Jesus-Darsteller ein vorerst letztes Mal beim Friseur
Jesus-Darsteller ein vorerst letztes Mal beim Friseur
Aufruf zum "Haar- und Barterlass" für das Passionsspiel im Jahr 2020
Aufruf zum "Haar- und Barterlass" für das Passionsspiel im Jahr 2020
Oberammergauer Passionsspiele
Oberammergauer Passionsspiele

06.03.2019

Haar- und Barterlass für Oberammergauer Passionsspieler erfolgt Ab heute nicht mehr zum Friseur

Was den Oberammergauer vom Unterammergauer unterscheidet? Die langen Haare und der wuchtige Bart - in der Passionsspielsaison. Alle zehn Jahre sorgt diese für eine deutliche Veränderung der Bewohner im Ort.

Mit dem Aschermittwoch ist es ernst geworden für die Mitwirkenden der 42. Oberammergauer Passionsspiele 2020. Alle sind durch einen an diesem Tag ergangenen Erlass verpflichtet, sich die Haare wachsen zu lassen, und die Männer auch die Bärte. Nur die 60 jungen Römer, die Orchestermitglieder und die im Hintergrund wirkenden gute Geister wie Kulissenschieber sind befreit.

Überall im Ort an Litfaßsäulen oder an der Tür von Cafes hängt das Plakat; selbst im Schaufenster vom Friseursalon Kretschmar, wo in den Tagen zuvor Hochbetrieb herrschte, weil sich viele noch einmal einen letzten Schnitt gönnten.

Judas-Darsteller könnte Probleme bei Bundeswehr bekommen

Bis zur Premiere am 16. Mai 2020 darf die Natur sich an den Köpfen von Frauen und Männern nun durchsetzen. Bei manchem jungen Darsteller wird sich jedoch noch zeigen, ob sich mehr als ein Bartflaum über dem Kinn zeigen wird. Judas-Darsteller Martin Schuster, der in Diensten der Bundeswehr steht, hat allerdings ein anderes Problem. Längere Haare sind ihm bereits gestattet, aber noch ist die Frage wegen des künftigen Vollbarts nicht geklärt. Spielleiter Christian Stückl kündigte schon mal an, dass wohl ein Bittschreiben an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) notwendig wird, um eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen.

Eine solche "Lex Oberammergau" gab es schon einmal. Der CSU-Politiker Franz Josef Strauß setzte sie einst in Kraft. Dass auf den Fotos von Vereins- und Familienfeiern in den nächsten Monaten in Oberammergau viele Langhaarige und Bärtige darunter sein werden, das ist man hier gewohnt. "Das bindet zusammen", meint Stückl.

Deswegen wird diese Tradition auch nicht abgeschafft, dazu sei sie einfach zu lustig. Er macht als Chef aber nicht mit, dafür forderte er Bürgermeister Arno Nunn auf, sich an die Regel zu halten. Der gebürtige Franke darf, weil er nun nachweislich 20 Jahre in Oberammergau lebt, erstmals bei der Passion mitspielen. 2010 war es ihm noch verwehrt.

Brauch geht auf das Jahr 1633 zurück

Seit wann es die Tradition des Haar- und Barterlasses gibt, ist in den Geschichtsbüchern nicht belegt. Wohl nicht von Anfang an, als 1633 der Brauch des Passionsspiels begann. Damals starben 84 Menschen während des Dreißigjährigen Krieges an der Pest. Die Einwohner gelobten daraufhin, alle zehn Jahre die Passion Jesu aufzuführen, damit Gott der Krankheit ein Ende bereite. Der Überlieferung nach starb danach niemand mehr an der Pest.

Anfangs waren es auch nur zwei Vorstellungen pro Jahr, deshalb zweifelt Stückl, ob dafür solch ein Aufwand mit echten Haar- und Bartwuchs gemacht wurde.

Jedenfalls um 1750 findet sich in den Aufzeichnungen, dass für das Ankleben von Perücken an einem der Darsteller sieben Gulden beim Bader bezahlt wurden. Ab 1830 war dann schon alles echt, wie aus den Notizen eines englischen Touristen hervorgeht. Nach und nach belegten zudem Fotos diese Entwicklung. Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger amüsierte sich 1910 ebenfalls über die Langhaarigen im Dorfbild, während er zugleich die Aufführung hart kritisiert.

Friseure stehen nach letzter Aufführung bereit

Die Nazis im Oberammergauer Gemeinderat hatten dann 1934 ein Problem mit solchen Aposteltypen, weil es nicht ins korrekte deutsche Bild passte. Durchsetzen konnten sie sich nicht, aber bei Werbetouren nach Berlin musste wenigstens die begleitende "Jodlergruppe" ordentlich aussehen.

Aus der eigenen Familiengeschichte berichtete Stückl, dass sein Großvater als Chefkoch eines Hotels und dessen Chef 1950 bei einer Münchner Tagung des Hotel- und Gaststättenverbands keine Zimmer bekamen. Zu schmuddelig erschienen solche Gäste, da konnte auch keine Erklärung helfen. Als ab 1968 die Hippies mit ihrem Aussehen die Gesellschaft schockten, war das in Oberammergau keine Methode, um die eigenen Eltern auf die Palme zu bringen. Denn hier liefen im Passionsspieljahr 1970 ja Opa und Vater genauso rum.

Wenn nach 103 Aufführungen am 4. Oktober 2020 der Vorhang für die Passionsspielsaison fällt, fallen auch die Haare. Dann ist gleich nach der Auferstehung Hochkonjunktur für die Friseure und in eigenen Zelten hinter dem Passionsspielhaus wird Schere und Rasierer angelegt.

Barbara Just
(KNA)

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