Merle Bösing, Fridays for Future Dortmund, beim Kirchentag
Merle Bösing, Fridays for Future Dortmund, beim Kirchentag

22.06.2019

Kirchentag zwischen Hoffnungsbotschaft und Klimakatastrophe "Fridays for Future"-Aktivistin wirft Ministerin Untätigkeit vor

Nicht nur bei "Fridays for Future" in Aachen, auch auf dem Kirchentag war Klimaschutz am Freitag ein zentrales Thema. Zur Halbzeit ging es auch um Hass gegen Politiker und Gewalt gegen Frauen. Besonders viel Beifall bekam aber ein Aufruf zu Hoffnung.

Mit Forderungen nach mehr Tempo beim Klimaschutz und Widerstand gegen Hass hat der evangelische Kirchentag in Dortmund am Freitag seine Halbzeit erreicht. Die Dortmunder "Fridays for Future"-Aktivistin Merle Bösing warf Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in einer Podiumsdiskussion politische Untätigkeit vor.

Der kongolesische Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege verlangte mehr Einsatz der Staatengemeinschaft gegen sexualisierte Gewalt in Konflikten. Zugleich rief er die Kirchentagsbesucher zu Dankbarkeit auf.

"Etwas anderes als Reden ist bislang kaum passiert"

Während bei der "Fridays for Future"-Demonstration in Aachen am Freitag Tausende Schüler aus aller Welt auf die Straße gingen, traf auf dem Kirchentag die 17-jährige Aktivistin Bösing auf Bundesumweltministerin Schulze. Die SPD-Politikerin kündigte an, ihr Klimaschutzgesetz solle die amtierende und künftige Regierungen verpflichtend binden. "Ich will, dass wir ganz klare Verantwortlichkeiten haben, wer wie viel CO2 reduzieren muss", sagte Schulze.

Dagegen kritisierte Bösing, die Jugendlichen protestierten seit mehr als einem halben Jahr für das Klima, "doch etwas anderes als Reden ist bislang kaum in der Politik passiert". Die westfälische Präses Annette Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, forderte die Kirchen zu konkretem Handeln gegen die Erderwärmung auf. Es reiche nicht, "Fridays for Future" zu unterstützen: "Wir haben da selber vor unser eigenen Tür zu kehren, es gibt noch ganz schön viel Luft nach oben."

Mukwege: Appell für mehr Dankbarkeit

Einen Appell für mehr Dankbarkeit richtete der kongolesische Friedensnobelpreisträger Mukwege an die Kirchentagsbesucher. "Ihr habt Frieden, ihr habt Demokratie, ihr könnt euch frei äußern", sagte der Gynäkologe, der im Ostkongo vergewaltigte Frauen operiert. Zugleich erneuerte Mukwege eindringlich seine Forderung, die Straflosigkeit für Vergewaltiger in der Demokratischen Republik Kongo zu beenden.

Noch bis Sonntag lädt der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag in Dortmund unter dem Leitwort "Was für ein Vertrauen" zu Podien, Gebeten, Workshops und Konzerten ein. In sogenannten Bibelarbeiten, in denen bekannte Persönlichkeiten eine Stelle der Heiligen Schrift deuten, warnten am Freitag Kirchenvertreter und Journalisten vor den Folgen von Hass und Hetze.

Bedford-Strohm: "Hass hat Konsequenzen"

"Wenn massiv und systematisch Misstrauen gegen Menschen in politischer Verantwortung gesät wird, Menschen auf dieser Basis attackiert und beschuldigt werden, dann kann das Gift sogar tödlich wirken", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm mit Blick auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Auch die Journalistin Dunja Hayali sagte, die Ermordung Lübckes durch einen mutmaßlichen Rechtsextremisten zeige, "dass Hass auch Konsequenzen hat".

Angesichts rechtsextremer Droh-Mails gegen mehrere Kommunalpolitiker rief der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) zu entschiedenem Widerstand auf. "Man darf diesen Vögeln nicht nachgeben", sagte Sierau, der nach seinen Angaben selber Drohbriefe erhält.

"Ängstigt euch nicht - Eine Ermutigung"

Bei allen Bedrohungsszenarien war es der Journalist Heribert Prantl, der mit seiner Rede unter dem Titel "Ängstigt euch nicht - Eine Ermutigung" begeisterten Beifall erntete. Der Journalist der "Süddeutschen Zeitung" forderte mehr Menschlichkeit in der Flüchtlingspolitik, Widerstand gegen Populismus und Mut für Lösungen in der Klimapolitik. Seine mit viel Beifall gefeierte Rede beendete er mit den Worten: "Die Kraft der Hoffnung ist die Kraft gegen die Angst."

(epd)

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