Finde die Fehler: So kommen die beiden nicht in den Kölner Dom
Finde die Fehler: So kommen die beiden nicht in den Kölner Dom
Verteidigt die Würde des Domes: Hans-Jochen Henk mit Domschweizerhut und Kapitelsstab.
Verteidigt die Würde des Domes: Hans-Jochen Henk mit Domschweizerhut und Kapitelsstab.
Bei den vielen Touristen sind die Domschweizer pausenlos im Einsatz.
Bei den vielen Touristen sind die Domschweizer pausenlos im Einsatz.
Diese Tücher standen zur Verfügung am Domportal
Diese Tücher standen zur Verfügung am Domportal
Ludger Wolff und Nikolaos Kittis lassen zu Messzeiten nur Gottesdienstbesucher durch.
Ludger Wolff und Nikolaos Kittis lassen zu Messzeiten nur Gottesdienstbesucher durch.

24.07.2018

Kölner Domschweizer im Einsatz an den heißen Tagen "Badeanzug im Dom? Das geht gar nicht…"

Bis zu 30.000 Touristen besuchen im Sommer täglich den Kölner Dom. Nicht alle wissen, wie man sich in einem Gotteshaus angemessen verhält. Damit es dort aber würdevoll zugeht, gibt es die Domschweizer. Sie kennen alle Benimmregeln und noch viel mehr...

Domschweizer in Stresstest - Hier geht es zur Bildergalerie

Verwechslungen mit dem Kardinal kommen gelegentlich schon mal vor. "Sogar die Hand jebützt hat mir schon mal einer und ist dabei vor mir auf die Knie gefallen", erzählt Franz- Jochen Henk. Und das alles wegen des roten Gewands. Überhaupt gerät der 60-Jährige immer ins Schmunzeln, wenn er sich an die eine oder andere Kuriosität erinnert, die er während seiner 12-jährigen Tätigkeit als Kölner Domschweizer schon erlebt hat. Ein gackerndes Huhn hatte mal jemand durch die heiligen Hallen laufen lassen, dem dann das Aufsichtspersonal hinterher gejagt sei, berichtet er. Oder eine im Weihwasserbecken zum Kühlen abgelegte Schnapsflasche musste entsorgt werden – ganz zu schweigen von den vielen Schnappschüssen, die in den aberwitzigsten Posen vor, aber auch im Dom gewünscht werden.

Wenig Humor allerdings zeigen Henk und seine Kollegen – zurzeit sind etwa 30 Domschweizer am Kölner Dom in Voll- und Teilzeit beschäftigt – bei regelrechten Verstößen gegen den guten Ton. Verhaltensweisen, die nicht der Würde eines Gotteshauses entsprechen, dulden sie nicht.

Hier finden Sie die Benimmregeln des Kölner Doms

Keine Nachsicht haben sie auch mit bewussten Störenfrieden. Dafür sind die Ordnungshüter in ihrem roten Talar mit schwarzem Samtbeschlag jedenfalls da. Gutes Benehmen oder aber die Ehrfurcht vor dem geweihten Ort habe doch generell in den letzten Jahren deutlich nachgelassen, so die Beobachtung Henks. Was Anstand und Disziplin bedeute, wüssten nur noch die wenigsten. Es verwundere schon, wenn beispielsweise ein Lehrer mit seiner Klasse das Picknick in den Kirchenbänken auspacke und dann nicht einsichtig sei, wenn einer der Domschweizer alle freundlich, aber bestimmt vor die Tür schickt. Essen und Trinken seien in dem gotischen Prachtbau tabu – genauso wie das Mitführen von Tieren. "Trotzdem gibt es bei uns schon eine größere Toleranz als anderswo", räumt Henk ein. In St. Peter in Rom oder auch im Mailänder Dom würde ein solches Verhalten, wie es die Kölner Touristen mitunter an den Tag legten, ganz sicher nicht durchgehen. Bei den anhaltend heißen Temperaturen habe ja gefühlt fast jede zweite Frau nicht mehr als einen Badeanzug an. "Das geht gar nicht."

