Stadtdechant Kleine und Oberbürgermeisterin Reker stellen das Konzept vor
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Auch in einer Gasse zum Dom steht eine Absperrung
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Absperrung zwischen Hohe Straße und Domplatte
Absperrung zwischen Hohe Straße und Domplatte

23.08.2017

Teile des Kölner Doms als Schutzwall gegen den Terror Ästhetische Nachbarschaftshilfe

Einheimische und Touristen wundern sich: Rund um die Kölner Domplatte stehen auf einmal kleine Domtürmchen. Der Kölner Stadtdechant erklärt im Interview, wo diese Steine herkommen und was sie mit dem Kampf gegen den Terror zu tun haben.

domradio.de: Wer hatte die Idee, Domsteine als Blockade aufzustellen?

Msgr. Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Die Idee ist seitens der Dombauverwaltung und der Dombauhütte gewachsen, als klar wurde, dass man an diesem neuralgischen Punkt vor dem Dom – dem Schnittpunkt zwischen Hauptbahnhof und Hohe Straße, Touristenströmen, Gläubigen und Besuchern des Domes – eine Maßnahme ergreifen möchte, um solche Anschläge wie in Barcelona, Nizza oder Berlin zu verhindern. Es wird ja in vielen Städten weltweit überlegt, Barrieren aufzustellen, um diese Anschläge mit LKW oder PKW zu verhindern.

Dann war die Idee geboren: Was wäre, wenn wir das mit Domsteinen tun? Es gibt schon einen kleinen Weg zwischen der Dombauhütte und dem Römisch-Germanischen Museum, wo schon seit vielen Jahren ein solcher Stein steht, damit kein LKW aus Versehen langfährt, denn die Decke kann nicht so viel Gewicht aushalten. Deshalb hat die Dombauverwaltung damals dort einen Stein hingestellt. Und mehrere dieser Steine wurden dann heute im weiteren Umfeld des Domes positioniert.

domradio.de: Was sind das für Steine? Die werden ja nicht eigens aus dem Dom rausgehauen?

Kleine: Genau, der Dom ist ein lebendiger Organismus, wenn man das so sagen darf. Er ist nie fertig. Auch wenn er schon im Jahr 1880 fertig war, gibt es doch immer wieder Stellen, wo Steine ausgetauscht werden. Und es gibt viele kleine Türmchen rund um den Dom, das sind die sogenannten Fialen. Je weiter die sich am äußersten Rand des Domes befinden, stehen diese kleinen Türmchen auf Türmen. Und diese Türme haben eine quadratische Form, sind aber natürlich auch von den Steinmetzen bearbeitet und haben abgerundete Ecken.

Und wenn jetzt so ein Türmchen beispielsweise im Krieg beschädigt wurde, dann musste das ganze zehn Meter hohe Türmchen abgebaut werden. Die Stücke davon, ungefähr nicht ganz einen Meter hoch, wurden dann im Depot verwahrt, also werden nicht auf den Container geworfen. Es gibt ein Depot mit allen mal im Dom verbauten Steinen. Und da wurden jetzt einige herausgeholt. Wenn man die aufeinander setzen würde, ergäbe das also einen kleinen Turm.

domradio.de: Sie nennen das Ganze jetzt ästhetische Nachbarschaftshilfe, wie haben Sie das gemeint?

Kleine: Nachbarschaftshilfe, weil da jetzt nicht irgendwelche Betonklötze hergeholt werden müssen. Wir haben die doch in der unmittelbaren Nähe in unserer Dombauhütte liegen gehabt. Zur Ästhetik: Also, wir reden ja eigentlich immer davon, dass in der Stadt oft viel zu viel herumsteht. Und die Vorstellung, jetzt irgendwelche Betonklötze hinzustellen oder Wassertanks, haben wir abgelehnt. Wir haben überlegt, wie man da etwas machen kann, das hilft und das auch optisch noch einigermaßen erträglich ist. Da kam dann die Idee, diesen Naturstein dort hinzustellen.

Das heißt, ich habe jetzt schon direkt über dem Erdboden, wo ich gehe in der Fußgängerzone, einen solchen Stein, wie er im Dom tausendfach verbaut ist. Das korrespondiert dann sozusagen, es ist kein Kunststein. Es ist kein Beton, sondern es ist etwas, was von Mitarbeitenden der Dombauhütte vor Jahrzehnten und Jahrhunderten geschaffen wurde.

domradio.de: Die Terroristen in Spanien wollten ja wohl auch die Sagrada Familia angreifen. War das jetzt ausschlaggebend dafür, den Dom zu schützen?

Kleine: Also ausschlaggebend war die Terrorform, die ich immer ganz besonders abartig und pervers finde, ob da jetzt der Dom steht oder nicht. Dass LKW oder PKW genutzt werden, um unschuldige Menschen zu töten und dass man mit diesen Wagen in belebte Fußgängerzonen oder an die Promenade in Nizza oder in einen Weihnachtsmarkt hineinfährt, wie in Berlin geschehen, ist abartig. Die Domplatte ist sicherlich zuerst einmal eine der bekanntesten Örtlichkeiten in Köln und auch deutschland- und weltweit. Es geht darum, die Menschen zu schützen. Dass islamistische Terroristen auch ein Gotteshaus angreifen könnten, ist dann noch mal eine Stufe mehr.

Ich glaube, auch wenn nicht die Rede davon wäre, dass ein Kirchenhaus Ziel eines Terroranschlages ist, geht um die Menschen. Diese Maßnahme wäre auch sonst jetzt ergriffen worden.

domradio.de: Müssen wir uns darauf einstellen, dass diese Anti-Terror-Blöcke aus Domstein etwas länger stehen bleiben werden.

Kleine: Ja, die haben ja schon ein gutes Alter, die haut so leicht nichts um, die werden da gut stehen. Natürlich müssen Polizei und Stadtverwaltung jetzt noch einmal schauen. Diese Steine können ja jetzt - auch wenn sie sehr schön gestaltet sind – nicht überall hingestellt werden. Denn die kann man nicht mal eben hin- und herbewegen. Und selbst vor dem Dom müssen ja Autos fahren können: Rettungswagen, die Feuerwehr, Anlieferungen an den Dom oder an das römisch-germanische Museum, an die Geschäfte. Das heißt, es muss Zugangswege geben, aber die müssen beschränkt und eingeschränkt sein. Deswegen gibt es nun zwischen diesen statischen Blöcken eine Lücke, die ausgespart sein muss. Da steht jetzt ein Polizeiwagen. Und da muss die Stadt jetzt einen mobilen Poller oder ein versenkbares System einrichten, damit Menschen, die Zugang haben müssen und auch Zugang haben dürfen, mit einem LKW oder auch einem PKW dann dadurch können.

Aber wir hoffen natürlich alle, dass diese Maßnahmen sich überall am Ende als überflüssig erweisen. Und das Wichtige ist: Wir dürfen uns die Freude am Leben und auch die Normalität des Lebens mit seinem bunten Treiben einer Großstadt von Terroristen nicht kaputt machen lassen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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