Hendrik Wüst
Hendrik Wüst
Armin Laschet (l.) und Hendrik Wüst
Armin Laschet (l.) und Hendrik Wüst

27.10.2021

Katholischer Blick auf den neuen NRW-Ministerpräsidenten Wüst "Unsere Wege haben sich schon des Öfteren gekreuzt"

Armin Laschet hat nach nur vier Jahren den Posten des NRW-Ministerpräsidenten abgegeben. Hendrik Wüst ist am Mittwoch offiziell an seinen Platz getreten. Pfarrer Antonius Hamers vom Katholischen Büro hat schon Dinge im Kopf, auf die er Wüst ansprechen will.

DOMRADIO.DE: Waren sie im Landtag dabei, als der neue Ministerpräsident gewählt wurde?

Dr. Antonius Hamers (Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf): Ja und es ist jedes Mal ein besonderer Festtag, ein ganz besonders erhebender Moment, wenn die Abgeordneten zusammenkommen. Die Regierungsbänke sind leer. Es ist im Grunde die Stunde des Parlamentes. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen sitzen oben auf der Besuchertribüne, repräsentieren das Volk von Nordrhein-Westfalen. Und dann schreitet das Parlament zur Wahl. Das ist schon etwas Besonderes.

DOMRADIO.DE: Es wäre überraschend gewesen, wenn das jetzt nicht so durchgegangen wäre. Herr Wüst ist ja schon lange politisch aktiv. Seit 16 Jahren Landtagsmitglied in NRW, zuletzt eben als Verkehrsminister. Kennen Sie sich schon ein bisschen länger?

Hamers: Ja, aus verschiedenen Begegnungen. Ich bin seit sieben Jahren hier im Katholischen Büro und da haben sich unsere Wege schon des Öfteren gekreuzt. Vorher noch, als die CDU in der Opposition war. Aber auch jetzt, seit die CDU mit der FDP zusammen regiert und Hendrik Wüst Verkehrsminister ist. Und wenn wir uns sehen, sprechen wir eigentlich auch immer miteinander.

DOMRADIO.DE: Sie sind Sauerländer und Herr Wüst ist Münsterländer. Wie ist es da mit der Chemie?

Hamers: Ganz gut. Wir sind ja beide Westfalen. Insofern funktioniert das sehr gut.

DOMRADIO.DE: Als junger Generalsekretär der CDU in NRW vor elf Jahren war Hendrik Wüst eher etwas ruppig und überheblich, so sagen es manche. Und über die Rüttgers-Affäre ist er damals gestolpert, musste dann zurücktreten. Hat sich Wüst in ihren Augen seither von der Art her verändert?

Hamers: Das ist ja eine ganze Zeit lang her. Selbstverständlich ist Hendrik Wüst ein anderer geworden, hat sich entwickelt und verändert, so wie wir alle uns im Laufe der Jahre mit unseren Aufgaben verändern. So hat auch Hendrik Wüst sich verändert.

Was offensichtlich noch mal sehr stark zu einem anderen Blick auch auf die Wirklichkeit beigetragen hat – das hat er heute auch sehr betont – ist, dass er in diesem Jahr Vater geworden ist. Es gab ein sehr schönes Bild, wie er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter zusammen zum Landtag gekommen ist. Ich glaube, dass jemand, der Kinder hat, anders Politik macht.

DOMRADIO.DE: Das hat er auch gesagt, dass seine kleine Tochter Philippa seine Glücksquelle sei. Und er wolle jetzt viel für den Umweltschutz tun. Das hat ja mit uns Christen und der Schöpfungsbewahrung auch wieder zu tun. Können Sie einschätzen, wie stark er sich wirklich für dieses Thema machen wird?

Hamers: Hendrik Wüst und ich haben eine ganz besondere Gemeinsamkeit: Wir sind beide leidenschaftliche Fahrradfahrer. Und er hat auch für die Fahrrad-Infrastruktur eine ganze Menge hier in Nordrhein-Westfalen getan. Insofern nehme ich ihm das durchaus ab, dass er jetzt nicht nur der Minister ist, der den Weg für die Straße und für die Autos frei macht, sondern eben auch für klimagerechte Verkehrsmittel, wie das Fahrrad und die Bahn. Also insofern glaube ich, dass er da durchaus auch den Klimaschutz und die veränderten politischen Bedingungen im Blick hat.

