Kölner Dom: Für viele einfach ein schönes Fotomotiv
Kölner Dom: Für viele einfach ein schönes Fotomotiv
Notre-Dame Kathedrale in Paris, Frankreich
Notre-Dame Kathedrale in Paris, Frankreich
Kölner Dom
Kölner Dom
Ein Passant fotografiert den Brand der Kathedrale Notre-Dame
Ein Passant fotografiert den Brand der Kathedrale Notre-Dame

25.01.2020

Kathedralen als Wahrzeichen Europas? Aus einer anderen Zeit – und dennoch faszinierend

Für viele ist es einfach ein schönes Fotomotiv. Kathedralen wie Notre-Dame de Paris oder der Kölner Dom sind touristische Hotspots. Obwohl die Bauweise eine Sprache spricht, die kaum mehr verstanden wird, sind sie auch spirituelle Sehnsuchtsorte.

DOMRADIO.DE: Gestern Abend fand eine Veranstaltung im Franz-Hitze-Haus bei Ihnen in Münster statt, bei der es um die Kathedralen Notre-Dame und Kölner Dom und deren Bedeutung für eine europäische Kultur ging. Was finden Sie so beeindruckend an den beiden Kathedralen?

Dr. Frank Meier-Hamidi (Dozent der katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster): Das sind Bauwerke, bei denen ich mich sofort umfangen von einer unglaublich beeindruckenden Atmosphäre fühle – von Geschichte, Erfahrungen und von Menschen, die dieses Bauwerk gebaut haben. Wenn ich sie betrete, trete ich über meine Stimmung, in der ich gerade bin, ein Stück weit hinaus und trete ein in eine großartige Geschichte und Gemeinschaft von Menschen und Gläubigen, die an diesem Bauwerk gearbeitet und sehr viel Herzblut reingelegt haben.

Wenn man an den Kölner Dom denkt, bin ich natürlich auch Teil eines Menschenstroms der 20.000 Menschen, die da täglich durchgehen und -geführt werden. Das heißt, man ist nicht allein und man ist mit vielen Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen Gründen diese Kirche betreten. Das merke ich auch dabei.

DOMRADIO.DE: Hier in Köln schaut man mal schnell so in den Kölner Dom, weil der Zug vielleicht noch eine halbe Stunde braucht. Eine Turmbesteigung gehört eventuell zum Köln-Erlebnis für Touristen dazu. Das wäre eine säkulare Nutzung, wenn man das so sagen will. Steht das in Konkurrenz zur sakralen Aura der Kathedrale oder zur Nutzung, die eigentlich für die Kathedralen bestimmt ist?

Meier-Hamidi: Ich glaube, dass das nicht der Fall ist. Das sind Blicke auf dieses Bauwerk, die sich nicht gegenseitig ausschließen. Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Frau Professor Schock-Werner hat das gestern Abend gut erklärt. Der Kölner Dom erfährt eine sehr sorgfältige Pflege. Er ist aus guten Gründen eine Dauerbaustelle. Die Kölner sagen ja, wenn am Dom kein Gerüst mehr steht, dann geht die Welt unter. Das ist für Frau Schock-Werner ein Zeichen, dass der Dom gepflegt wird.

Diese Dom-Pflege ist in der Lage, die vielen Menschen zu verkraften, die täglich das Bauwerk sehen möchten – auch aus touristischen Gründen. Also kann man den Dom für alle Menschen offen halten, nicht nur für Gläubige, sondern für Menschen unterschiedlichster Religionen und Herkunftsländer. Die Kirche wird gleich auch zu einem starken Symbol von Globalität und von Gemeinschaft, die in der Lage ist, völlig unterschiedliche Kulturen und Motive zu sammeln: für einige Momente und vielleicht sogar manchmal auch für spirituelle Erlebnisse.

DOMRADIO.DE: War es gestern Abend auch Thema bei Ihnen, dass viel Geld für die Instandhaltung aufgewendet werden muss?

Meier-Hamidi: Selbstverständlich. Das ist auch gerade ein Thema, wo der Vergleich zwischen Kölner Dom und Notre-Dame de Paris interessant ist. Dort ist ja die Frage der Finanzierung und des Wiederaufbaus nach dem furchtbaren Brand im letzten Jahr sehr, sehr akut geworden. Frau Schock-Werner ist mitbeteiligt an der Koordination deutscher Hilfen für den Wiederaufbau in Notre Dame.

Der große Unterschied bislang ist der, dass in Deutschland viele oder mehrere Akteure an der Finanzierung dieser kostspieligen Maßnahmen beteiligt sind: das Land, private Stifter, der Dombauverein, das Domkapitel, das Bistum. Die Finanzierung ruht also auf vielen Schultern, während in Frankreich – sagen wir es mal verkürzt – nur Herr Macron für den Erhalt der Kathedrale zuständig ist.

Diesen Umstand hat jetzt auch die französische Seite ins Nachdenken gebracht, ob diese Finanzierung nicht auf breite Schultern gelegt werden müsste, um den Erhalt solcher Kirchen dauerhaft zu sichern.

DOMRADIO.DE: Was sind da so die Extreme in dieser Debatte?

Meier-Hamidi: Die Extreme hat man ja auch an den Entwürfen in Frankreich gezeigt. Der Staat ist hier zuständig und damit letztendlich der Steuerzahler. Müsste nicht dann eine solche Kirche auch anderen Zwecken zugeführt werden, als nur den religiösen oder sakralen? Dann kommen natürlich Vorschläge wie: muss man nicht da im Prinzip einen Dachgarten einrichten mit Gewächsen, einen Park für die Bevölkerung oder ein Schwimmbad oder sowas. Es ist wichtig, immer wieder klarzumachen, dass ein solches Gebäude nur die Ausstrahlungskraft behalten kann, wenn es die sakrale Aura nicht verliert.

DOMRADIO.DE: Welche Bedeutung haben diese Kathedralen für die europäische Kultur? Haben Sie da vielleicht auch noch mal so eine neue Perspektive erfahren?

Meier-Hamidi: Es ist nochmal deutlich geworden, dass gerade bei diesen beiden Kirchen die Gotik, in der sie erbaut sind und die ja bis heute 850 Jahre durchgehalten hat, ein so geschlossenes Konzept von Symbolsprache und von Bildsprache ist. Diese Sprachen liegen in gewisser Weise quer zu unseren modernen Lebensentwürfen, die diese Ganzheitlichkeit so gar nicht mehr kennen. Das heißt, es wird hier so etwas wie ein Universum abgebildet, das in sich schlüssig ist und in sich spricht. Das verkörpert in einer hoch individualisierten Gesellschaft einerseits ein bisschen eine fremde Welt, andererseits hat es aber gerade aufgrund dieser Geschlossenheit von Bild und Komposition eine unglaubliche Faszination.

Das heißt, wir sind hier immer mit einem Bauwerk konfrontiert, was uns ein Stück weit Transzendenz vermitteln kann – gerade weil die Komposition, die Formen und der Baukörper diese Einmaligkeit bewahrt haben. Die Höhe des Gebäudes, die Komposition von Lichteinfall und gerade die unterschiedlichen Bilder, die diese Kathedralen aufbewahrt haben, sprechen für uns noch aus einer anderen Zeit. Gleichzeitig halten sie die Sehnsucht nach so etwas wie Ganzheit und Ungebrochenheit wach. Das macht sie in einer pluralen Gesellschaft, in der wir zwischen ganz vielen verschiedenen Angeboten hin und her switchen, so interessant. 

(DR)

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