Blick auf den Kölner Dom
Blick auf den Kölner Dom

14.12.2020

Unesco berät über Bauhüttenwesen als Immaterielles Kulturerbe An Kathedralen trifft mittelalterliche Tradition auf Hightech

18 europäische Münster- und Dombauhütten hoffen auf den Titel Immaterielles Kulturerbe. Der Unesco-Ausschuss berät in dieser Woche in einer virtuellen Sitzung über die Nominierung.

Sie sind Kulturdenkmäler von Weltrang, Touristenmagnete und städtische Wahrzeichen: die Kathedralen, Münster und Dome in Straßburg, Freiburg, Ulm, Köln oder Wien. Die berühmten Zeugnisse des Glaubens und der Baukunst für kommende Generationen zu erhalten, dieser Aufgabe haben sich die europäischen Dom- und Münsterbauhütten verschrieben. Hier werden die dafür nötigen, oft Jahrhunderte alten Techniken von Steinmetzen und Baumeistern bewahrt und gepflegt. Hier ist das Expertenwissen versammelt, wie traditionelle Handwerkskunst mit modernsten Verfahren in Einklang zu bringen ist.

Wichtige Arbeit von Bauhütten

Eine europäische Initiative will das Bauhüttenwesen zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco adeln. "Wir wollen damit zeigen, dass die Bauhütten seit dem Mittelalter Großes geleistet haben. Und wir gleichzeitig die aktuellen konservatorisch anspruchsvollen Aufgaben nur lösen können, wenn wir die nötige Anerkennung und finanzielle Unterstützung bekommen", sagte die Freiburger Münsterbaumeisterin Yvonne Faller nach der Nominierung. Auf nationaler Ebene ist die Anerkennung in Frankreich, Österreich und Deutschland bereits erreicht und der Antrag bei der Weltkulturorganisation Unesco in Paris abgeben.

Im Zuge der Entwicklung des gotischen Baustils und des Aufschwungs des Städtewesens im 13. Jahrhunderts bildete sich mit den Bauhütten eine neuartige, arbeitsteilig und hochgradig spezialisierte Form der Bauorganisation und -ausführung aus, erläutert die Deutsche Unesco-Kommission (DUK). Sie lösten die wandernden Baugruppen der Romanik und das Laienbauwesen ab.

Heute werden laut Unesco naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus der Baustoffforschung angewandt - sowie Prinzipien des Schutzes alter Bausubstanz in Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und in enger Abstimmung mit der staatlichen Denkmalpflege. Großbauten ohne eigene Bauhütte und eine lückenlose Dokumentation arbeiten demnach weniger vorausschauend und nachhaltig.

Virtuelle Jahrestagung

Jetzt steht die Entscheidung bei der virtuellen Jahrestagung des Zwischenstaatlichen Ausschusses (14. bis 19. Dezember) in Kingston, der Hauptstadt Jamaikas, an. 49 Kulturformen sind 2020 insgesamt als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit nominiert, unter anderem die Saunakultur in Finnland, das Uhrmacherhandwerk in Frankreich und der Schweiz sowie das Schattenboxen Taijiquan in China. Vier der Nominierungen gelten als dringend erhaltungsbedürftig. Über vier sogenannte Gute Praxisbeispiele zum Erhalt Immateriellen Kulturerbes wird voraussichtlich am Freitag zur Aufnahme in das Register beraten, darunter das Bauhüttenwesen.

Die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes im Vergleich zum bekannteren, materiellen Welterbe verhältnismäßig jung. Die Unesco fördert seit 2003 auch den Erhalt von Alltagskulturen und Traditionen, Wissen und Fertigkeiten. Inzwischen sind der entsprechenden UN-Konvention 180 Staaten beigetreten. Deutschland ist seit 2013 dabei. Und so sind Stand heute weltweit 549 Kulturformen auf der renommierten Liste eingetragen: von der Basler Fasnacht bis zum vietnamesischen Xoan-Gesang.

Auf nationaler Ebene anerkannt

Auf deutscher Ebene sind aktuell 95 Kulturformen und 11 Gute Praxisbeispiele, darunter das Bauhüttenwesen, als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Auf dieser Liste stehen desweiteren beispielsweise die deutsche Brotkultur, die schwäbisch-alemannische Fasnet oder die Falknerei. Der Unesco geht es um eine "Bestandsaufnahme der kulturellen Schätze eines Landes".

Mit direkten Preis- oder Fördergeldern ist der Titel nicht verbunden. Dennoch erhoffen sich die Dom- und Münsterbauhütten viel vom Unesco-Prädikat. So dokumentiere es gegenüber staatlichen Stellen und Geldgebern den kulturellen Wert von Handwerkskunst und Expertise rund um die Kathedralen, sagt der Vorsitzende der Europäischen Vereinigung, der Wiener Dombaumeister Wolfgang Zehetner: "Das Flair der großen Kirchen lebt von der Summe der Details. Es macht einen Unterschied, ob Steine und Figuren von Hand aus Stein gehauen sind - oder in Beton gegossen oder sogar per 3-D-Drucker ausgedruckt würden."

Volker Hasenauer und Rainer Nolte
(KNA)

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