Verklärungskirche auf dem Berg Tabor
Verklärungskirche auf dem Berg Tabor
Martin Korden
Martin Korden

06.08.2020

Zum Fest "Verklärung des Herrn" Wenn auf einmal alles klar ist

Am 6. August feiert die Kirche das Fest "Verklärung des Herrn". Die dazugehörige Bibelstelle wirft Fragen auf. Was passiert hier und was meint die Bibel mit "Verklärung"?

Wer ein Erlebnis "verklärt", der macht es schöner als es tatsächlich war. Und wer verklärt schaut, ist glücklich; soweit die Duden-Definition. Doch wie so oft kommt die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes auch hier aus der Bibel. Das Markusevangelium berichtet von dem Ereignis der Verklärung Jesu, einer eher merkwürdigen Situation auf einem Berg. Jesus wird vor den Augen der Apostel verwandelt: sein Gesicht leuchtet plötzlich wie die Sonne, es erscheinen die Propheten Mose und Elija, quasi aus einer anderen Zeit, und reden mit Jesus. Und dazu ertönt eine Stimme aus dem Himmel, die sagt: "Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören." (Markus 9,2-9)

Das 'V': Die Verklärung ist eine wichtige Erklärung

Für den katholischen Pfarrer Gerhard Dane ist der Sinn dieses als Verklärung Jesu bezeichneten Ereignisses vor allem die Erklärung Jesu: "Die Stimme aus dem Himmel erklärt, wer Jesus eigentlich ist und wer er sein wird. Es ist wie eine Art Vorschau." Denn die Stimme aus dem Himmel macht klar: Jesus ist nicht irgendwer, er stammt von Gott. Nach ihm sollen sich die Menschen richten.

Doch was daran ist nun die Verklärung? Pfarrer Dane erklärt diese Erfahrung, die jeder Mensch schon einmal gemacht hat, "dass aus einem Menschen, den wir gut zu kennen glaubten, plötzlich noch etwas ganz anderes hervorleuchtet. Da kommt etwas zum Vorschein, das man zu ihm sagen kann: 'So hab ich dich noch nie erlebt, so hast du noch nie gelächelt'. Also: Dieses Eigentliche einer Person kommt uns meist in sehr kurzen lichten Momenten entgegen."

Ein Lichtblick, der am besten niemals vergehen sollte

Kurz gesagt: Verklärung ist eine Art Lichtblick, der eine tiefe Erkenntnis vermittelt. Und zwar eine schöne Erkenntnis, die glücklich macht. Denn anders ist die Reaktion des Apostels Petrus in diesem Moment nicht zu erklären. Wie berauscht schlägt er vor, Hütten zu bauen für Jesus, Elija und Mose. Das bedeutet: Petrus will diesen lichtvollen Augenblick festhalten, der auch für ihn auf einmal so etwas wie eine erlösende Gewissheit bedeutet. Seine Erkenntnis könnte man vielleicht so beschreiben: "In diesem Jesus ist Gott uns tatsächlich nah, jetzt ist alles gut."

So ein Moment führt zu einer Art inneren Überzeugung, dass bei allem Kummer und Leid am Ende doch die Herrlichkeit das letzte Wort haben wird. "Die Erfahrung der Schönheit ist eines der wenigen Wunder, die unsere Zweifel an Gott verstummen lassen", so Pfarrer Dane.

Verklärung ist das Durchscheinen von Wahrheit

Und das sind dann Momente der Verklärung. Sie müssen nicht nur mit Jesus zu tun haben. Verklärung ist so etwas wie das Durchscheinen von Wahrheit. Der Augenblick, in dem man sieht, wie es wirklich ist. Und selbst wenn dieser Moment wieder vergeht, lässt man sich die dabei gewonnene Erkenntnis nicht mehr nehmen. So wie sich der Verliebte die Wahrheit seiner Liebe nicht ausreden lässt, weil er sie so stark erfahren hat. Bezeichnend für diese Momente ist: Man wünscht sich, dass es nie vergeht. Das geht aber nicht, meint Pfarrer Dane, "weil Verklärung im Hier und Jetzt immer nur eine Episode sein kann. Ein Augenblick, der uns Mut macht, der aber sehr schnell wieder vergeht. Die Verklärung ist für uns eine Art wunderbare Vorspeise. Wir sollen Appetit kriegen und Hoffnung, aber nicht den Endzustand jetzt schon haben wollen."

Denn der Endzustand ist dann das ewige Leben bei Gott. Die Momente der Verklärung vermitteln eine Ahnung von der Ewigkeit. Bei der Verklärung Jesu war es die Ahnung, dass dieser Jesus von Gott gesandt ist. Und in diesem Zusammenhang wird auch klar, warum Elija und Mose, die ja im 9. und 10. Jahrhundert vor Christus wirkten, plötzlich bei dieser Verklärung erscheinen und mit Jesus sprechen. Pfarrer Dane legt die biblische Szene so aus:
"Damit wird gesagt: Jesus ist der neue Mose, den der alte Mose schon kurz vor seinem Tod angekündigt hat: 'Einen Propheten wie mich wird der Herr euch geben' (Deuteronomium 18,15). Jesus ist dieser Prophet. Er ist der Erwartete. Auf diesen Jesus sollen die Freunde hören und wir auch."

Martin Korden

(DR)

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