Teilabschluss der Arbeiten am Nordturm des Kölner Doms

Nach der Restaurierung ist vor der Restaurierung

Schon im Mai sind die Friedensengel an ihre Plätze zurückgekehrt. Jetzt stehen die Restaurierungsarbeiten an der Nordwestecke des Nordturms am Kölner Dom vor dem Abschluss. Doch warum haben die Arbeiten so lange gedauert? Und was bringt die Zukunft?

Transport des Turmengels / © Mira Unkelbach (Dombauhütte Köln)

DOMRADIO.DE: Der Dom ist eine ewige Baustelle. Wie froh sind Sie, dass Sie diesen Teil der Arbeiten jetzt abschließen konnten?

Dr. Albert Distelrath (stellvertretender Dombaumeister von Köln): Das ist eine Baustelle, die uns schon länger beschäftigt. Die Kölner sehen, das Hängegerüst hängt schon ein bisschen länger. 2012 haben wir mit den Arbeiten begonnen, es ist ja sehr umfangreich, dieses Gerüst überhaupt da hinzubekommen, weil es ja von oben nach unten gebaut wird, hängend im Nordturm, verankert in der Turmspitze. Und so sind wir natürlich froh - wir haben noch ein paar kleine Restarbeiten oben - aber mit dem Versetzen der Engel diese Arbeiten abschließen zu können

DOMRADIO.DE: Diese schwebenden Steinengel, das war natürlich ein großer Hingucker. Jetzt stehen die in alter Frische wieder an Ort und Stelle und wachen über die Stadt. Wie viel Aufwand mussten Sie dafür betreiben?

Distelrath: Erstmal mussten die Engel runtergenommen werden. Das sind die sogenannten Friedensengel mit Musikinstrumenten. Die wurden dann in die Werkstatt gebracht, in die Dombauhütte, wurden überarbeitet als Modellvorlagen für die Rekonstruktion der neuen Steine und gescannt. Dann wurden im Steinbruch in Savonnières in Lothringen wurden entsprechende Steine gesucht. Die Steine kamen mit fünf Zentimeter Vorfresung nach Köln, und der Bildhauer Michael Oster und der Steinmetz Thomas Kaintoch haben dann die Engel nach Vorlage geschlagen.

Und stellen Sie sich vor, diese Engel müssen ja dann nun wieder auf die Baustelle hoch, in den Aufzug rein über die Dachwerkstatt nach draußen. Die Engel, das größte Einzelteil ist der 750 Kilo ausladende Flügel, passte genau durch die Luke des Daches, also das war wirklich Millimeterarbeit. Als sie die 105 Meter hohe Ebene gezogen wurden, hatte man die schönen Bilder, die wir auch im Fernsehen gesehen haben, wie die Engel nach oben schweben und dann im Gerüst wieder abgelassen werden.

DOMRADIO.DE: Das war wirklich eine Menge Arbeit, millimetergenau haben Sie gesagt. Ein anderes Stichwort sind natürlich die Fialen, also die gotischen Ziertürmchen am Dom. Und auch da mussten Sie in der Nord-West-Ecke kräftig Hand anlegen.

Distelrath: Das ist richtig. Es sind mehrere Ursachen, warum wir dort anlegen mussten. Der Turm ist grundsätzlich aus Obernkirchner Sandstein, das ist ein sehr robuster Stein. Der macht uns eigentlich wenig Sorgen. Aber die Armierungen innen wurden im 19. Jahrhundert teilweise in Eisen gebaut, und das gibt Rostsprengung. So sind auch Teile durch diese Rostsprengung abgesprengt worden.

Dann kam noch ein großer Sturmschaden hinzu, 1984. Ein Orkan hat die obere Fiale heruntergestürzt und hat so eine richtige Schneise der Verwüstung angerichtet. Diese Sachen mussten alle ergänzt werden. Das waren fast 50 Vierungen, also Neuteile, die angefertigt worden sind, die dann im Winter 2018-2019 als Schwerpunktbaustelle gefertigt worden und dann überwiegend in der Saison 2019 gesetzt worden sind.

Es gibt Patenprogramme vom ZDV, wo diese einzelnen Steine, verpatet worden sind. Und mit dieser Unterstützung konnte auch ein Teil der Restaurierung extra finanziert werden.

DOMRADIO.DE: Sie haben die Sturmschäden jetzt erwähnt. Ich habe auch noch etwas von Kriegsschäden gelesen. Was hat es denn damit auf sich?

Distelrath: Kriegsschäden hatten wir an diesem Pfeiler in dieser Höhe oben nicht so viele. Es gab ein paar, aber die Kriegsschäden waren eigentlich eher am gleichen Pfeiler weiter unten in dem Bereich 0 bis 20 Meter, wo ja die Ziegelplombe schon zum Weltjugendtag geschlossen worden ist. Oben haben wir eher weniger Kriegsschäden, das gibt es Sturmschäden und Rostsprengung.

DOMRADIO.DE: Sie haben ja eingangs das Gerüst erwähnt. Das muss jetzt wieder weg.

Distelrath: Ja, das muss wieder weg. Wir werden jetzt auch nach den Restarbeiten - das sind nun wirklich mehr Aufräumarbeiten - das Gerüst entkernen, also die ganzen Gerüstelagen, die dort drin sind, die ganzen Arbeitsrüste im Gerüst zurückbauen. Und dann planen wir, wenn alles gut läuft, das Gerüst als Rohkörper nächstes Jahr mit einem Autokran komplett vom Turm abzuhängen.

DOMRADIO.DE: Das wird dann sicher auch nochmal spektakulär. Und eines ist auch klar: Nach der Restaurierung ist am Kölner Dom immer vor der Restaurierung. Wie geht es dann demnächst weiter?

Distelrath: Wir haben ja vier von diesen Fialtürmen, die dort oben am Nordturm zwischen 75 und 105 Meter sitzen. Deswegen auch die lange Bauzeit. Stellen Sie sich vor, das sind freistehende Türme, 30 Meter hoch, hoch verziert. Wenn die irgendwo anders stehen würden, wären das eigene Kirchtürme. Das sind keine kleinen Türme. Drei sind restauriert, der Letzte steht noch aus. Das ist in der Nord-Ost-Ecke zum Bahnhof hin. Da wird dann ab 2022 ein neues Hängegerüst wieder von oben nach unten aufgebaut. Und dann, wenn dieses Gerüst dann abgehängt wird, hoffentlich in acht bis zehn Jahren, ist der Nordturm fertig und dann geht es zum Südturm.

Das Interview führte Hilde Regeniter.


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