen Mittelpunkt der Liturgie genau an dieser Stelle beibehalten zu wollen", mutmaßt Hopmann.

Aktuelle Kritik an der Kirche in der Geschichte nichts Neues

"Für mich war es immer etwas ganz Besonderes, hier an diesem historisch geprägten Ort zu stehen und Gottesdienst zu feiern wie schon viele, viele Generationen gläubiger Menschen vor mir", betont der Domzeremoniar, der zum 1. September den Dom verlässt, um Leitender Pfarrer in Euskirchen zu werden. "Immer wenn ich hier den Kindern von Gott erzählt oder ihnen ihre Kommunionkerze und die Albe für die Erstkommunionfeier überreicht habe, konnte ich mich in einer lebendigen Tradition von 2000 Jahren erleben. Dabei habe ich dann ganz automatisch daran gedacht, wie bedrängt sich die Christen damals gefühlt haben müssen, wie sie um ihres Glaubens willen verfolgt wurden, wie viel Kritik und Anfeindung sie auszuhalten hatten.

Was wir aktuell in unserer Kirche erleben, ist also nichts Neues. Zu allen Zeiten mussten Christen ihre Religion und ihre Kirche verteidigen, für ihre Überzeugung einstehen." Und dieser Ort mache ihm das Glaubenszeugnis dieser Menschen, die für Jesus Christus klare Kante gezeigt und alles aufs Spiel gesetzt hätten, anschaulicher als jeder andere. "Da wird die Urquelle eines unbeirrbaren und unerschütterlichen Glaubens förmlich greifbar." Es bewege ihn tief, ein Teil in diesem Geschichtsfluss zu sein.

Die Flamme des Glaubens weiterreichen

"Letztlich sind die frühen Christen das Fundament, der feste Grund, auf dem auch ich heute stehe. Ich kann an diesem Hochaltar nur deshalb das Wort Gottes verkünden, weil hier schon unzählige Menschen vor mir gestanden, sich den jeweiligen Herausforderungen ihrer Zeit gestellt und allen Widrigkeiten zum Trotz ihren Glauben bekannt haben. Das gibt mir Kraft und Halt. Und es ist mir heilige Verpflichtung, auch meinen Glauben wieder an die nachwachsende Generation weiterzugeben, ihn zu bezeugen und zu leben." Jetzt sei es an ihm, so der 47-Jährige, diese lange Kette nicht abreißen zu lassen.

Tauferinnerung feiern, um auch bei den Kleinsten schon spürbar ein Bewusstsein für die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft Jesu Christi zu wecken – das sei ihm in der Vorbereitung mit den Kommunionkindern immer ein Herzensanliegen gewesen. Und ihnen mit der Übergabe der Kerze buchstäblich die Flamme des Glaubens weiterzureichen, "damit sie sich entzünden lassen von Gottes Liebe – in der Hoffnung, dass der Funke überspringt."

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Beatrice Tomasetti
(DR)

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