Illumination des Kölner Domes
Illumination des Kölner Domes

17.05.2019

Kölner Dompropst über den Dom im Wandel der Zeit "Der Dom ist ein Lichtraum"

Lichtdesign-Preis für die Bewegtbildprojektion "Dona nobis pacem" am Kölner Dom: Im Interview spricht Dompropst Gerd Bachner über den Dom, den Glauben, die Bedeutung des Lichtes und weitere Projekte in einem "lebendigen Jahr".

DOMRADIO.DE: Der deutsche Lichtdesign-Preis in der Kategorie Lichtkunst geht an den Kölner Dom für Ihr Projekt "Dona Nobis Pacem". Ist das nach dem vielen Lob im Vorfeld trotzdem eine Überraschung für Sie?

Prälat Gerd Bachner (Kölner Dompropst): Ehrlich gesagt, kannte ich den Preis vorher gar nicht. Als ich dann davon hörte und gebeten wurde, in Wuppertal die Eröffnungsrede zu halten, hatte ich schon so ein Gefühl. Aber als ich den Preis dann wirklich in den Händen hielt, war das dann eine besondere Freude. Aber auch ein besonderer Auftrag.

DOMRADIO.DE: Das war gestern bei der großen Veranstaltung in Wuppertal vor 500 Lichtdesignern.

Bachner: Das waren Fachleute aus ganz Deutschland, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und an verschiedensten Projekten arbeiten. In Städten, in Büros, in Museen und eben auch in Kirchen. Das Ambiente in der historischen Stadthalle mit Licht und Kerzen war ganz besonders. Bei der Eröffnungsrede habe ich das auch aufgegriffen. Da ging es weniger um unser Projekt "Dona nobis pacem" und um den Frieden. Es ging um das Licht. Und das Licht spielt in unserem Glauben ja eine ganz entscheidende Rolle.

DOMRADIO.DE: Was konnten Sie den Lichtexperten mit auf den Weg geben?

Bachner: Ich habe gestaunt, wie diese Experten froh und dankbar für einen theologischen Blick auf die Bedeutung des Lichtes waren. Das waren ja keine Kirchenleute. Die waren teilweise überrascht, dass unsere Kirchenräume eben keine dunklen Räume sind, sondern Lichträume. Der Glaube ist ein Lichtraum. Der Dom ist ein Lichtraum. Die Kölner Kathedrale ist ein Raum mit 10.000 Quadratmeter Fensterflächen! Hier finden die Menschen einen Schutzraum, eine Oase. Hierher können sie zur Meditation kommen, zum Gebet. Hier ist ein Gotteshaus, wo ich sein darf, wo ich nicht ausgegrenzt werde, wo ich gewünscht bin und wo Gemeinschaft gelebt wird!

DOMRADIO.DE: Und dieses Signal möchten Sie auch in die Welt senden?

Bachner: Wir stellen uns im Domkapitel immer wieder neu die Frage, wie wir die Themen aufgreifen können, die die Menschen beschäftigen. Ich werde zum Beispiel immer wieder auf die Gottesfrage angesprochen, auf ganz elementare Dinge. Die Menschen suchen und hinterfragen die Dinge. Die Auseinandersetzung mit Gott ist lebendig, Gott sei Dank! Da wollen wir helfen. Wir haben natürlich die Gottesdienste. Aber es gibt auch Lesungen und Konzerte und eben dann auch so Dinge wie diese Lichtinstallation, in der es um den Frieden ging. Und der betrifft wirklich alle Menschen.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja noch viel mehr Projekte: Die App, die neuen mehrsprachigen Ansagen. Da ist wirklich Bewegung drin, die man so gar nicht erwarten würde. Zuletzt haben Sie sogar Domschweizerinnen eingeführt.

Bachner: Ich bin davon überzeugt, dass wir auf der Basis der Tradition mit den Menschen neue Wege gehen müssen. Der Dom ist Weltkulturerbe. Der Dom ist das Wahrzeichen. Die Menschen schließen den Dom in ihr Herz ein. Wir überlegen gemeinsam, welche Schritte wir gehen können, damit die Menschen auch weiterhin den Glauben leben oder aber sich dem Glauben wieder annähern – auf den unterschiedlichsten Wegen.

DOMRADIO.DE: Ihre Amtszeit als Dompropst endet im kommenden Jahr. Haben Sie noch Ideen, die Sie umsetzen wollen?

Bachner: Ein bisschen traurig bin ich schon im Hinblick auf dieses Datum. Aber die Füße hochzulegen, ist nicht mein Ding. Ich bemühe mich weiterhin um neue Ideen rund um die Liturgie, die Kultur, die Heiligen drei Könige. Wie können wir diese Heiligen wieder ins Bewusstsein der Menschen bringen? Es gibt da ganz konkrete Ideen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das wird noch ein lebendiges Jahr.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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