Führung im Kölner Dom
Führung im Kölner Dom
Bis zu 30.000 Touristen werden in den Sommerwochen im Kölner Dom gezählt
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Ein Schattenplätzchen am Dom haben Elisabeth und Wolfgang Wachsen für das Picknick mit Enkel Jonas gefunden
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Bis zu 8.000 abgebrannte Kerzen räumt Domschweizer Fabian Frerich mit seinen Kollegen täglich weg
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Zwischenstopp im Kölner Dom: Es gibt viel zu bestaunen
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Dorothea Stoll aus Chicago will möglichst viele Eindrücke für die Familie festhalten
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Wing Singh (Mitte) aus Indien ist für religiöse Rituale empfänglich
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Domführerin Maria Eicker erläutert die Geschichte des Kölner Doms
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Die Touristenströme hinterlassen Spuren: Restauratorin Bettina Grimm beim Saugen der Strebepfeiler
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Schlange stehen für einmaligen Kulturgenuss - im Sommer ein ganz normales Bild am Hauptportal
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16.07.2018

Bis zu 30.000 Touristen besuchen täglich den Kölner Dom Ausruhen bei Gott

Brütende Hitze, erdrückende Schwüle. Momentan hält der Sommer, was er verspricht. Doch Sightseeing in Großstädten wie Köln ist bei hohen Temperaturen auch anstrengend. Schatten und Kühle suchen die Menschen dann oft in alten Kirchen.

Jonas kaut genüsslich auf seinem Apfelstück, das ihm der Großvater mit dem Taschenmesser zerteilt. Dann setzt er seine Trinkflasche an den Mund. Die Sonnenkappe bedeckt das verschwitzte Haar. Doch dem kleinen Knirps ist anzusehen, wie sehr er das kleine Picknick unter den gotischen Bögen der Außenfassade des Kölner Domes genießt.

Einen Tag lang ist der Vierjährige "Ferienkind" bei Oma und Opa. Und solche Ausflüge – versprochen wurde ihm nach dem Kirchenbesuch noch eine Schiffstour auf dem Rhein – sind einfach toll und viel abwechslungsreicher als der Kindergarten. "Eigentlich wollten wir uns an den Springbrunnen um die Ecke setzen, da sah es sehr einladend aus", erklärt Elisabeth Wachsen aus Erftstadt.

Aber die knallige Sonne sei einfach zu heiß gewesen. Hier aber im Schatten der Kirchenmauern lasse es sich gut aushalten, auch um dem Enkel die Geschichte von den Heiligen Drei Königen zu erzählen.

Außerdem gibt es während der kurzen Verschnaufpause für Jonas nebenbei noch eine Menge zu entdecken: die Straßenmaler, die riesige Bilder auf den schmucklosen Stein der Domplatte zaubern, die Gaukler, die – passend zur Kathedrale –  ihr mittelalterliches Kostüm komplett in der Fassadentönung eingefärbt haben und in der Wärme regungslos wie Statuen ausharren.

Oder die Bettler auf ihren Stammplätzen am Haupteingang, die den vielen Touristen ihren Plastikbecher hinhalten und geduldig einen "guten Tag" wünschen, auch wenn die meisten achtlos an ihnen vorbeidrängen und nichts hineinwerfen.

Domschätze mit dem Handy festhalten

Im Dom-Innern gibt es ebenfalls eine Menge zu sehen: vor allem die kunsthistorischen Schätze und Kostbarkeiten, um deretwillen in den Sommerwochen schätzungsweise bis zu 30.000 Besucher aus aller Welt die hohen Kreuzgratgewölbe bestaunen, Reiseführer in den exotischsten Sprachen studieren und pausenlos die Handys in die Höhe halten.

Als lasse sich die überwältigende Erhabenheit dieser gotischen Baukunst überhaupt für die Daheimgebliebenen auf eine solche Art und Weise dokumentieren. Aber versuchen wollen sie es doch zumindest und möglichst vielseitige Eindrücke von den im Sonnenlicht funkelnden Fenstern mit ihren biblischen Bildergeschichten, vom Dreikönigenschrein, vom Lochner-Altar oder dem Gero-Kreuz sowie der Schmuck-Madonna mit den hunderten flackernden Kerzen davor "festhalten" und hinaus in die Welt versenden.

Vereinzelte Gebete inmitten der Touristenströme

Doch auch das gibt es mitten am Tag zwischen den vielen murmelnden Reisegruppen und ihren unermüdlichen Versuchen, mit Selfies oder Spiegelreflexkameras bleibende Erinnerungen zu schaffen: vereinzelte Beter, die sich von dem unaufhaltsamen Treiben der Touristenmengen und dem damit einhergehenden Geräuschpegel nicht aus der Ruhe bringen lassen.

In sich gekehrt knien sie in einer Bank und bilden den optischen Gegenentwurf zu der ansonsten rastlosen Betriebsamkeit in Deutschlands größter Kathedrale. Stille finden wollen sie in der Geschäftigkeit des Alltags, sagt ihre Haltung: der Hitze entfliehen und ausruhen – ausruhen bei Gott.

