Claudia Lücking-Michel
Claudia Lücking-Michel
Logos der Unionsparteien CDU und CSU
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13.10.2021

ZdK-Vize blickt auf Frauenpräsenz bei Neuausrichtung der Union "Überlebenswichtig für eine Volkspartei"

Die Union will sich nach dem historisch schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl neu aufstellen. Dabei kursieren jedoch nur wenige Namen von Frauen für Führungsaufgaben. Claudia Lücking-Michel erklärt, warum das aus ihrer Sicht ein Fehler ist.

DOMRADIO.DE: In was für einer Phase befindet sich Ihre Partei gerade?

Claudia Lücking-Michel (Vize-Präsidentin im Zentralkomitee der deutschen Katholiken /ZdK und CDU-Mitglied): Umbruchphase, Erschütterung, Enttäuschung. So ein Wahlkampf war eine große Kraftanstrengung - und dann mit dem Ergebnis. Wir befinden uns vielleicht an dem Punkt, was Krise übersetzt eigentlich heißt, wo man unterscheidet und Kraft für neue Entscheidungen findet und wo aus dem Tiefpunkt dann ein Wendepunkt werden kann.

DOMRADIO.DE: Eine Neuaufstellung der CDU Deutschlands könne inhaltlich, personell und strukturell nur mit den Frauen in der Partei gelingen, sagt die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz. Stimmen Sie dem zu?

Lücking-Michel: Das ist sicherlich ein ganz entscheidender Punkt für die Zukunft der CDU, dass Frauen in der Parteiwirklichkeit eine ganz andere Rolle spielen müssen. Jetzt kommt sofort das Gegenargument: Wir hatten doch gerade 16 Jahre eine Kanzlerin und eine Parteivorsitzende. Das war wirklich eine beeindruckende Frau in der CDU, aber mit einer Frau alleine an der Spitze haben wir nicht die Frauenpräsenz, die nötig wäre, um Anliegen aus der Bevölkerung angemessen aufzunehmen, widerzuspiegeln und ein Team aufzustellen, in dem Frauen angemessen beteiligt sind.

DOMRADIO.DE: Muss man da Quantität und Qualität gegenüberstellen?

Lücking-Michel: Am besten nicht. Ich meine, es gibt gute und schlechte Frauen, genauso wie es gute und schlechte Männer gibt. Aber Frauen brauchen ihren Platz und sollen ihren Platz haben, auch wenn sie so normal, gut oder schlecht sind wie die meisten Männer. Oft ist es so, dass Frauen doppelte und dreifache Leistung bringen müssen und sich bewähren müssen und am besten noch gut aussehen, damit sie langsam sozusagen "satisfaktionsfähig" werden.

Wir brauchen Frauenförderung und Platz für Frauen. Von Anfang an, von der Basis bis nach oben. Nicht, weil Frauen irgendwie besondere Nachhilfe brauchen, sondern weil es überlebenswichtig ist für eine Volkspartei, ein Klima und eine Kultur zu schaffen, die mindestens genauso von Frauen geprägt wird wie von den Männern.

DOMRADIO.DE: Es gibt den Eindruck, dass es aber kaum ambitionierte Frauen in den vorderen Reihen in der Union gibt. Stimmt das?

Lücking-Michel: Dieses Argument hört man an vielen Stellen. Einerseits muss man ein bisschen genauer hingucken, zweitens ist es zu spät, wenn man jetzt eine bestimmte Parteivorsitzende fordert, ohne vorher in die ganze Breite der Partei geschaut hat.

Ich würde sagen, dass es vielleicht noch ein bisschen mehr Mühe braucht, Frauen zu finden, zu gewinnen, die sich dann auch nachhaltig engagieren. Man muss dann auch akzeptieren und wahrnehmen, dass sich Parteiarbeit und Parteiwirklichkeit dadurch verändert.

DOMRADIO.DE: Es gibt im Moment in der Union eine Diskussion darüber, wie stark und in was für einer Form die Parteibasis bei der Neuaufstellung eingebunden werden soll. Was würden Sie sich persönlich wünschen?

Lücking-Michel: Natürlich ist es gut, die Basis zu hören und eine Entscheidung von unten nach oben aufzubauen und nicht abgehoben in irgendeiner Blase für sich Entscheidungen zu treffen. In der CDU haben wir das Delegiertenprinzip und die Entscheidung über Parteitage. Das muss nicht per se gut sein oder per se schlecht.

Es kommt darauf an, wie die Delegierten eine abgewogene Entscheidung treffen. Das können sehr gute Entscheidungen werden und umgekehrt. Diejenigen, die das Heil und die neue Lösung in Basisbeschlüssen suchen und damit meinen, jedes einzelne Mitglied hat die Gelegenheit zu votieren, können damit Recht haben oder auch falsch liegen. Das kann gut sein, muss es aber auch nicht automatisch, wie man bei anderen großen Parteien an den Ergebnissen gesehen hat.

Ich glaube, wichtiger sind Haltungen und Kommunikationskulturen. Und am allerwichtigsten ist, dass man nicht nur auf Personal schaut, sondern sich auch klar ist, für welche Themen, für welche Anliegen, für welche Zukunft unseres Landes denn die Menschen stehen, die wir da wählen sollen. Das macht oft noch viel mehr aus.

DOMRADIO.DE: Haben Sie manchmal ein Stoßgebet, dass Sie abends gen Himmel senden?

Lücking-Michel: Also ich habe das große Interesse, dass die Phase der öffentlichen Zerlegung und des Streites in der CDU aufhören und wir alle zusammen ernsthaft um die Fragen ringen, die für die Zukunft unseres Landes wichtig sind und dabei das Ziel der Partei nicht vergessen, sondern dieses ganz nach vorne stellen und von daher Politik gestalten.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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