Antijüdische Darstellungen am Dom
Antijüdische Darstellungen am Dom
Eine Abbildung der sogenannten "Judensau" im Chorgestühl des Kölner Doms
Eine Abbildung der sogenannten "Judensau" im Chorgestühl des Kölner Doms
Antijüdische Darstellung im Dom
Antijüdische Darstellung im Dom

25.10.2018

Kölner Dom setzt sich mit Antijudaismus auseinander Was tun mit der "Judensau"?

Es gibt sie bis heute: die "Judensau": antijüdische Darstellungen, die in vielen deutschen Kirchen und Kathedralen hängen. So auch im Kölner Dom. Wie sollte man damit umgehen? Köln hat jetzt eine Lösung gefunden.

Die Spitzhüte sollen sie als Juden erkennbar machen: Einer hält die Sau fest, ein Zweiter füttert sie und ein Dritter kniet nieder, um an ihren Zitzen zu trinken: Das antijüdische Holzrelief, die so genannte "Judensau", ist Teil des Chorgestühls im Kölner Dom und über 700 Jahre alt.

Darstellungen dieser Art finden sich bis heute in zahlreichen deutschen Kirchen und Kathedralen. Meist handelt es sich um Skulpturen oder Schnitzereien aus dem Mittelalter, die mittels der Tiermetapher Juden verhöhnten und demütigten. Im Judentum gilt das Schwein als unrein.

Antijüdische Darstellungen im Dom

Mindestens zehn solcher Artefakte gibt es auch am Kölner Dom, nicht alle sind so offensichtlich wie die "Judensau" im Chorgestühl: Manche sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich, andere transportieren antijüdische Vorstellungen eher subtil, versteckt hinter christlichen Mythologien. Die jüngste wurde am Ende des 19. Jahrhunderts gefertigt.

Mit dieser unrühmlichen Geschichte des Domes setzt sich jetzt das Buch "Der Dom und die ‚Juden‘" auseinander, eine Neuauflage des bereits 2008 veröffentlichen Kölner Domblattes. Die 260 Seiten starke Aufsatzsammlung von Wissenschaftlern, Historikern und Theologen setzt sich systematisch mit dem Antijudaismus im und am Kölner Dom auseinander. Der Zentraldombauverein hat die Finanzierung übernommen, das Buch ist ab sofort im Handel erhältlich.

Wie damit umgehen?

"Es geht uns darum, diese Darstellungen im historischen Kontext zu erklären und zu problematisieren, dass Antijudaismus Teil der christlichen Kirchen ist, übrigens nicht nur der katholischen Kirche", sagt Prof. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Gemeinsam mit dem Kölner Domkapitel hatte diese vor drei Jahren einen Arbeitskreis gegründet, der nach Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit antijüdischen Darstellungen am Dom sucht.

Die katholische Kirche steht mit diesem Problem nicht allein: Die bekannteste Schmähskulptur ist die "Judensau" an der Wittenberger Stadtkirche. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und zeigt einen Mann, der der Sau in den After schaut. 1988 brachte man dort eine Gedenkplatte an, die auf die Folgen des Judenhasses hinweist. Vor Gericht wird gerade um die Entfernung der Skulptur gerungen.

Einfach Entfernen hilft nicht

In Köln ist das keine Option: Viele der Artefakte sind nicht öffentlich zugänglich, daher machen Hinweisschilder wenig Sinn. Und aus denkmalpflegerischer Perspektive verbiete sich eine Entfernung, heißt es aus der Dombauhütte. Zudem ändere man dadurch auch nicht die Geschichte.

"Bilderstürmerei ist keine Antwort", sagt auch Jürgen Wilhelm, "wir wollten das Thema konstruktiv in Zusammenarbeit mit dem Domkapitel aufgreifen." Antijudaismus sei Teil des Kölner Domes, wenn auch kein schöner. "Sich damit auseinanderzusetzen, halten wir für wirkungsvoller, als mit Hammer und Meißel loszuziehen."  Zudem seien zahlreiche weitere Maßnahmen geplant, so der Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit: Er kündigt für die kommenden Jahre thematische Führungen, Ausstellungen und Flyer an, die über das Thema informieren.

Später Schritt?

Die jüdische Gemeinde in Köln begrüßt diesen Schritt. Natürlich sei es ein Ärgernis, dass in deutschen Kirchen immer noch so viele antijüdische Darstellungen zu sehen seien, so Miguel Freund von der Kölner Synagogengemeinde. Er ist zugleich Mitglied der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. "Ich bin sehr dankbar, dass das Domkapitel das Thema aufgenommen hat, denn wir wollten eine Auseinandersetzung damit: Antijudaismus hat es in allen Zeiten der Geschichte gegeben, aber es muss deutlich gemacht werden, was daraus entstanden ist und dass das jetzt Vergangenheit ist."

In diesen Tagen jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. Wird das Thema nicht sehr spät aufgegriffen? Ja, findet Freund, der sich seit 20 Jahren für die christlich-jüdische Zusammenarbeit engagiert. "Und ich hätte nicht gedacht, dass das eine nie endende Aufgabe ist", sagt er. Heute sei Antisemitismus unverhohlener denn je. Dem müsse man etwas entgegensetzen und nicht darüber lamentieren, dass es so lange gedauert hat, so Freund.

Kirchlicher Antijudaismus als Wegbereiter für den heutigen Antisemitismus – das hätte schon in der Nachkriegszeit thematisiert werden müssen, dem stimmt auch Jürgen Wilhelm zu: "Ich kann nur tief seufzend sagen: Wir haben es gemacht, spät, sehr spät, aber hoffentlich nicht zu spät."

Ina Rottscheidt
(DR)

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