Domküster Hermann-Josef Müller geht nach 38 Jahren in den Ruhestand
Domküster Hermann-Josef Müller geht nach 38 Jahren in den Ruhestand
Domküster Müller mit Domdechant Kleine und seinen Kollegen in der Domsakristei
Domküster Müller mit Domdechant Kleine und seinen Kollegen in der Domsakristei
Sie haben viel mit dem scheidenden Domküster erlebt: Domdechant Robert Kleine und Generalvikar Dr. Markus Hofmann
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Zu denen, die Domküster Müller persönlich danken, gehört auch Weihbischof Rolf Steinhäuser
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31.12.2020

Kölner Domküster geht nach 38 Jahren in den Ruhestand Von Lieblingsorten und kölsch-katholischer Arbeitsweise

Domküster Hermann Müller ist ein kölsch-katholisches Original. Nach 38 Jahren beendet er mit dem Neujahrsläuten seinen Dienst. Den Schlüssel zum Dom wird er aber behalten - vielleicht kommt er ja zurück. 

DOMRADIO.DE: Wie ist denn die Gemütslage im Angesicht der Tatsache, dass sie bald nicht mehr Glühbirnen wechseln, Monstranzschränke aufschließen und Priestergewänder rauslegen?

Domküster Hermann Müller: Die Gemütslage ist sehr gut. Es ist ein bisschen langweilig durch die Corona-Umstände, aber ansonsten prima.

DOMRADIO.DE: Wenn ein Küster geht, dann braucht es schnell einen neuen. Kommt da einer?

Müller: Da ist schon ein Neuer da. Den habe ich auch schon kennengelernt und muss sagen: Ein sehr netter und kompetenter Kollege.

DOMRADIO.DE: Haben Sie den denn auch eingearbeitet?

Müller: Nein, das machen meine beiden anderen Kollegen, denn jeder hat so seinen Arbeitsstil. Meiner weicht etwas ab von dem der anderen.

DOMRADIO.DE: Wie ist der denn, Ihr Arbeitsstil?

Müller: Mein Arbeitsstil ist, wie heißt es so schön: kölsch katholisch. Ich bin nun mal Kölscher und die anderen eben nicht. Meine Mentalität ist da etwas anders. Das ist auch ein bisschen bei der Arbeit zu spüren.

DOMRADIO.DE: Gibt es da Begebenheiten in der Vergangenheit, wo Sie sagen: Daran kann ich das jetzt mal erklären?

Müller: Nee, das kann man so nicht. Das ist sehr spezifisch. Da will ich aber auch keinem einen Vorwurf machen, denn meine Kollegen machen das einwandfrei. Wenn man so lange an einem Dom ist wie ich, dann kann ich auch mit den hohen Geistlichen etwas anderes umgehen.

DOMRADIO.DE: Indem Sie zum Beispiel sagen: "Entschuldigung, aber dieses Priestergewand passt jetzt farblich nicht"?

Müller: (lacht) Na, sehen Sie mal: Da lasse ich das "Entschuldigung" schon weg.

DOMRADIO.DE: Also 38 Jahre sind Sie im Dom tätig gewesen. Gibt es denn ein Ereignis, auf das Sie am liebsten zurückblicken?

Müller: Ich muss sagen, beeindruckt war ich immer vom alten Kardinal Meisner. Der war einzigartig und der große Provokateur vor dem Herrn. Wer am ersten Weihnachtstag über die Abtreibung predigt, das hat schon Stil. Oder der frühere Dompropst Henrichs. Das war ein Chef, besser kann man ihn nicht haben. Der sagte immer: "Hier hat nur einer was zu sagen. Und das bin ich." Da war es für uns Küster am einfachsten zu arbeiten.

Wenn uns etwas nicht passte, haben wir immer nur gesagt: "Nee, der Dompropst will das nicht." Auch wenn der Herr Dompropst gar nichts davon wusste. Da hat sich aber auch nur ein einziges Mal jemand getraut, da mal beim Dompropst nachzufragen, ob das stimmt. Da hat der Dompropst gesagt: "Doch, wenn die Küster Ihnen das sagen, dann ist das so." Das waren 19 Jahre unter diesem Dompropst.

