Rettung von Bootsflüchtlingen vor Italien
Rettung von Bootsflüchtlingen vor Italien

16.06.2021

Weitere Migranten in Italien angekommen Kirche mahnt Reformen an

Nach der Ankunft mehrerer Boote mit Migranten spitzt sich die Lage im Auffanglager der italienischen Insel Lampedusa zu. Die italienische Bischofskonferenz und die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio fordern einen Politikwechsel.

Medienberichten zufolge ist der für 250 Personen ausgelegte Hotspot mit 1.350 Menschen völlig überfüllt. Lampedusas Bürgermeister Salvatore Martello habe ein Gespräch mit Ministerpräsident Mario Draghi verlangt, berichtet der Sender RaiNews am Dienstag.

Derweil hat das Versorgungsschiff "Vos Triton" im südlichen Mittelmeer laut Berichten der Hilfsorganisationen Alarm Phone und Sea Watch Italien rund 200 aufgenommene Personen an die libysche Küstenwache übergeben. Der Nachrichtensender Tg3 zeigte am Dienstag Aufnahmen des Überwachungsflugzeugs "SeaBird" von Sea Watch, die zeigen, wie Menschen von einem überfüllten Boot in Richtung des Versorgers schwimmen.

Proteste gegen Rückführung nach Libyen

Die "Vos Triton" hielt sich nahe des Bootes auf, schien aber auf Hilferufe nicht zu reagieren. Etwa später ließ die Schiffsbesatzung alle Menschen an Bord. Spätere Aufnahmen zeigen ein Schnellboot der libyschen Küstenwache, das an dem Versorger anlegt. Daraufhin hätten die aufgenommenen Migranten lautstark gegen die Rückführung nach Libyen protestiert, so der Kommentar der "SeaBird"-Besatzung.

Derweil sind in den vergangenen beiden Tagen von Algerien kommend gut 40 Migranten an der Südküste Sardiniens gelandet, wie RaiNews weiter berichtet. Mehrere Boote wurden demnach von Patrouillenbooten der italienischen Finanzpolizei in den Hafen von Sant'Antioco geleitet. Die Insassen wurden Polizei und Carabinieri übergeben.

Kirche macht Reformvorschläge zur Migrationspolitik

Bereits am Montag hatte der Vorsitzende der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Marco Impagliazzo, fünf Vorschläge zur Reform der Migrationspolitik in Italien präsentiert. Demnach sollten zum einen die bestehenden humanitären Korridore ausgebaut werden. Als weitere Möglichkeit nannte er die Wiedereinführung privater Patenschaften für namentlich bekannte Flüchtlinge durch Nichtregierungsorganisationen, europäische Familien oder lange ansässige Ausländer.

Als dritte Maßnahme nannte Impagliazzo regelmäßige Einreisemöglichkeiten für potenzielle Arbeitskräfte in strategischen Sektoren, in denen in Italien ein Mangel besteht: Kranken- und Altenpfleger, Landarbeiter und Kräfte für die Tourismusbranche. Außerdem mahnte er erneut eine Reform des Dublin-Abkommens in der EU an.

Forderung nach einem Kurswechsel

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, bekräftigte unterdessen die Forderung nach einem Kurswechsel in der Migrationspolitik. In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Avvenire" (Dienstag) erinnerte er an die Mahnung des Papstes, das Mittelmeer sei zu Europas größtem Friedhof geworden. "Selbst der Tod von Männern, Frauen und Kindern vor unseren Küsten scheint den Tagesablauf nicht sonderlich zu stören", schrieb Bassetti.

Von Roland Juchem

(KNA)

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