Ein alter, verwitterter Baldachin in der Werkstatt der Kölner Dombauhütte
Ein alter, verwitterter Baldachin in der Werkstatt der Kölner Dombauhütte
Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner
Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner
Steinmetze der Dombauhütte Köln setzen einen erneuerten Stein in die Fassade des Michaelsportals ein.
Steinmetze der Dombauhütte Köln setzen einen erneuerten Stein in die Fassade des Michaelsportals ein.

25.10.2017

Dombauhütten wollen immaterielles Kulturerbe werden "Eine Handwerkstradition der besonderen Art"

Wird das Handwerk der Dombauhütten Europas immaterielles Weltkulturerbe? Ein entsprechender zentraler Antrag wird derzeit vorbereitet – auch in Köln. Die dortige ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner begrüßt dies sehr.

domradio.de: Es geht um die Bewahrung von 800 Jahre alten Handwerkstechniken. Was würde es bedeuten, wenn das traditionelle Wissen und Können der Dombaumeister und Dombaumeisterinnen im Kulturerbe offiziell aufgenommen werden würde?

Prof. Barbara Schock-Werner (ehemalige Kölner Dombaumeisterin): Das wäre eine große Würdigung für diese wichtigen Stätten. Dombauhütten sind im 13. Jahrhundert an den Baustellen der großen Kathedralen entstanden. An etlichen Kathedralen existieren sie noch bis heute - in Straßburg durchgehend, bei den anderen gab es Wiedergründungen. Es wäre ganz wichtig, dies als europäisches Erbe zu würdigen. Es würde noch mehr ein Licht darauf werfen, wie wichtig deren Arbeit ist.

domradio.de: Im Unesco-Verzeichnis gibt es im Moment 68 Kulturformen. Dabei gibt es beispielsweise Tanz, Theater, Musik und mündliche Überlieferungen, wie auch Bräuche oder Feste, die als Kulturerbe gelten. Wie fügt sich das Handwerk der Dombaumeister da ein?

Schock-Werner: Als Kulturtradition und als Handwerkstradition der besonderen Art, sozusagen als nicht-kommerzielle Tätigkeit, was heutzutage ganz wichtig ist. Das heißt, es geht nicht um Profitmaximierung, sondern um Weitergabe von Fähigkeiten und Erhaltung wichtiger Erbestätten, von denen die meisten als Bauwerke für sich auch Welterbe sind. Dann besteht der nächste Schritt darin, dass auch die Dombauhütten in ihrer besonderen Konstruktion zum Kulturerbe gehören. Das ist meiner Meinung nach sehr schlüssig und überzeugend.

domradio.de: Sie stünden dann in einer Linie mit dem deutschen Brot...

Schock-Werner: Oder mit der Thüringer Bratwurst. Das finde ich ganz lustig. Natürlich kann man das nicht miteinander vergleichen. Aber es lenkt den Blick auf die Wichtigkeit in unserer Zeit. Da ist doch sonst eher alles Gleichmacherei. Wenn wir bei Wurst und Brot bleiben, dann kaufen wir auch bei überregionalen Produzenten. Dass dann darauf hingewiesen wird, dass es aber ganz spezielle Produkte gibt, die eben nur aus einer Region kommen oder eine besondere Vielfalt haben, wie das Brot, ist anerkennenswert.

Neulich konnte ich in einer Bäckerei beobachten, wie ein chinesisches Touristenpaar die Regale mit Brot abfotografierte. Das war schon lustig und zeigt, dass das, was für uns hier selbstverständlich ist, anderswo etwas Besonderes sein kann. So etwas Besonderes oder Einmaliges sind auch die Dombauhütten.

domradio.de: In Deutschland bereiten sich gerade die Dombauhütten in Köln, Ulm und Freiburg gemeinsam darauf vor, einen entsprechenden Antrag zur Anerkennung als immaterielles Kulturerbe zu formulieren. Für wie erfolgversprechend halten Sie das?

Schock-Werner: Ich halte das für sehr erfolgversprechend. Die Straßburger Dombauhütte hat innerhalb Frankreichs auch einen solchen Antrag gestellt. Das kann man aufs europäische Niveau heben. Ich kann mir vorstellen, dass dies sehr erfolgversprechend ist.

domradio.de: Haben Sie manchmal Sorge, dass dieses traditionelle Wissen und Können verschwindet oder ist das bei den Dombaumeistern eher nicht zu erwarten, weil so eine große Kathedrale wie der Kölner Dom bleibt und für seine Erhaltung immer gearbeitet werden muss?

Schock-Werner: Das ist das Gute daran. Regensburg, Freiburg, Köln und Ulm haben Bauwerke, bei denen eine langfristige Pflege notwendig ist. Dafür muss man auch die Fachkenntnisse haben. Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt, dass man das mit Computer-Fräsen hinbekommt oder Teile mit 3-D-Druckern herstellt. Ich kann mir das auch nicht vorstellen. Aber es ist wichtig, dass innerhalb des Steinmetzhandwerks auch solche Dinge, die außerhalb der Routine liegen, gelernt werden, weitergegeben werden und diese phantastische Handwerkskunst erhalten bleibt.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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