Messdienerleiter Lukas Przybilla am Ostermorgen mit Kardinal Woelki im Gespräch.
Messdienerleiter Lukas Przybilla am Ostermorgen mit Kardinal Woelki im Gespräch.
Als älteste haben Lukas Przybilla und Wolfgang Küpper beim letzten Pontifikalamt mit Kardinal Meisner eine verantwortliche Rolle.
Als älteste haben Lukas Przybilla und Wolfgang Küpper beim letzten Pontifikalamt mit Kardinal Meisner eine verantwortliche Rolle.
Claudius und Aurelius Gatzweiler haben Buchdienst.
Claudius und Aurelius Gatzweiler haben Buchdienst.
Damian Kaluza hat Weihrauchdienst.
Damian Kaluza hat Weihrauchdienst.
Max Schlüter und Nils Kasper sind für die Gabenbereitung eingeteilt.
Max Schlüter und Nils Kasper sind für die Gabenbereitung eingeteilt.
Der Platz der Ministranten während einer Dommesse ist immer im Chorgestühl.
Der Platz der Ministranten während einer Dommesse ist immer im Chorgestühl.
Geselligkeit in der Gemeinschaft spielt bei den Dommessdienern auch eine große Rolle - wie hier bei der Nikolausfeier.
Geselligkeit in der Gemeinschaft spielt bei den Dommessdienern auch eine große Rolle - wie hier bei der Nikolausfeier.
Die jüngeren Messdiener lernen immer sehr schnell von den großen und werden mit allen Diensten früh vertraut gemacht.
Die jüngeren Messdiener lernen immer sehr schnell von den großen und werden mit allen Diensten früh vertraut gemacht.

23.12.2018

Dommessdiener empfinden ihre Aufgabe als "große Ehre" "Mir ist der Dom ans Herz gewachsen"

Wenn zu den Weihnachtsmessen im Dom tausende Besucher erwartet werden, stehen auch die liturgischen Dienste mehr als sonst im Rampenlicht. Dommessdiener ist man aus Leidenschaft, sagen die einen. Und: aus Liebe zum Dom, erklären die anderen.

Der Kauf eines Paars schwarzer Schuhen besiegelte gewissermaßen die Entscheidung. Als Cedrik Kasper zum ersten Mal vor fünf Jahren endlich selbst im Altarraum des Kölner Domes stand, hatte er schon lange vorher immer aus der ersten Kirchenbank zugeschaut und akribisch genau beobachtet, was ein paar Schritte weiter und wenige Treppenstufen höher – auf gutem Sichtabstand zu ihm – in der Vierung passiert. Er hatte aufmerksam studiert, wo die Ministranten in ihrem rot-weißen Talar und Rochett, die beiden großen Leuchter, mit denen zuvor beim Einzug das Vortragekreuz eingerahmt wurde, abstellen. Wann sie dem Zelebranten zum ersten Mal das Schiffchen für den Weihrauch entgegenhalten oder wie oft der Buchdienst mit dem schweren Lektionar dran ist. Auch die einzelnen Abläufe zur Gabenbereitung, bei der Domzeremoniar Tobias Hopmann Patenen und Kelche entgegennimmt, hatte er sich gemerkt und registriert, dass wenige Momente später alle Messdiener gemeinsam mit Flambeaus in den Händen eine feierliche Prozession beginnen und sich zur Wandlung – dann mit dem Rücken zur Gemeinde – entlang der Kommunionbänke aufreihen.

In Gedanken hatte er für sich längst alles durchgespielt. Der Gang ins Schuhgeschäft war für den heute 14-Jährigen dann nur noch Formsache, aber eben auch Voraussetzung für den dann nachfolgenden Schritt. Denn die Kleiderordnung für Dommessdiener, die auf dezenter Optik besteht – zumindest bei dem, was unterhalb der Fußfessel zu sehen sein darf – ist da eindeutig, und blaugestreifte Sneakers – womöglich noch mit bunter Gummisohle – wären in dem Zusammenhang ein absolutes No-go. Cedrik und sein 10-jähriger Bruder Nils haben solche Regeln wie auch die, stets pünktlich und zuverlässig zu sein, längst verinnerlicht und sind seit Jahren begeistert bei der Sache. "Eine Weile habe ich mir angeschaut, wie das die Großen da vorne machen, aber dann wollte ich selbst schon bald mit dabei sein", erinnert sich Cedrik noch ganz genau daran, wie sehr ihn die Vorstellung, Dommessdiener zu sein, fasziniert hat. Und er weiß auch noch wie gestern, dass er schon bei seinem zweiten Einsatz "ins kalte Wasser geschubst" wurde. "Ich war für die Gabenbereitung eingeteilt. Das war ungemein aufregend mit all den Kameras um mich herum." Richtiges Lampenfieber habe er gehabt – und auch Sorge, etwas falsch zu machen. "Immer wieder ging mir durch den Kopf: Das sehen jetzt alle." Doch dann sei er zunehmend sicherer geworden. Heute kann er über seine Angst von damals nur noch lachen und empfindet er es als "große Ehre", Domministrant zu sein.