In der Überzahl sind sie nur zum Mittagsgebet um 12 Uhr und in aller Herrgottsfrühe. Dann sind die Frühmessen mit den täglichen Gottesdienstbesuchern gut gefüllt und die Touristenströme noch nicht zu Kölns Hauptattraktion unterwegs. Zu dieser Zeit ist der Dom in eine ganz eigene, unverwechselbare Stimmung getaucht.

Wer bereits um sieben oder acht Uhr im Dom unterwegs ist, der ist nicht auf der üblichen Jagd nach unvergesslichen Urlaubserlebnissen oder geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten, sondern sucht den spirituellen Impuls, die geistliche Oase, den gesegneten Einstieg in den Tag.

Sandstein speichert Wärme wie Kälte

Dass es in dem mittelalterlichen Bau bei den heißen Außentemperaturen kühler als draußen sein soll, stimmt allerdings nicht. "Der Eindruck im ersten Moment täuscht", weiß Domschweizer Fabian Frerich. "Auch im Dom erreichen wir Spitzenwerte von 31 und 32 Grad. Der Sandstein speichert Wärme wie Kälte", gibt er Auskunft.

"Es braucht nur immer seine Zeit, sodass zwischen großen Temperaturschwankungen Wochen liegen können, bis innen das Außenklima nachvollzogen ist." Dann aber bleibe das Raumklima eine Weile konstant. An heißen Tagen brauche man sich nur eine Weile im Dom zu bewegen, dann schwitze man genauso wie die Menschen auf der Domplatte, so die Erfahrung des Ordnungshüters.

Über Tag, so erklärt Frerich, der für den Acht Stunden-Dienst unter seinem roten Sommertalar, der eigens aus leichtem Material ist und unter dem er kurze Hosen und T-Shirt tragen darf, würden die schweren Portale geschlossen bleiben, um die Temperaturen drinnen einigermaßen erträglich zu halten und die Hitze draußen zu lassen. Allein schon aus denkmalpflegerischen Gründen. Aber in den frühen Morgenstunden – zwischen 6.30 und 8.30 Uhr – würde im Dom mit offenen Türen an allen Zugängen kräftig durchgelüftet.

Dombesuch ein "Muss"

Lisa, Samantha, Corina und Julia aus Bayern empfinden bei ihrem ersten Dombesuch die scheinbare Kühle als ausgesprochen angenehm. Erst später bemerken die Mädchen, dass die Luft auch hier steht und sich ein leichter Schweißfilm auf der Haut bildet. Sie sind zu einem Pop-Konzert in der Lanxess-Arena angereist und beteuern, dass ein Dombesuch bei dieser Gelegenheit ein absolutes "Muss" ist.

"So etwas sieht man schließlich nicht alle Tage. Einfach großartig, riesig, voll beeindruckend", formulieren die Teenager ihre Begeisterung und staunen über die Ausmaße des Gotteshauses. Es sei ein willkommener Zwischenstopp, hier in dieser einmaligen Architektur eine Weile ausharren zu dürfen, finden sie. Da lasse sich für den noch anstehenden Stadtrundgang in der sengenden Sonne neue Kraft tanken.

"Atemberaubend" findet auch Dorothea Stoll aus Chicago Kölns Wahrzeichen. Mit ihrer Tochter Leigh und Nichte Olivia ist sie zur Stippvisite in Köln und empfindet den im Vergleich zum blendenden Tageslicht eher dunklen Raum als "erfrischend". Unentwegt zücken die Mädchen ihre Handys und kommentieren die eigenen Schnappschüsse mit "amazing", "wonderful" und "pretty". Ein gelungener Ausflug an den Rhein – darin sind sich die Gäste aus Amerika einig.

Kulturelle Eindrücke aufsaugen

Völlig fern liegt Wing Singh ein Hadern mit den momentanen deutschen Klimaverhältnissen. Da wo er herkomme, erklärt der betagte Inder, gäbe es extremes Klima: bis zu 45 Grad zurzeit. Damit sei eine solche Schwüle, unter der die Mitteleuropäer mitunter stöhnten, keineswegs zu vergleichen. Singh ist ebenfalls zum ersten Mal im Kölner Dom und saugt die kulturellen Eindrücke der christlichen Religion, die ihm als Hindu eher fremd sind, auf.

Der Besucher aus Neu Delhi ist mit Tochter und Enkel unterwegs. Auch sie machen Rast in den Kirchenbänken und sprechen an diesem katholischen Ort ein Gebet in ihrer Sprache. Was es mit den Heiligen Drei Königen in dem goldenen Schrein auf sich habe, wollen sie ergründen und zeigen sich angesichts der Tatsache, dass eigens für diese Reliquien ein solches sakrales Monument errichtet wurde, "höchst beeindruckt".

Vertraut an dieser Geschichte ist ihnen am ehesten der Teil, der mit Verehrung zu tun hat. Daher will Singh – wie so viele Dombesucher an diesem Sommertag – gleich eine Kerze im nördlichen Querhaus anzünden. Denn Rituale, seinem Gott zu huldigen und ein glückliches Leben zu erbitten, die kennt der alte Mann aus seinem Glauben auch.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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