Kölner Dom
Kölner Dom
Dompropst Bachner
Dompropst Bachner

21.10.2016

Dompropst Bachner gegen Komplettverbot von Straßenmusik am Dom Würdiges Umfeld, aber keine sterile Zone

Straßenmusik und andere Straßenkunst sollen rund um den Kölner Dom verboten werden - so die Pläne der Stadtverwaltung. Dompropst Gerd Bachner rät im domradio.de-Interview jedoch von einem Totalverbot ab.

domradio.de: Die Stadt versteht den Vorstoß gegen die Kleinkunst am Dom als wichtigen Beitrag zum Schutz der Würde der Hohen Domkirche. Die Würde des Domes ist auch Ihnen ein großes Anliegen. Wie bewerten Sie das Vorgehen der Stadt?

Prälat Gerd Bachner (Dompropst in Köln): Der Dom muss als ein Ort der Meditation und des Gebets erhalten bleiben. Wir müssen miteinander Sorge tragen, dass die Menschen im pulsierenden Leben der Stadt im Dom einen Ort der Stille des Gebetes finden, wo sie sich einfach hinsetzen, zur Ruhe kommen und ein Licht in der Finsternis des eigenen Lebens anzünden können. Dies muss erhalten bleiben! Anderseits macht es mir Sorge, falls jetzt aus dem Dom eine sterile Zone werden sollte.

domradio.de: Wie meinen Sie das?

Bachner: Zu Köln gehört das kölsche Lebensgefühl. Und zu Köln gehören auch die kölschen Lösungen. "Alles oder nichts" ist preußisch, aber nicht kölsch. Ich trete dafür ein, dass wir hier kölsche Lösungen finden. Das heißt, dass wir in unseren Überlegungen beachten, dass Straßenmusik zur Stadt dazu gehört.

Eine gute Domumgebung ohne Kleinkunst kann ich mir nicht vorstellen. Jedoch müssen die Auswüchse begrenzt werden. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Menschen nicht mit Verstärkern und Lautsprechen in einer schlechten Qualität den ganzen Tag lang beschallt werden. Das passt nicht zur Würde des Doms. Obwohl die Dezibel herunter geschraubt werden müssen, darf dabei nicht das, was das Leben in der Domumgebung ausmacht, mit herunter geschraubt werden. Eine sterile Zone ist undenkbar.

domradio.de: Die Regelverschärfung erfolgte aufgrund der Ereignisse der Silvesternacht. Warum betrifft es ausgerechnet die Straßenkünstler? Die hatten doch mit den Vorfällen der Silvesternacht nichts zu tun?

Bachner: Es ist gut, das zu differenzieren. Schon früher gab es die Diskussion über einen Zaun um den Dom. Heute sprechen wir von Schutzzonen. Wir reden also von der "Schutzzone Silvester". Da geht es um Zugänge zu einem Bereich um den Dom herum, wo Kontrollen auf Pyrotechnik und auf Waffen durchgeführt werden.

domradio.de: Und was ist mit der Restzeit des Jahres?

Bachner: Wenn heute von der Schutzzone des Domes während des Jahres gesprochen wird, geht es nicht um einen getrennten und ausgegrenzten Raum, sondern um eine Domumgebung, die dem Dom als Weltkulturerbe sowohl von der Architektur her als auch vom Leben um den Dom her eine Gestalt gibt. Hier ist es nötig, genau zu differenzieren: Was geschieht das Jahr über und was ist speziell an Silvester notwendig? Die Vorschläge der Stadt beziehen sich auf das ganze Jahr. Das Eine ist "Silvester 2015", woraus wir Konsequenzen ziehen müssen; das Andere ist, dass wir einen Beitrag leisten zu der Frage: Wie kann das, was um den Dom herum geschieht, dem Dom auch entsprechen? Aber nicht nur aus der Sicht der Kirche, sondern auch aus Sicht der Stadt, die dafür mit die Verantwortung trägt. 

domradio.de: Einige Probleme sind auch, dass häufig an die Fassade uriniert wird oder die Steine beschädigt werden. Was sollte getan werden, um den Dom davor zu schützen?

Bachner: Wir sollten miteinander sprechen. Aber wir sollten auch nicht überreagieren. Es ist sinnvoll, in Ruhe zu diskutieren, was angemessen ist und was nicht. Natürlich müssen wir gegen Vandalismus und "Wildpinkelei" vorgehen. Bei den Bettlern ist es anders. Ich denke, dass das Betteln auch in die Tradition um das Kirchumfeld dazu gehört. Ich wehre mich dagegen, dass wir den Bettlern verbieten, auf der Domplatte zu stehen. Aber bitte nicht bandenvernetzt – nicht mit einer Aktivität, die andere Menschen bedrängt. Alles muss in einer Art und Weise geschehen, dass es des Domes würdig ist.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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