Die erste öffentliche Messe im Kölner Dom nach acht Wochen.
Die erste öffentliche Messe im Kölner Dom nach acht Wochen.

03.05.2020

Die erste öffentliche Messe im Kölner Dom nach acht Wochen Priester hinter Plexiglas

Der erste Gottesdienst mit Gläubigen im Kölner Dom bedeutet alles andere als Normalität. Abstandsregeln, Singverbot und viele tragen Masken vor Mund und Nase. 120 Personen konnten unter Einschränkungen mitfeiern, der Priester stand bei der Kommunion hinter Plexiglas.

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Zutiefst berührend ist es nach dieser ganz besonderen Messe, die Gläubigen zu treffen, die dabei waren. Eine ältere Dame ist den Tränen nahe. Es sei herrlich gewesen nach so vielen Wochen, sagt sie. „Das gibt mir Kraft und Zuversicht“, meint eine andere Frau, es sei aber auch „komisch“ gewesen, denn sie habe immer ansetzen wollen, um zu singen. Aber Singen sei ja verboten und das fehle einfach. Auch ich ertappe mich dabei, dass ich an bestimmten Stellen immer wieder singend einsetzen möchte. Der fehlende Gesang der Gläubigen habe die Messe weniger festlich gemacht, sagt auch Kardinal Woelki nachher, ist aber froh und dankbar, dass dieser erste Schritt auf dem langen Weg zur Normalität möglich geworden sei.

Abstand als oberstes Gebot

Nur 120 Menschen dürfen am Gottesdienst in der größten Kathedrale Deutschlands teilnehmen. Abstand halten ist oberstes Gebot. Zwei Gläubige pro Sitzbank, jeweils am äußeren Ende der Bank. Die Domschweizer begleiten die Besucher an die markierten Plätze. Ich habe mir vorher auf den Internetseiten des Kölner Doms ein kostenloses Ticket heruntergeladen – mit einem Barcode. Den muss ich am Eingang vorzeigen und komme mir vor wie beim Einchecken auf dem Flughafen. Der Einlass erfolgt zügig. Ich muss nicht lange warten. Bevor es losgeht, gibt Domdechant Msgr. Robert Kleine von der Kanzel weitere Hinweise. Zur Kommunion bitte mit zwei Metern Abstand anstellen, dabei den Markierungen auf dem Boden folgen, der Priester stehe hinter einer Plexiglaswand, „so wie sie das aus den Geschäften kennen“, sagt Kleine und dann weist er auf die Laufwege hin. "Bitte den Dom nach dem Gottesdienst durch das Südportal verlassen". Gleich zu Beginn der Messe merke ich, wie sehr es auf den Organisten ankommt – ohne Gesang muss er allein für die festliche Stimmung sorgen und die Schola, der es beim Kyrie dann auch gelingt, die Herzen zu erreichen.

"Gott sorgt sich um uns"

Es ist der vierte Sonntag der Osterzeit, der Sonntag des guten Hirten. Vom Leben in Fülle ist im Evangelium die Rede und von der Tür, die Christus auf unserem Weg zum Leben ist. „Gott sorgt sich um uns“, sag der Kardinal. Tut er das? Und wieso jetzt Corona, wieso diese Pandemie, was hat die für einen Sinn?, schießt es mir durch den Kopf. Es gibt keine theologische Erklärung oder Deutung für den Virus, das müssen wir aushalten. Kardinal Woelki weiß das, kann uns aber doch trösten – mit der Osterbotschaft, über die er predigt. Die Hoffnung und Zuversicht in Jesus, der den Tod besiegt hat, der unser guter Hirte ist. Dann bedankt er sich bei allen ‚Corona-Engeln‘ für ihre Hilfsbereitschaft. Der Kardinal freut sich, dass jetzt so viele Menschen einaner helfen, dass sie füreinander sorgen, dass sie sich im Blick behalten.

Lächeln hinter der Maske

Vieles bleibt ungewohnt in dieser ersten Messe auf dem langen Weg zur Normalität. Beim Friedensgruß versuche ich meine zwei Meter entfernte Sitznachbarin anzulächeln – doch auch das ist hinter der Maske schwierig. Auf dem Weg zur Kommunion orientieren sich alle an den Aufkleber auf dem Fußboden, das klappt gut, nur der Priester hinter dem Plexiglas ist sehr ungewohnt. Ich bekomme die Hostie unter der "Spuckschutzwand" gereicht. Diese besonderen Konstruktionen hat die Dombauhütte gebaut. "Spuckschutzwand" - ein seltsames Wort.

An diesem Sonntag sind viele Medienvertreter gekommen, die beim ersten öffentlichen Gottesdienst im Dom dabei sein wollen. Nach der Messe beantwortet Kardinal Woelki alle ihre Fragen geduldig. Es sei eine eigene Atmosphäre gewesen, sagt er, das Predigen sei ihm schwergefallen – in den dennoch fast leeren Dom hinein. „Viel besser zwar, als in den Wochen zuvor, wo sich nur zwanzig Leute im Altarraum versammelt hatten“, sagt der Kardinal. Und auch das gemeinsame Singen habe ihm gefehlt. „Aber immerhin - es war doch spürbar, wie bedeutsam die physische Präsenz ist“, freut er sich.

Johannes Schröer
(DR)

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