Ein Foto mit dem Smartphone vom geöffneten Dreikönigenschrein
Ein Foto mit dem Smartphone vom geöffneten Dreikönigenschrein
Der Dreikönigsschrein ganz nah: die Schädel der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar
Der Dreikönigsschrein ganz nah: die Schädel der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar
Domdechant Robert Kleine
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine
Gläubige unterschreiten in einer Prozession den Dreikönigsschrein
Gläubige unterschreiten in einer Prozession den Dreikönigsschrein

10.01.2020

Schädel der Heiligen Drei Könige locken in den Kölner Dom Reliquien faszinieren auch heute

Drei Schädel mit goldenen Kronen - ohne sie gäbe es wohl den Kölner Dom nicht. Die Reliquien der Heiligen Drei Könige locken auch heute Besucher an. Im Mittelalter waren sie außerdem ein mächtiger Wirtschaftsfaktor.

Schulter an Schulter drängen sich Besucher vor einer samtig roten Kordel im Kölner Dom. Das Handy weit nach vorne gereckt, versuchen sie so nah wie möglich an den riesigen goldenen Schrein direkt vor ihnen zu gelangen. Hunderte Male fotografieren sie die prächtigen Kronen, die hinter einem Gitter in dieser Art Sarkophag liegen. Schemenhaft erkennt man, dass die Kronen auf drei menschlichen Schädeln ruhen.

Reliquien erinnern an Vorbilder

"Wir sind extra gekommen, um uns das anzusehen", erzählt eine Frau aus dem 60 Kilometer entfernten Waldbröl. "Das ist sehr interessant", pflichtet ihr Ehemann bei. Bei den Schädeln soll es sich um die sterblichen Überreste der Heiligen Drei Könige handeln. Zum ersten Mal zeigt sie der Dom eine volle Woche - vom Dreikönigstag am Montag und noch bis zum Sonntag.

Reliquien nennt die katholische Kirche die Knochen von Heiligen - oder auch andere Gegenstände wie persönliche Kleidungsstücke -, die sie in ihren Kirchen zeigt. "Das ist die Erinnerung an Menschen, die real gelebt haben, real gestorben sind und von denen ich glaube, dass sie auch nach ihrem Tod real bei Gott leben", erklärt Domdechant Robert Kleine und zieht einen Vergleich zum Fußball. "Nach Fußballspielen ziehen Spieler ihr verschwitztes Trikot aus und schmeißen das zu den Fans", sagt er. Die Parallele zur Reliquie: "Ich habe etwas, das mich an ein Vorbild erinnert."

Brauchtumsexperte: Ohne Reliquien hätte sich Köln nicht so gut entwickelt

Die Überreste stellen also eine symbolische Verbindung zu den Heiligen im Himmelreich her. Im Mittelalter waren die Knochen außerdem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wie Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti erklärt: "Sie zogen Menschen aus allen Himmelsrichtungen an. Die wollten nicht nur beten, die mussten auch übernachten und verköstigt werden." Ohne Reliquien hätte sich Köln nicht so gut entwickelt, schätzt Becker-Huberti, zumal die Stadt nicht nur mit den Heiligen Drei Königen sondern auch mit weiteren Knochen, wie etwa die der Heiligen Ursula aufwarten konnte. "Damit haben die ein Bombengeschäft betrieben", sagt der Brauchtumsforscher.

1164 kamen die drei Schädel von Mailand nach Köln. Um der Pilgerschar Herr zu werden und die Reliquien würdig zu präsentieren, wurde der alte Dom zurückgebaut und ab 1248 ein neuer errichtet. Das Weltkulturerbe Kölner Dom gäbe es ohne die Knochen in dem goldenen Schrein also vermutlich gar nicht.

Auch heute zählen die Gebeine laut Becker-Huberti zu den bekanntesten Reliquien der Welt. Etwa drei Meter Luftlinie und eine Glasvitrine trennen die modernen Pilger mit ihren Smartphones von den Schädeln mit ihren Kronen. Normalerweise wird nur für den Dreikönigstag, den 6. Januar, eine trapezförmige Platte von dem Schrein entfernt und so das Gitter mit Reliquien freigelegt. "Wir möchten die Heiligen Drei Könige mehr in den Blick nehmen", sagt Domdechant Kleine. Deshalb habe sich das Domkapitel entschieden, den Schrein auch in den kommenden Jahren bis zum Sonntag nach Dreikönig geöffnet zu lassen.

Fingerzeig auf Weihnachten

Die Strategie scheint aufzugehen: Besucher um Besucher drängen sich vor der roten Kordel und machen Fotos. Kleine schätzt, dass jeden Tag einige hundert Menschen zusätzlich in den Dom kommen, um die Knochen zu sehen. "Das ist toll", sagt ein Grundschüler aus der Eifel, der die Gebeine zusammen mit seiner Klasse anschaut. "Ehrlich gesagt, finde ich das ein bisschen furchteinflößend", erklärt hingegen eine Touristin aus Marokko, die eher zufällig an den Reliquien vorbeigelaufen ist.

Ob es sich bei den Schädeln wirklich um die drei Weisen aus dem Osten handelt, die laut Matthäus-Evangelium einem leuchtenden Stern gefolgt und so zum Jesuskind gelangt sein soll, ist übrigens umstritten. "Einen handfesten Beweis haben wir natürlich nicht", sagt auch Domdechant Kleine. "Aber es gibt diese lange Tradition." Bereits im 4. Jahrhundert seien die Knochen verehrt worden und besäßen damit eine Wirkungsgeschichte. "Eigentlich sind sie ein Fingerzeig darauf, was wir Weihnachten gefeiert haben", erklärt Kleine. "Nämlich dass Gott Mensch geworden ist in diesem Jesus von Nazareth."

Anita Hirschbeck
(KNA)

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