Johann Sebastian Bach
Johann Sebastian Bach

26.12.2017

Weihnachtsoratorium von Bach im Kölner Dom Die dritte Kantate

Passend zum dritten Weihnachtstag wird am Mittwoch die Domkantorei im Kölner Dom das Weihnachtsoratorium von Bach aufführen. Auf dem Programm stehen die Kantaten 3, 5 und 6. Der Eintritt ist frei!

Das Timing ist bewusst gewählt. "Denn wir wollen den Dombesuchern ermöglichen, die von Bach für die Weihnachtstage geschriebene Komposition auch am Weihnachtsfest selbst erleben zu können", begründet Winfried Krane die Terminwahl. Der Leiter der Domkantorei Köln und der Kölner Domkapelle führt daher am dritten Weihnachtstag, dem 27. Dezember, die Kantaten 3, 5 und 6 aus dem Bach’schen Weihnachtsoratorium im Kölner Dom auf. Und natürlich wird zum Konzertauftakt auch "Jauchzet, frohlocket" aus dem ersten Teil nicht fehlen, bevor Dompropst Gerd Bachner an diesem Abend die Konzertgäste begrüßt. "Den Eingangschor erwarten die Zuhörer, und der gehört schließlich zu diesem Oratorium auch gewissermaßen als Erkennungsmelodie dazu", lacht Krane, der in den vergangenen Jahren immer wieder diese im Advent so oft aufgeführte Musik aufs Programm der Kölner Dommusik gesetzt hat. "Bach hat die Musik selbst für den liturgischen Raum geschrieben, und deshalb führen wir sie auch bevorzugt in der Kirche auf, wo geistliche Musik vor allem hingehört und die Erfahrbarkeit von Spiritualität gleich mitliefert", sagt der Musikpädagoge.

Eintritt frei

Das textliche Rückgrat des Weihnachtsoratoriums aus dem Jahr 1734 bildet der biblische Bericht von der Geburt Jesu, der Verkündigung durch den Engel, der Anbetung der Hirten, von der Namensgebung und von den Weisen aus dem Morgenland. Der Leipziger Thomaskantor folgt darin in großen Zügen den für die einzelnen Sonn- und Festtage vorgeschriebenen Evangelienlesungen, weicht jedoch überall da von der kirchlichen Einteilung ab, wo es gilt, die Kontinuität der Erzählung zu wahren. Das heißt, die sechs Teile des Weihnachtsoratoriums, die am 6. Januar enden, bilden, auch wenn sie ursprünglich an sechs verschiedenen Tagen in der Weihnachtszeit aufgeführt werden sollten – beginnend mit dem ersten Weihnachtstag – doch ein inhaltliches Ganzes, wie es heute auch gängiger Aufführungspraxis entspricht.

Auffällig ist, dass Bach schon damals auf Synergieeffekte setzte und er immer mal die Wiederverwendbarkeit von musikalischen Zitaten – vor allem aus weltlichen Kantaten – prüfte. So wagte er es beispielsweise, Chöre und Arien der Kantaten "Lasst uns sorgen, lasst uns wachen" aus "Herkules auf dem Scheideweg", Bachwerkeverzeichnis 213, und "Tönet ihr Pauken, erschallet, Trompeten", BWV 214, fast vollständig ins Weihnachtsoratorium zu übernehmen. Auch an anderen Stellen wird die Fähigkeit Bachs deutlich, aus verschiedensten älteren und ad hoc komponierten Stücken ein neues und in sich ausgewogenes Gesamtwerk zu schaffen. An seiner Originalpartitur lassen sich solche Vorgehens- und Angleichungsprozesse nachvollziehen und ablesen. Nach einer intensiven Phase vor allem weltlicher Kantaten war es außerdem zur Entstehungszeit des Weihnachtsoratoriums sein Vorhaben, für einige wichtige Feste des Kirchenjahres Oratorien zu schreiben, die nach Art der Kantate in den Sonntagsgottesdiensten aufgeführt werden sollten. So entsteht neben dem Weihnachtsoratorium, dem zweifelsohne bekanntesten dieser Gattung, auch ein Himmelfahrtsoratorium und ein Osteroratorium; ein Pfingstoratorium stand ebenfalls auf der Agenda des vielbeschäftigten Kantors. Ob es zur Ausführung kam und heute verschollen ist, konnte letztlich aber nie ganz geklärt werden.

Mitwirkende und Solisten am 27. Dezember im Kölner Dom: Domkantorei Köln und Kölner Domkapelle unter der Leitung von Winfried Krane, Ingeborg Schilling, Sopran, Isabel Baumgartner, Alt, Thomas Klose, Tenor, Phillip Langshaw, Bass. Beginn: 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Beatrice Tomasetti

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