DOMRADIO.DE: Hendrik Wüst ist katholisch und hat bei seiner Vereidigung gesagt, dass er dem Land dienen, die Menschen achten will. Und die Formel "so wahr mir Gott helfe" hat er auch gesprochen. Ist das in Ihren Augen eigentlich wirklich eine wichtige Sache? Was können wir mit diesem Zusatz auch erwarten vom neuen NRW-Ministerpräsidenten?

Hamers: Für mich ist das ein ganz wesentlicher Aspekt, weil durch diese Beteuerungsformel oder durch diese Bitte deutlich gemacht wird, dass unser menschliches Handeln immer ein begrenztes Handeln ist. Dass wir nicht alles in der Hand haben und dass wir letztlich darauf angewiesen sind: Einmal natürlich auf die Zusammenarbeit mit anderen. Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen macht nicht alles möglich und ist nicht letztlich das, was unbegrenzte Macht gibt.

Insofern ist diese Beteuerungsformel einmal die Aussage: Ich habe nicht alles in meiner Hand. Und das zweite ist: Ich habe Verantwortung, wie es im Grundgesetz heißt, vor Gott und den Menschen. Und ich finde, dass das eine wichtige Beteuerung ist, dass das eine wichtige Aussage ist. Insofern begrüße ich das sehr, wenn Politiker, so wie jetzt heute Hendrik Wüst, diese religiöse Beteuerungsformel bei ihrem Amtseid wählen.

DOMRADIO.DE: Hendrik Wüst ist ja jetzt erst mal für ein paar Monate als Nachfolger gesetzt, denn in sechs Monaten ist Kommunalwahl bei uns in Nordrhein-Westfalen. Was dann passiert, wissen wir ja noch gar nicht. Ist das für Sie als katholischer Büroleiter eigentlich schwierig, sich vielleicht schon wieder ganz schnell auf wen anderes einstellen zu müssen?

Hamers: Ja gut, das ist das Spiel der Demokratie. Das ist ja auch das Spannende an der Demokratie. Ich finde es jedes Mal faszinierend zu sehen, wie eben durch die Demokratie Macht und Ämter übertragen werden und wieder weggenommen werden. Vor vier Jahren, als Armin Laschet vereidigt worden ist, bin ich natürlich nicht unbedingt davon ausgegangen, dass nach vier Jahren bereits seine Amtszeit zu Ende ist.

Aber so funktioniert Demokratie und ich finde es jedes Mal beeindruckend zu sehen, wie geräuschlos das im Grunde geht, ohne dass der eine dem anderen Wahlbetrug unterstellt oder irgendwelche Truppen vor dem Parlament zusammengezogen werden oder sonst was. Das geht geräuschlos, zivilisiert und fair über die Bühne und ich freue mich darauf, den fairen Wettbewerb der demokratischen Parteien im Landtag jetzt weiter begleiten zu dürfen. Und was im Mai rauskommt, das sehen wir dann.

DOMRADIO.DE: Gibt es ein Projekt, von dem Sie sagen: Das wäre jetzt gerade wichtig für die katholische Kirche in NRW? Und bei dem man schaut, ob man das innerhalb von sechs Monaten vielleicht tatsächlich umsetzen kann?

Hamers: Wir haben verschiedene Projekte, die uns im Moment unter den Nägeln brennen. Das ist zum Beispiel die Finanzierung der Umstellung von G8 auf G9. Da werde ich bei dem neuen Ministerpräsidenten auch möglichst bald vorstellig werden. Aber es geht natürlich für uns nicht immer nur um Einzelinteressen oder um kurzfristige Interessen, sondern es geht letztlich darum, die insgesamte gesellschaftliche Entwicklung in den Blick zu nehmen.

Und was mich wirklich umtreibt, ist die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts in diesem Land. Es geht einmal um die Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Es geht darum, wie wir eine Gesellschaft, die zunehmend plural wird, zusammenhalten können. Was ist eigentlich der gemeinsame Konsens? Was ist das, woran wir alle anknüpfen können, wofür wir alle einstehen? Und das, finde ich, ist eine ganz wichtige Aufgabe. Und auch, wenn wir als Kirche jetzt im Moment vor riesigen Veränderungen stehen – wir sind in einem riesigen Transformationsprozess als Kirche – hoffe ich, dass wir dazu auch zukünftig etwas als große gesellschaftliche Gruppe zu dieser Gesellschaft und damit auch zur Politik beitragen können.

Das Interview führte Uta Vorbrodt. 

(DR)

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