Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt
Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt

16.05.2021

Vier Gottesdienste für die Ökumene beim Kirchentag Signal der Gemeinsamkeit

Mit vier zentralen Gottesdiensten haben die Kirchen am Samstagabend auf dem Ökumenischen Kirchentag ein Signal der Gemeinsamkeit gesetzt, unter anderem mit der wechselseitigen Teilnahme an Eucharistie- und Mahlfeiern. 

Es war der Gewissensentscheidung der einzelnen Besucher überlassen, ob sie an der Mahlfeier der jeweils anderen Konfession teilnehmen wollten. Bei der katholischen Messe im Frankfurter Dom ging die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg, zur Kommunion.

Beim evangelischen Gottesdienst nahm der katholische Kirchentagspräsident Thomas Sternberg am Abendmahl teil. Bei der orthodoxen Vesper war der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Katholischer Stadtdekan bat um Entschuldigung 

In einer außergewöhnlichen Geste bat der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz zu Beginn der Messe im Kaiserdom evangelische Christen um Entschuldigung, weil sie vielfach unter dem Hochmut und Abgrenzungsbemühungen von katholischer Seite zu kämpfen hätten. "Ich bitte dafür um Verzeihung und danke für den Langmut." In seiner Predigt forderte er die Kirchen auf, Versteinerungen aufzulösen und Festungen des Rechthabenwollens zu verlassen. Wenn sie sich gegenseitig Vertrauen schenkten und auf Gott vertrauten, könnte die Welt eine überzeugendere Christenheit erleben.

Die vier Gottesdienste wurden live im Internet übertragen. Die Kirchen hatten dazu eingeladen, auf dem Kirchentag "den Reichtum der evangelischen, freikirchlichen, katholischen und orthodoxen Gemeinschaften zu erleben".

Im protestantischen Gottesdienst sagte Angela Köhler, Seelsorgerin der katholischen Nachbargemeinde Sankt Edith Stein, in ihrer Predigt, die Bibel fordere zur Liebe auf, die andere als "gleichberechtigtes Du" wahrnehme und mehr sei als Respekt vor der anderen Konfession. Christen hätten ein gemeinsames Glaubensbekenntnis, in dem "die Frage des Abendmahls oder der Eucharistie nicht einmal benannt" sei. Viele kleine gemeinsame Erfahrungen könnten das Gesicht der Kirchen verändern und zu einer Einheit führen.

Teilnahme an Eucharistie - ein"bleibendes Angebot"?

Die evangelische Kirche lädt alle getauften Christen zum Abendmahl ein. Für die katholische Kirche hatte die römische Glaubenskongregation im Vorfeld betont, dass die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis "noch so gewichtig" seien, dass sie eine Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an der Feier der jeweils anderen Konfession derzeit ausschlössen.

Der katholische Bischof des gastgebenden Bistums Limburg, Georg Bätzing, betonte deshalb im Vorfeld, dass es keine gemeinsame Feier einer Heiligen Messe durch Geistliche verschiedener Konfessionen und keinen generellen, konfessionsübergreifenden Empfang der Eucharistie gebe. Er respektiere aber, wenn einzelne nicht katholische Christen zur Kommunion hinzuträten, erklärte Bätzing, der an der Messe im Frankfurter Dom teilnahm.

Sternberg hatte betont, in Deutschland sei das Miteinander der Konfessionen selbstverständlich geworden. Dazu gehöre für viele der wechselseitige Gottesdienstbesuch. Der Kirchenpräsident der einladenden Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, zeigte sich froh, "dass mit der Akzeptanz wechselseitiger Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie ein ökumenischer Fortschritt sichtbar wird". Limperg erklärte, sie erwarte sich "eine Öffnung der Gastfreundschaft über den Tag hinaus. Unsere Gewissensentscheidung bei Zutritt zu Abendmahl und Eucharistie bekommt einen Rahmen und ist ein bleibendes Angebot."

Gottesdienste in Freikirchen und orthodoxen Gemeinden 

Auch in der Freien evangelischen Gemeinde Frankfurt wurde ein Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Unter Corona-Auflagen durften 40 Personen teilnehmen. Ein Schwerpunkt lag auf dem gesungenen Gebet. Die Freikirchen hätten Aufholbedarf bei ihrem Einsatz für Flüchtlinge, sagte Pastor David Schultze. Auch müssten sie ihren Blick mehr auf die Nöte der Menschen in der Pandemie richten. Die 1901 gegründete Gemeinde zählt nach eigenen Angaben 250 Mitglieder. Deutschlandweit gehören rund 300.000 Menschen einer evangelischen Freikirche an.

In der Bundesrepublik leben zudem rund zwei Millionen orthodoxe Christen. Weil bei ihnen Feiern der "Göttlichen Liturgie" samstagabends nicht üblich sind, gab es in der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde "Prophet Elias" einen Vespergottesdienst, der durch Gesänge geprägt war. Gekommen waren auch Christen anderer orthodoxer Gemeinden. Am Ende der Feier wurde ein Korb mit Broten gesegnet, die an die Teilnehmer ausgeteilt wurden. Dabei handelt es sich nicht um eine Abendmahlsfeier, wohl aber um eine besondere Tischgemeinschaft.

(KNA)

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