Napleon-Statue von Charles-Emile Seurre steht im Ehrenhof des "Hôtel des Invalides"
Napleon-Statue von Charles-Emile Seurre steht im Ehrenhof des "Hôtel des Invalides"

05.05.2021

Todestag von Napoleon jährt sich zum 200. Mal Zum Siegen verdammt

Er war ein Getriebener. Der große Napoleon, der innerhalb weniger Jahre fast ganz Europa eroberte, brauchte den Sieg, um sich an der Macht zu halten. Als er nicht mehr siegte, stürzte er.

"Am Anfang war Napoleon", so begann der Historiker Thomas Nipperdey seine "Deutsche Geschichte" des 19. Jahrhunderts. Der Franzosen-Kaiser habe entscheidende Grundlagen für das moderne Deutschland gelegt. Für Frankreich gilt das noch viel mehr: Am 5. Mai gedenken die Franzosen des 200. Todestages des Korsen.

Aufstieg und Fall

Sein Leben gleicht einem antiken Drama: ein kleiner, 1769 geborener Artillerieoffizier aus dem unruhigen Korsika, der sich innerhalb weniger Jahre mit großem Ehrgeiz zum Herrscher Frankreichs und Herrn über Europa aufschwingt, um dann ebenso rasch seine Macht zu verspielen und ins Nichts zu versinken.

Napoleon war ein Getriebener. Innenpolitisch musste er einen schwierigen Balanceakt vollführen: einerseits die Errungenschaften der Französischen Revolution gegen radikale linke Kräfte und Monarchisten verteidigen - und zugleich diejenigen integrieren, die die Verlierer der Revolution waren. Die revolutionäre, antikirchliche Linke beobachtete misstrauisch, dass er auf Kirche und Adel zuging, um Frankreich zu einen. Die konservative Rechte, die Anhänger der Monarchie und die ausländischen Herrscher warteten nur auf sein Scheitern, um Vergeltung zu üben und die Enteignung von Kirchen- und Adelsgütern ebenso rückgängig zu machen wie die Gleichheit vor dem Gesetz.

Kaiserkrönung und Diktatur

Als Napoleon 1799 die Macht ergreift, scheint es für Frankreich nur zwei Alternativen zu geben: Entweder wird das Land von den europäischen Monarchien und den Mächten des Ancien Regime überrannt - oder es versinkt im Bürgerkrieg. Für Napoleon erweisen sich Kaiserkrönung und Diktatur als einziger Ausweg aus diesem Dilemma. Aus Sicht seines Biografen Günter Müchler wäre es deshalb falsch, Napoleons Kaisertum als Wiederkehr des alten monarchischem Regimes zu beschreiben. Der Korse begründete vielmehr eine neue Herrschaftsform, die sich auf Volkssouveränität und das Charisma des Herrschers stützte.

Mit Blick auf Napoleons Eroberungszüge durch ganz Europa wendet sich Müchler gegen die Interpretation, der Kaiser sei von seiner Maßlosigkeit getrieben worden. "Er war weder ein unermüdlicher Kriegstreiber noch ein unersättlicher Landräuber", schreibt der Biograf. "Sein Riesenreich ist das Produkt von Gelegenheiten, die er konsequent nutzt." In nur zwölf Jahren krempelt der kleine Korse ganz Europa um. Rom und Amsterdam werden französische Städte ebenso wie Köln oder Hamburg.

Einsamer Tod

Auch hier ist Napoleon ein Getriebener: Weil er von den europäischen Monarchen und den französischen Eliten nicht als ebenbürtig anerkannt wird, ist er gezwungen, seine Überlegenheit ständig unter Beweis zu stellen. Seine Herrschaft bricht zusammen, als er nicht mehr siegt. Am Ende steht der einsame Tod in der Verbannung auf Sankt Helena. Napoleon stirbt am 5. Mai 1821 - wie schon sein Vater an Magenkrebs.

Zerstörung und Neuordnung des Rechts

Deutschland wurde von Napoleon brutal in die Moderne gestoßen. Der Eroberer brachte ein Höllenfeuer von Verwüstungen, ruinösen Steuern und hunderttausendfachem Tod von Soldaten und Zivilisten. Seine territorialen Neuordnungen ließen 1806 das 900-jährige Heilige Römische Reich in sich zusammenstürzen. Er beendete die weltliche Herrschaft der Kirchenfürsten und der Kleinfürstentümer. Seine größte Errungenschaft: Die Einführung des französischen Rechts in den annektierten linksrheinischen Territorien bringt einen Modernisierungsschub, etwa bei der Gleichberechtigung der Juden, der Einführung der Zivilehe oder der Gleichheit vor dem Gesetz.

Auch nach seinem Tod scheidet Napoleon die Geister. Für die einen ist er ein Teufel, ein "korsisches Ungeheuer". In Deutschland weckt er den Geist des Nationalismus. Frankreich versöhnt sich mit ihm. 1840 werden seine sterblichen Überreste von Sankt Helena geholt und im Invalidendom in Paris beigesetzt.

Von Christoph Arens
(KNA)

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