Kopie einer Büste der Kaiserin Auguste Victoria
Kopie einer Büste der Kaiserin Auguste Victoria

11.04.2021

Vor 100 Jahren starb Auguste Victoria, die letzte Kaiserin Die "Kirchenjuste"

Nach ihr wurden Straßen, Schulen, Krankenhäuser und eine Rose benannt. Aber im Gegensatz zu ihrem Ehemann, Kaiser Wilhelm II., ist sie heute fast ganz aus der kollektiven Erinnerung verschwunden.

Auguste Victoria, die letzte Königin von Preußen und Kaiserin des Deutschen Reiches, starb vor 100 Jahren, am 11. April 1921, im niederländischen Exil. In den 1920er und 1930er Jahren war ihre Grablege im Potsdamer Antiken-Tempel ein Magnet für die Monarchisten, besonders an ihrem Geburts- und Todestag.

Ausgeprägtes soziales Engagement und der Bau von Kirchen 

Die Schauspielerin Emmy Sonnemann verschob 1935 sogar ihre Hochzeit mit dem Nazi-Oberen Hermann Göring, weil sie nicht am Todestag der letzten Kaiserin heiraten wollte. "Lebte doch in Berlin immer noch ein Stück 'Monarchie' und war die Erinnerung an die einst sehr beliebte Kaiserin noch sehr lebendig", schrieb sie 1967 in ihren Memoiren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verblasste die Erinnerung an Auguste Victoria. Jörg Kirschstein, Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, hat zum 100. Todestag eine aktuelle, reich bebilderte Biografie verfasst. Er stellt fest: "Einzig ihr ausgeprägtes soziales Engagement sowie der Bau zahlreicher Kirchen werden zuweilen noch mit ihr verbunden und tragen als Einrichtungen vielfach bis heute ihren Namen."

Auguste Victoria war während der 40 Jahre, die sie mit Wilhelm II. verheiratet war, die Person, die dem Kaiser am nächsten stand. Zusammen mit ihm erlebte sie "den Aufstieg des Deutschen Kaiserreiches sowie dessen Untergang infolge des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution 1918", schreibt Kirschstein. Als ihr Mann abdankte und in die Niederlande ins Exil ging, folgte sie ihm.

"Von ihr ist Liebe und Wärme ausgegangen"

Mit der Novemberrevolution endete die Welt, wie Auguste Victoria sie kannte. Geboren am 22. Oktober 1858 als Auguste Victoria Friederike Luise Feodora Jenny von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg gehörte sie dem protestantischen Hochadel an und wurde entsprechend erzogen. Ihr Lebensweg war vorgegeben: standesgemäß heiraten, Kinder bekommen, diese in der Tradition der Familie großzuziehen und sich karitativ betätigen. Tatsächlich machte sie mit der Hochzeit des preußischen Prinzen und Thronanwärters Wilhelm im Februar 1881 die beste Partie ihrer Zeit, wenngleich sie zunächst ihrer Schwiegerfamilie nicht ebenbürtig erschien.

Die wichtigste Aufgabe, die die Ehefrau eines Thronfolgers erfüllen musste: Kinder bekommen, möglichst drei Söhne. In den zehn Jahren zwischen 1882 und 1892 brachte sie sechs Söhne und eine Tochter zur Welt. In seinen Erinnerungen schrieb ihr Sohn Kronprinz Wilhelm (1882-1951) später: "Der Mittelpunkt für uns Kinder war, seit ich denken kann, unsere geliebte Mutter. Von ihr ist Liebe und ist Wärme ausgegangen und zu uns gekommen."

Vorrang hatte jedoch immer ihr Ehemann. Biograf Kirschstein erklärt: "Ihre Hingebung und ihre Ergebenheit ihrem Ehemann gegenüber waren unbegrenzt. Sie kannte die Schwächen Wilhelms II. nur zu gut und verstand es, mit ihnen umzugehen. Diese Erkenntnisse erhöhten ihre Fürsorge und ihre Liebe umso mehr."

Im Juni 1888 änderte sich ihr Leben grundlegend, als Wilhelm König von Preußen und Kaiser des Deutschen Reiches wurde. Sie stand nun als Erste Dame an der Spitze. Gefordert war nun zusätzlich ein vorbildliches Leben als Landesmutter. "Auguste Victoria sah in der Förderung sozialer Einrichtungen eine ihrer wichtigsten Aufgaben", beschreibt Kirschstein ihr neues Aufgabenfeld.

Sie übernahm die Schirmherrschaft über die Deutsche Rot-Kreuz-Gesellschaft und den Vaterländischen Frauenverein. Weiterhin engagierte sie sich für eine bessere Bildung von Mädchen und Frauen sowie die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit.

"Mit ausgeprägten Engagement", so Kirschstein, setzte sie sich in den folgenden Jahrzehnten für den Bau von rund 100 evangelischen Kirchen ein, davon allein 38 in Berlin. Sie war Protektorin des 1888 gegründeten Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins "zur Bekämpfung des religiös-sittlichen Notstands", aus dem der Evangelische Kirchenbauverein hervorging. Nicht umsonst hieß sie im Volksmund auch die "Kirchenjuste".

Sie folgte ihrem Mann ins niederländische Exil

Während des Ersten Weltkriegs sah sie ihren sozialen Einsatz als patriotische Selbstverständlichkeit und besuchte unzählige Lazarette, Soldatenheime und Volksküchen. Als der Weltkrieg und damit die Monarchie im Deutschen Reich endete, folgte sie ihrem Mann ins niederländische Exil. Ihre Welt war zerbrochen, sie war getrennt von ihrer Familie, aber sie sah es als das Wichtigste an, ihren Mann zu stützen.

Im Sommer 1919 erwarb der Ex-Kaiser Huis Doorn in der Nähe von Amerongen, wo sie gemeinsam lebten. Weil Auguste Victoria gesundheitliche Probleme hatte, ließ Wilhelm das Haus mit einem Fahrstuhl für sie behindertengerecht einrichten. Nach ihrem Tod wurde ihr Sarg nach Deutschland überführt. Wilhelm II. überlebte sie um 20 Jahre. Heute ist Huis Doorn ein Museum, das man auch virtuell besuchen kann.

Jörg Kirschstein war an dem sensationellen Fund beteiligt, als im Sommer 2018 im ehemaligen Garderobenzimmer der Kaiserin im Potsdamer Neuen Palais zwei Transportkisten auftauchten. Darin befanden sich rund 1.000 private Briefe, die Auguste Victoria zwischen 1883 und 1889 erhalten hatte. Wegen ungeklärter Eigentumsrechte konnten sie bislang noch nicht ausgewertet werden.

Von Christiane Laudage 

(KNA)

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