Kleiderordnung ist ein heikles Thema

In der Tat ist die Kleiderordnung ein heikles Thema im Dom. Auch hier fehle manchen Besuchern das nötige Empfinden, sagt Hans Block, seit drei Jahren im Dienst des Domes. Ein No-go sind bei Männern Sonnenkappen und Mützen, bei Frauen schulterfreie T-Shirts oder Spaghetti-Träger. Natürlich seien auch die arg kurzen Hosen manchmal grenzwertig. Dafür gibt es seit ein paar Wochen Tücher, die das Dompersonal beim Betreten am Hauptportal zum Bedecken der Schulterpartie ausleiht. "Hierzu gibt es eigentlich keinen Widerstand", sagt Block. Doch würde manchmal die Bitte, die Kopfbedeckung abzunehmen, mit einem blöden Spruch quittiert. Provozieren lässt er sich allerdings nicht. "Immer geht es um Deeskalation und angemessene Umgangsformen", betont Block. Auch Vorbildfunktion spiele da mit hinein. "Wenn ich will, dass sich die Dombesucher zivilisiert benehmen und eher leise sprechen, muss auch ich mich um einen ausgleichenden Ton bemühen." Dazu gehöre nun mal, in Kölns Kathedrale nicht übermäßig laut zu werden und eher beschwichtigend das eigene Ziel zu verfolgen.

Einzelne Fallsituationen durchzuspielen, in denen es auf das nötige Fingerspitzengefühl, aber auch ein gewisses Durchsetzungsvermögen ankommt, ist sogar Teil der Schulung, die die Rendantur für die Domschweizer seit neuestem durchführt. Block versteht sich in der Rolle des Domschweizers demnach auch eher als "Moderator", der die "Marke Kölner Dom" repräsentiert. "Wir sind dafür da, seine Würde zu schützen. Die Menschen, die hier zu Tausenden täglich in den Dom strömen, bringen ganz unterschiedliche Erwartungen mit, die wir in eine Balance zueinander bringen müssen. Manche suchen das bloße Kulturereignis, andere bewusst den heiligen Raum. Das ist manchmal eine Gratwanderung, aber eben auch unser Job."

Über Funk in Kontakt

Auch Fabian Frerich, seit acht Jahren Teil des Dompersonals und ebenfalls begeistert von seiner Aufgabe, im Dom auf dem Posten zu sein, um für geordnete Abläufe zu sorgen, ist bemüht, absehbarem Stress mit Besuchern möglichst vorzubeugen und einem Konflikt bereits im Vorfeld die Spitze zu nehmen – am besten schon vor der Kirchentür. Alles, was auf eine Auseinandersetzung hinaus laufen könne – wenn auch nur verbaler Natur – sollte möglichst vermieden werden. Dafür sind an Spitzentagen bis zu acht oder zehn Domschweizer gleichzeitig im Dienst und immer über ein Funkgerät miteinander verbunden, um im Notfall schnell beim Kollegen einspringen zu können. "Das hat unsere Kommunikation untereinander deutlich verbessert und kommt angesichts der immer noch steigenden Besucherzahlen letztlich auch der Atmosphäre im Dom zugute", stellt Frerich fest. Und Handgreiflichkeiten seien ohnehin die Ausnahme. Für diesen seltenen Fall aber gäbe es ja auch noch den Sicherheitsdienst, der seit 2017 die Domschweizer bei ihrer Arbeit unterstützt. Denn natürlich müsse man auf alles vorbereitet sein. Schließlich würden die Domschweizer auch schon mal mit religiösen Fragen konfrontiert bis hin zu Beleidigungen und abfälligen Bemerkungen. Dann könne eine Situation durchaus völlig unbeabsichtigt aus dem Ruder laufen. Doch in Diskussionen mit Andersgläubigen beispielsweise würde er sich vorsichtshalber nicht verwickeln lassen.