Minusgrade im Winter

Dass man sich in den Wintermonaten schon mal mehrere Schichten übereinander anziehen muss, hat jeder schnell raus. Die Temperaturen im Dom können zu Spitzenzeiten kaum erträgliche Minusgerade erreichen. "Die Konzentration aber lenkt ab", sagt Claudius Gatzweiler. "Richtig kalt wird es erst, wenn man nichts zu tun hat, aber dazu gibt es im Dom kaum Gelegenheit." Für den 21-Jährigen, der in Köln studiert, ist die sonntägliche Dommesse in letzter Zeit auch eine Gelegenheit, die eigenen Brüder öfter als sonst zu treffen – und wenn auch nur in Sakristei, Altarraum oder Hochchor. Mit den Cousins Hubert und Damian, die sich vor einiger Zeit als sogenannte "Quereinsteiger" werben ließen,  ist zumindest der männliche Teil der Familie Gatzweiler dann schon fast komplett. Zu einem "Familientreffen am Dom" führt dieses Ehrenamt jedenfalls einige Verwandte regelmäßig zusammen – darunter auch die Familien Kaluza und Przybilla, aus denen allein sechs Dommessdiener kommen.

Lukas Przybilla ist einer von ihnen und schon seit zwölf Jahren im Dom mit dabei. Eigens aus Neuss ist die Familie immer gekommen, zu der neben einer Schwester noch seine Brüder Constantin, Kilian und Cornelius – allesamt Dommessdiener – gehören. Über seine Teilnahme bei "Nightfever" ist er damals für den Dienst im Dom geworben worden und schon lange Mitglied der Leiterrunde. "Bis zu meinem Abi bin ich jeden Sonntag extra wegen des Dienens in den Dom gefahren", erzählt der heute 28-Jährige. Und dass ihm diese "geistliche und weltliche Gemeinschaft" gut gefällt: eine Mischung aus Glaubensgesprächen mit dem Domvikar und dem obligatorischen Altstadt-Bier im Anschluss daran. Hier sowohl das eine wie auch das andere zu finden, habe die Dommessdiener für ihn interessant gemacht. Mittlerweile sei eine Clique herangewachsen, die einen guten Draht zueinander habe. "Auf gleicher Wellenlänge zu sein ist eine schöne Erfahrung", sagt er.

Monatliche Stammtischrunden

Etwas ganz Neues sei der Dom für ihn am Anfang gewesen. "Bislang war ich als Messdiener eine überschaubare Pfarrei mit begrenzten räumlichen Ausmaßen gewohnt. Die Wege im Dom sind da um einiges weiter", berichtet Lukas. Schon allein das Gebäude mache ehrfürchtig. Hinzu komme dann noch die große Verantwortung, die jedem Dommessdiener qua Amt übertragen werde – für einen Dienst, der gleichermaßen Gebet sei, findet der junge Mann. Lieblingszeiten, zu denen ihm der Domdienst besondere Freude macht, hat er nicht. "Es geht mir um die Messe und die ist zu jeder Zeit – auch an den Werktagen – gleich gültig." Dass Lukas seit Sommer verheiratet ist und daher nun auch gerne neben seiner Frau in der Bank sitzen bleibt, hindert ihn nicht daran, weiterhin im Messdienervorstand aktiv zu sein. "Die Leiterrunde ist dafür da, die Arbeit auf mehreren Schultern zu verteilen. Hier besprechen wir, was im Verlauf eines Jahres ansteht."

Und da summiert sich eine ganze Menge. Nicht nur, dass die monatlichen Stammtischrunden organisiert werden müssen. Jemand muss regelmäßig die Fan-Seite auf Facebook bedienen – "die sozialen Medien sind für unsere Vernetzung sehr wichtig" – der Kontakt zur Domseelsorge muss hergestellt werden; es gilt, Absprachen zu treffen und gegebenenfalls zur Nikolausfeier oder der nächsten Rorate-Messe einzuladen. Auch lästiges Protokollschreiben nach offiziellen Leitersitzungen ist einer der Jobs, vor denen sich Lukas nicht drückt. "Als Dommessdiener lernt man sehr schnell, sehr viel Verantwortung zu übernehmen", argumentiert er und betrachtet es zudem als seine Aufgabe, Gastmessdiener unter seine Fittiche zu nehmen. Dafür hat er zusammen mit den anderen Leitern eine "Taktik-Tafel" entwickelt, mit der er auf die Schnelle kurz vor Messbeginn den Neuankömmlingen die einzelnen Abläufe erklärt. Der Anspruch an Perfektion bestehe durchaus, sagt Lukas, dafür sorgten allein schon die Kameras, die einen automatisch zu einem Dienst "mit Schliff" erziehen würden. Schmunzelnd fügt er jedoch hinzu: "Auch wenn dann trotzdem schon mal das Weihrauchfass brennt."

Kardinal Meisner als "lustiger Typ"

Jedenfalls ist ihm das schon mal in einem Pontifikalamt mit Kardinal Meisner passiert. Aber der habe das mit Humor genommen. Überhaupt habe er den damaligen Kölner Erzbischof eher als "lustigen Typen" in Erinnerung, der für die Dommessdiener immer einen lockeren Spruch übrig gehabt hat, erinnert sich der angehende Theologe und Archäologe. Sein Tod sei für ihn ein "einschneidendes Erlebnis" gewesen. "Zumal er den Großteil meiner Messdienerlaufbahn geprägt und im Dom immer auch ein persönliches Wort mit mir gewechselt hat."

An solche Begebenheiten kann auch Wolfgang Küpper anknüpfen, für den der Dienst im Dom seit dem Domjubiläum 1998 zu seinem Leben gehört, wie er bekennt. Unter der Woche arbeitet der 35-Jährige als Steinmetz in der Dombauhütte, und am Wochenende verbringt er als Dommessdiener auch noch seine freie Zeit zu einem Großteil im und am Dom. "Diese Gemeinschaft hat sich bei mir eingebrannt, hier bin ich verwurzelt." Er kenne das Bauwerk mittlerweile aus allen denkbaren Perspektiven, schwärmt Küpper und betont: "Der Dom ist mir ans Herz gewachsen – und wie ein zweites Zuhause."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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