Monsignore Heribert August (v.l.), Armin Laschet und Angela Merkel im Jahr 2017
Monsignore Heribert August (v.l.), Armin Laschet und Angela Merkel im Jahr 2017
Monsignore Heribert August und Angela Merkel im Jahr 2017
Monsignore Heribert August und Angela Merkel im Jahr 2017

19.04.2021

Wird Laschet der Kanzlerkandidat der Union? "Ich glaube, dass er der Richtige ist"

Es ist ein zähes Ringen um die Kanzlerkandidatur der Union. Der Aachener Heimatpfarrer von Armin Laschet, Monsignore Heribert August, findet, dass der CDU-Vorsitzende oft falsch dargestellt wird. Er wünscht sich Laschet als Kanzlerkandidat.

DOMRADIO.DE: Sie haben Armin Laschet vor 36 Jahren getraut, Sie kennen ihn noch viel länger – ich nehme an, Sie persönlich würden sich freuen, wenn er für die Union als Kanzlerkandidat ins Rennen geht, oder?

Monsignore Heribert August (Ehrendomkapitular Herz-Jesu-Kathedrale Sarajevo, langjähriger Pfarrer von Aachen-Burtscheid): Ja, ganz sicher würde ich mich freuen, wenn er es wird. Und nicht nur ich würde mich freuen, sondern ganz viele andere auch. Alle hier sagen das Gleiche: "Hoffentlich schafft er das!" Ich wünsche es mir deshalb sehr, weil ich glaube, dass er der Richtige ist.

DOMRADIO.DE: Warum ist er der Richtige?

August: Ich glaube, er ist ein sehr verlässlicher Mensch, der zu den Dingen steht, die er anleiert, die er macht, die er sagt. Er ist jemand, der Vertrauen verdient. Und anders als sein Konkurrent ist er auch keiner, der eben mal draufhaut und eine Menge verspricht und dann nicht hält, wie wir das in der vergangenen Woche erlebt haben. Außerdem steht er nicht so weit rechts. Ich glaube, er ist einfach jemand, der die Gesamtbevölkerung in Deutschland von oben nach unten und von rechts nach links vertreten kann.

DOMRADIO.DE: Spätestens seit dem vorletzten Wochenende bröckelt die Zustimmung für Laschet, mehrere CDU-Größen haben sich für Söder ausgesprochen, die Junge Union auch – da muss Armin Laschet viel einstecken im Moment. Tut Ihnen das auch ein bisschen weh, das zu sehen?

August: Ja, das tut mir schon länger weh. Weil Armin Laschet das nicht verdient hat. Ich glaube, dass er sich sehr auf das verlassen hat, was mit Herrn Söder besprochen war. Weil Markus Söder ja immer wieder betont hat: Wenn die CDU-Gremien sich für Laschet aussprechen, dann bleibt er in Bayern. Das hat sich jetzt als Luftnummer erwiesen. Das ist ein Wortbruch!

DOMRADIO.DE: Hatten Sie in den letzten Tagen und Wochen persönlich mit Armin Laschet Kontakt?

August: Nein, das kann ja auch nicht sein. Er hat einfach zu viel um die Ohren. Aber ich habe mit seiner Frau Kontakt gehabt und sie gefragt: ´"Wie geht es ihm?" und sie hat gesagt: "Frag mich nicht! Er kommt abends um 23 Uhr mit einem Ordner nach Hause, geht um Mitternacht ins Bett und steht um 6 Uhr wieder auf, weil er abgeholt wird. Er geht mit Corona ins Bett und steht mit Corona wieder auf." – Armin Laschet hat wirklich Pech gehabt.

Er ist Ministerpräsident geworden - und dann kam Corona. Er hat den CDU-Vorsitz übernommen - und dann kam die Maskenaffäre. Er hat jeweils einen schlechten Start gehabt und deswegen wundern mich die Zahlen in den Umfragen nicht. Ich fände es wichtig, jetzt nicht auf die Umfragen zu gucken, sondern auf den Charakter, auf den Menschen. Und darauf, wer besser für ganz Deutschland steht. Herr Söder ist sicher der bessere Bayer.