Der gelernte Glaser, der immer ein Headset trägt, um mit den anderen Dienst habenden Kollegen in Kontakt zu sein, hat früher handwerklich gearbeitet. Dann aber hat er sich auf eine Ausschreibung hin gemeldet und ist nun in seinem neuen Beruf, in dem vor allem Pensionäre arbeiten, "superglücklich". Ihm gefällt alles an seiner Arbeit, die angesehen sei, wie er sagt, und die er als einen "Ehrendienst" versteht – zumal als Kölner. Es sei ein "schönes Gefühl, einfach eine tolle Sache", im und für den Dom arbeiten zu dürfen. "Für mich ist er wie ein zweites Zuhause." Auch wenn die Frühschicht in aller Herrgottsfrühe um 5.40 Uhr beginnt und der letzte Domschweizer um 21.10 Uhr den Dom verlässt, mache jede der drei Schichten Spaß, so Frerich. Manchmal sei der Kerzendienst vor der Schmuckmadonna besonders arbeitsintensiv – an den Samstagen im Sommer müssten schon mal bis zu 8.000 abgebrannte Kerzen nach und nach weggeräumt werden – aber vor allem auch die Begegnung mit den vielen Touristen und Gottesdienstbesuchern sei immer abwechslungsreich. Wo sich denn nun das Richter-Fenster befinde, wie man auf den Turm komme, wann der Dom gebaut worden sei, wo Kardinal Meisner beerdigt liege und wo die "Tre re magi" – das sind nur einige der vielen Fragen, mit denen alle Domschweizer tagtäglich geradezu gelöchert würden.

Der Dom ist kein Museum

"Den Kölner Dom verwechseln manche mit einem Museum. Aber ein solches Missverständnis klären wir schnell auf", sagt der 30-Jährige, der unermüdlich freundliche Auskünfte gibt. Chinesen hätten sogar schon mal ungläubig gestaunt, als er auf ihre Nachfrage erklärt habe, nein, während der Messe in der Marienkapelle würde keine CD abgespielt und der Priester am Altar sei auch nicht Teil einer besonderen Performance. "Da muss man sich schon wundern, wie unvertraut man in manchen Teilen der Welt mit unserem katholischen Glauben ist. Aber mit ein paar Informationen über das Christentum helfen wir angesichts eines solchen Defizits dann gerne nach."

Die Domschweizer, die rheinische Variante der Schweizer Garde im Vatikan, verstehen sich als Team. Dazu gehört auch, dass alle schon mal gerne an den Spezialisten verweisen, wenn es eine besonders knifflige Frage zu klären gibt. Kollege Henk ist dafür bekannt, dass er über kunsthistorisches Detailwissen zum Dom verfügt. Auch würdiges Auftreten – das verkörpert er wie kaum ein anderer vom Scheitel bis zur Sohle.

Keine Prozession ohne Domschweizer

An den Sonn- und Feiertagen, an denen er vornehmlich Dienst tut, führt er mit unbeweglicher Miene – den Domschweizerhut auf dem Kopf und den Kapitelsstab in der Hand – jede liturgische Prozession an. Schließlich ist Henk Domschweizer mit Leib und Seele. "Ne Art Berufung" sieht er in seiner Arbeit. Und gar nicht vorstellen kann er sich, mit 70 in "seinem" Dom aufzuhören. Zum Glück gebe es ja dann noch den Domehrendienst und damit weiterhin für ihn zu tun, tröstet sich der ehemalige Postbeamte.

Öffentliche Vertraulichkeiten mit den Geistlichen, selbst wenn man sich gut kennt und sogar täglich im Dom begegnet, erlaubt sich Henk niemals. Das gebiete der Respekt vor dem Amt und der Person. "Beleidigungen unseres Herrgotts" duldet er ebenso wenig wie plumpes Gerede über den höchsten Würdenträger des Domes. "Mit ‚Der Woelki’ muss mir hier keiner kommen. Da werde ich sehr eindeutig. Das gehört sich einfach nicht."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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