Man hat natürlich auch eineinhalb Jahre gebraucht, um sich so richtig zu verstehen, aber dann hat das geklappt.

DOMRADIO.DE: Hat sich eigentlich Ihre Arbeit als Domküster mit der Technisierung und Digitalisierung geändert?

Müller: Ja, ein kleines bisschen. Das ist jetzt nix Schlimmes. Wir schalten die Technik im Grunde genommen immer nur ein und aus. Sie als Domradio können das merken: Wenn wir unsere Anlage nicht anmachen, dann haben Sie weder Bild noch Ton.

DOMRADIO.DE: Sind Sie als Domküster auch für die Glocken zuständig?

Müller: Mit den Glocken haben wir insofern zu tun, als dass wir die läuten müssen. Wenn wir die nicht einschalten, dann ist nix zu hören. Da war früher immer die Frage: "Läutet der Dicke Pitter heute?" Meine Antwort darauf war immer: "Wenn ich nicht vergesse einzuschalten, dann ja."

DOMRADIO.DE: Wenn ein junger Mensch zu Ihnen käme und er würde sagen: "Ich überlege gerade, was ich mal berufliche machen soll." Wäre Domküster da eine Option?

Müller: Das würde ich ihm raten. Man muss gute Nerven haben dafür. Jetzt kommt eine alte Weisheit. Mein Vater war auch schon 52 Jahre Küster hier in Köln in St. Michael und hat zu mir gesagt: "Wenn du Küster werden willst, dann musst du manchmal deinen Glauben von der Arbeit trennen." Das stimmt wohl.

DOMRADIO.DE: Und Sie sind damals von St. Michael abgeworben worden. Gibt es Headhunter für Küster?

Müller: Diesen Ausdruck kannte man früher nicht, das ist etwas länger her. Mein Vorgänger Heinrich Knauf, der in Ruhestand ging, hatte mich als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Auf einmal - ich war tatsächlich gerade dabei, eine Birne auszuwechseln und stand auf der Leiter - lief ein Herr aus dem Dom in die Kirche und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, Domküster zu werden. Das habe ich dann mit meiner Frau besprochen, habe ja gesagt und so ist es dann gekommen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie nach 38 Jahren einen Lieblingsplatz im Dom?

Müller: Lieblingsplätze gibt es viel. Wenn ich einen Lieblingsplatz nennen sollte, dann ist das im Chorgestühl, wo man einen schönen Blick auf den Schrein hat, auf den Hochaltar. Vor allem dann, wenn an einem Sommermorgen, wenn der Dom noch zu ist, die Sonne auf die Fenster der Domkapellen scheint. Das ist ein einmaliges Erlebnis.

DOMRADIO.DE: Werden Sie Ihren Schlüssel zum Dom im Ruhestand behalten?

Müller: Ich habe noch einen Schlüssel, der mir auch bleiben wird. Ich gebe jetzt nur Schlüssel ab, die ich nicht mehr brauche. Wenn es mal wieder so weit ist, will ich ab und zu noch mal eine Führung machen oder Orgel spielen. Deswegen darf ich diesen Schlüssel behalten.

DOMRADIO.DE: Wie sieht Ihr letztes Arbeitstag aus?

Müller: Der sieht ganz einfach aus: Weil ich Urlaub habe, werde ich dann zur Jahresabschlussmesse mit dem Kardinal gehen und mitfeiern. Dann fahre ich nach Hause. Da wird gegessen. Dann fahre ich mit meiner Frau wieder zum Dom, sodass ich um kurz vor Mitternacht da bin. Dann fahre ich als Küster in die Glockenstube hoch und läute zum letzten Mal zum Jahreswechsel die Glocken. Und dann komme ich, wenn ich wieder runter fahre, als Rentner runter.

Das Interview führte Uta Vorbrodt. 

(DR)

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