DOMRADIO.DE: Und Herr Söder pocht jetzt auf seine deutlich besseren Umfragewerte…

August: Man kann doch aufgrund von Meinungsumfragen keinen Kanzlerkandidaten bestimmen! Da ist die Zustimmung heute hoch und morgen niedrig. Die kleinste Kleinigkeit kann sofort dazu führen, dass Zustimmungswerte sich innerhalb von einer Woche verändern. So kann man nicht in demokratisch bestimmten Ländern, wie Deutschland das ist, verantwortliche Leute aufs Schild heben. Da sind die Gremien, die haben alle für Laschet gestimmt und da ist er eindeutig der Kandidat. Und Herr Söder handelt meiner Meinung nach aus Effekthascherei und ein kleines bisschen auf undemokratische Weise. Populistisch ist genau das richtige Wort.

DOMRADIO.DE: Was würden Sie Armin Laschet als sein Seelsorger jetzt gerne sagen?

August: Ich würde ihm sagen: "Bleib ruhig, bleib, wie du bist. Ich wünsche dir sehr, dass es dir gelingt und du dich nicht zu sehr aufreibst. Bleib fest auf deinem Glaubensfundament. Dann wirst du mit Geduld auch weiterhin vieles erreichen und schaffen. Und sollte es mit der Kanzlerkandidatur nicht klappen: Du weißt, du stehst in Gottes Hand. Da kann dir gar nichts passieren. Und so wie ich dich kenne, bin ich sicher, wirst du auch damit fertig!"

DOMRADIO.DE: Markus Söder profitiert vor allem auch von seinem vermeintlich besseren Corona-Management. Was sagen Sie dazu?

August: Die Corona-Zahlen aus Bayern sind gar nicht so anders als die aus Nordrhein-Westfalen, da war nicht einer besser als der andere. Wir waren in NRW teilweise sogar besser in der Krise als die Bayern. Deshalb wundere ich mich, dass Sympathie und Kritik da so ungleich verteilt sind. Das hat Armin Laschet nicht verdient, das ist nicht richtig.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie finden es auch ungerecht, wie Laschet in den vergangenen Wochen oft dargestellt wurde – als der Zögerliche?

August: Ja, ich finde das ungerecht. Er ist nämlich nicht der Zögerliche, sondern der Nachdenkliche. Als er dann gesagt hat "Ich muss darüber nachdenken", ist er gleich wieder mit Kritik überhäuft worden. Ich weiß, dass er überlegt ist, dass er nicht einfach drauflos schlägt, dass er nicht unüberlegt Dinge sagt und tut. Das ist mir sehr lieb, so habe ich ihn kennengelernt und so habe ich ihn schätzen gelernt.

DOMRADIO.DE: Armin Laschet wird ja immer als so ein typisch rheinischer Katholik beschrieben – was würden Sie sagen, was macht ihn und seinen Glauben, seine Beziehung zur katholischen Kirche aus?

August: Das wird ja immer so ein Stück weit herausgehoben, er habe so eine enge Verbindung zur Kirche, sei so ein strenger Katholik. Ich sage: Er ist ein normaler Katholik. Wie so viele Menschen in den Gemeinden. Er ist mit seinen Geschwistern in einem katholischen Elternhaus groß geworden, sie waren tolle Leute, Vater, Mutter, Geschwister, die in der Gemeinde mitgemacht haben, die das Ganze aber in keinster Weise übertrieben praktiziert haben oder eingeengt, rechtslastig oder konservativ. Die waren ganz normale Katholiken, so ist er auch heute. Er praktiziert, wenn er kann. Dazu gehört, auch immer wieder sonntags in den Gottesdienst zu gehen, Ostern und Weihnachten selbstverständlich christlich zu feiern. Er ist eher christlich als nur katholisch. Er ist jemand, der für alle Religionen sehr offen ist; auch das hat er in seiner Familie gelernt. 

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie Armin Laschet für die allernächste Zeit?

August: Ich wünsche ihm viel Kraft. Ich wünsche ihm, dass er das aushält und dass er weiß, dass er zu Hause, in seiner Familie, in der Gemeinde, in Aachen getragen ist und dass er nicht den Kopf hängen lässt, sondern mit seinem Gottvertrauen auch die nächste  Aufgabe anpackt, falls das jetzt nicht ausgeht, wie er sich das wünscht.

DOMRADIO.DE: Wenn Armin Laschet Kanzlerkandidat würde, wäre er durch diesen Machtkampf nicht doch sehr beschädigt?

August: Sicher, das wäre kein so schöner Start. Aber er wird bald zeigen, was für ein Mensch er ist und dann wird man das auch vergessen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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