Ein Wahlplakat der CDU mit dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet
Ein Wahlplakat der CDU mit dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet

27.09.2021

Leiter des katholischen Büros NRW analysiert Wahlergebnis Mit katholischen Klischees gespielt

Die Union hat bei der Bundestagswahl das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Was bedeutet das für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der im Wahlkampf auch wegen angeblich “erzkatholischer” Mitarbeiter kritisiert worden war?

DOMRADIO.DE: Worauf führen Sie denn dieses historisch schlechte Ergebnis der Union zurück? War Armin Laschet einfach nicht der richtige Kandidat?

Dr. Antonius Hamers (Leiter des Katholischen Büros NRW und Domkapitular): Ich glaube, es liegt vor allem auch an äußeren Umständen, an Besonderheiten, dass es zum ersten Mal so ist, dass die CDU ohne einen Kanzlerbonus in die Wahl gegangen ist und dass jetzt nach 16 Jahren Angela Merkel sicherlich auch manches auf Veränderungen steht. Insofern war die Voraussetzung, glaube ich, besonders schwierig.

DOMRADIO.DE: Im Wahlkampf wird mit harten Bandagen gekämpft. Immer wieder wurden auch Halbwahrheiten über Laschets Berater Nathanael Liminski verbreitet. Er sei ein "erzkonservativer Katholik", war da unter anderem zu hören. Wie haben Sie das empfunden?

Hamers: Mich hat das sehr geärgert. Auch, dass es in der letzten Woche nochmal wieder, ich glaube bei der Talksendung "Markus Lanz", vom SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans thematisiert worden ist. Ich habe damals schon gesagt, als es zum ersten Mal in dem SPD-Wahlwerbespot thematisiert worden ist, dass ich es nicht gut finde.

Mehr noch, ich finde es sehr ärgerlich, wenn mit der religiösen Zugehörigkeit Politik gemacht wird und vor allem wenn wir als Katholiken in eine Ecke gestellt werden oder wenn mit katholischen Klischees gespielt wird, um uns auf diese Weise zu diskreditieren.

Denn zunächst mal sind wir dazu gerufen und gehalten, auch aus unserem Glauben heraus Politik zu machen, so wie andere Leute auch aus ihrer Weltanschauung und ihrer Grundhaltung heraus Politik machen. Das fand ich schon sehr ärgerlich, zumal ich Nathanael Liminski auch als eine sehr integre Person sehr schätze.

DOMRADIO.DE: Die Unionsparteien CDU und CSU haben bekanntlich das Christliche im Namen. Sind es damit für die Kirchen auch die einfacheren Partner in der Politik?

Hamers: Das kommt darauf an. Manchmal gibt es bei der CDU durchaus die Attitüde, dass sie uns sagt: "Wir sind ja die christliche Partei. Und deswegen wissen wir schon, was für euch gut ist." Das ist aber nicht immer so. Also, auch mit der CDU haben wir durchaus Reibereien. Aber natürlich auch viele Anknüpfungspunkte. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch Anknüpfungspunkte mit anderen Parteien haben.

DOMRADIO.DE: Fokussieren wir uns jetzt nochmal auf Nordrhein-Westfalen. Dort wird Laschet womöglich die Amtsgeschäfte nicht weiterführen. Sie sind nahe dran an der Politik. Was glauben Sie, wer wird das Zepter als Ministerpräsident dort übernehmen?

Hamers: Die Situation in Nordrhein-Westfalen ist etwas kompliziert, weil nur derjenige Ministerpräsident werden kann oder diejenige Ministerpräsidentin werden kann, der oder die ein Landtagsmandat hat. Das ist das sogenannte britische Modell. Das heißt, dass nur Leute in Frage kommen, die ein Landtagsmandat haben.

Wenn Armin Laschet dann seine Ankündigung wahr macht, nach Berlin geht und sein Bundestagsmandat annimmt, dann muss er als Ministerpräsident zurücktreten. Dann stellt sich eben die Frage, wer ihm in Nordrhein-Westfalen nachfolgt. Und das kann eben nur jemand sein, der ein Landtagsmandat hat.

DOMRADIO.DE: Und jetzt wollen wir einen Namen hören...

Hamers: Ja, die Namen (lacht). Namen werden ja genannt. Der Name des Verkehrsministers Hendrik Wüst ist zum Beispiel mehrfach genannt worden. Der hat ein Landtagsmandat und Regierungserfahrung. Insofern ist das sicherlich einer der Kandidaten. Es gibt aber auch andere, die da auch in Frage kämen.

Vor allem stellt sich die Frage, mit wem dann in die Landtagswahl im Mai des nächsten Jahres gegangen wird. Denn im Mai des nächsten Jahres wird ein neuer nordrhein-westfälischer Landtag gewählt.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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