Der Präsident des Kirchentags, Gerhard Robbers
Der Präsident des Kirchentags, Gerhard Robbers

06.05.2013

Evangelischer Kirchentag ging am Sonntag in Hamburg zu Ende Brauchst du soviel?

Fünf Tage feierte Hamburg den Evangelischen Kirchentag. Am Sonntag ist das Christentreffen, an dem rund 120.000 Dauergäste teilnahmen, zu Ende gegangen.

"Danke dem typischen Hamburger Wetter, das den Kirchentag in Sonne gehüllt hat", sagte Kirchentags-Präsident Gerhard Robbers unter dem Jubel der 130.000 Besucher beim Abschlussgottesdienst im Stadtpark.

Viele hatten den blauen Kirchentagsschal als Sonnenschutz um den Kopf gebunden; Petrus sei Protestant, hieß es oft in diesen Tagen, wo vom "Hamburger Schietwetter" keine Spur war. Damit erfüllte sich auch der Wunsch des katholischen Erzbischofs Werner Thissen, dass die Kirchentagsgäste die grüne, vom Wasser geprägte Hansestadt von ihrer schönsten Seite erleben konnten. Sicher auch ein Plus für die Stimmung.

So zogen sowohl Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) als auch der leitende Bischof der gastgebenden evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, am Sonntag eine uneingeschränkt positive Bilanz der über 2.500 Veranstaltungen. Der Kirchentag sei ein besonderes Ereignis gewesen, das seine Erwartungen übertroffen habe, so Scholz, ehemals evangelischer Christ. "Der Geist dieser Zusammenkunft hat hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der lange nachwirkt." Bischof Ulrich erklärte, Themen wie interreligiöser Dialog, Inklusion, Energiewende und gerechte Arbeitsbedingungen blieben sicher weiter auf der Agenda. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke zeigte sich überzeugt, dass die Botschaft des Kirchentags, der Aufruf zum Maßhalten in vielerlei Hinsicht, angekommen sei. Für die Umsetzung sei jetzt allerdings die Politik zuständig, die Kirche setze nur moralische Impulse.

Scharfe Kontroversen blieben aus

Es war wunschgemäß ein friedlicher Kirchentag, darauf legte auch Präsident Robbers Wert. Das galt natürlich für die vielen Gottesdienste und kulturellen Veranstaltungen, aber auch für die Diskussionen, in denen scharfe Kontroversen ausblieben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück sprachen beide beim Kirchentag, doch auf verschiedenen Veranstaltungen. Dankbar amüsiert reagierten die Besucher auf kleine Frotzeleien zwischen dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, dem ehemaligen CSU-Politiker Alois Glück (ZdK), und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bei einem Podium über evangelische Spiritualität. Und selbst bei strittigen Themen wie dem kirchlichen Arbeitsrecht oder der Rolle der internationalen Finanzmärkte kam es kaum zum großen Schlagabtausch. Und in der Ökumene, die zumindest ein bedeutendes Nebenthema war, waren echte Reizthemen wie etwa das gemeinsame Abendmahl gar nicht auf der Tagesordnung.

Lediglich die Auftritte von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) reizten einzelne zum Protest: So wurde sowohl seine Bibelarbeit in der Hauptkirche Sankt Michaelis wie auch die Diskussion zum Thema "Vertrauen in der Politik" am Samstag durch "Kriegstreiber"-Rufe gestört. Dass den Protestierern die Möglichkeit geboten wurde, ihre Position am Mikrofon vorzutragen, sei gute Kirchentagstradition, sagte Moderatorin Elisabeth von Thadden.

Fürbitte eines Katholiken

Inhaltlich teilten offenbar viele die Kritik an deutschen Waffenexporten. Dass der Redner dann jedoch unwidersprochen äußern konnte, er diskutiere normalerweise nicht mit Kriegsministern, quittierten die Besucher mit lauten Pfiffen und Buhrufen. Am Ende wurden die Querulanten diskret aus dem Saal geleitet.

Bleiben werden vom Kirchentag sicher Bilder wie diese: Bundespräsident Joachim Gauck, der dem seit seinem Unfall bei "Wetten, dass..." querschnittgelähmten Samuel Koch ein Getränk zum Mund reicht, ZdK-Präsident Glück, höchster Repräsentant der katholischen Laien, der in aller Selbstverständlichkeit beim Abschlussgottesdienst eine Fürbitte vorträgt, oder Muslime, die Kirchentagsbesucher durch ihre Moschee führen. Eindrücke, viel mehr als du brauchst.

Sabine Kleyboldt
(dpa)

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