Symbolbild: Bibel und Kreuz auf us-amerikanischer Flagge
Symbolbild: Bibel und Kreuz auf us-amerikanischer Flagge

03.01.2021

In den USA werden Stimmen linker Öko-Evangelikaler lauter Klimaschutz als Glaubensfrage

Die Mehrheit der evangelikalen Christen in den USA zweifelt einen von Menschen verursachten Klimawandel an - auch aus religiösen Gründen. Doch es gibt evangelikale Umweltaktivisten, die den Öko-Kurs von Trump-Nachfolger Biden in Teilen unterstützen.

Seit Jahren wird in den US-Medien darüber spekuliert, wann die konservative Festung der Millionen weißen evangelikalen Christen ins Wanken gerät. Nach den verstörenden Amtsjahren von Donald Trump und dem teilweisen Rückzug von jungen Gläubigen könne es Anfang 2021 zu einem neuen Trend kommen: Vielleicht werden manche Evangelikale einige Initiativen des kommenden Präsidenten Joe Biden nicht von vornherein verwerfen. Beispiele sind die Themen Immigration und Klimaschutz. Doch trotz dieser neuen Tendenz stimmten bei der Wahl am 3. November laut einer Nachwahlumfrage des Instituts "Edison Research" noch 76 Prozent der weißen Evangelikalen für Trump - etwa ebenso häufig wie 2016 - und 23 Prozent für den demokratischen Herausforderer Biden.

In den USA sind die weißen Evangelikalen seit den 80er Jahren ein mächtiger und politisch aktiver Block, auch wenn sie nicht immer mit einer Stimme sprechen. Bei brennenden Anliegen wie den Themen
Coronavirus, Polizeigewalt, Rassismus oder Klimaschutz stehen sie eher im Hintergrund oder bei der Republikanischen Partei - so tragen weiße Evangelikale laut "Public Religion Research Institute" weniger Mund- und Nasenschutz gegen das Virus als Angehörige anderer Glaubensrichtungen.

Klimaschutz Top-Priorität für Biden

Geschätzte 15 Prozent bis 20 Prozent der US-Amerikaner gelten als weiße evangelikale Christen. Sie sind meist wortgewaltig, von ihrem Glauben überzeugt, in ihren Wohnorten verwurzelt, mediengewandt und gut organisiert.

Zum Thema Klimaschutz und Erderwärmung hat Trump in seinen vier Amtsjahren widersprüchliche Erklärungen vorgelegt und zahlreiche Umwelt- und Klimaschutzvorschriften außer Kraft gesetzt. Dagegen
erklärte Biden den Klimaschutz bereits zu seiner Top-Priorität. Sein Umwelt- und Klimateam findet Beifall bei Umweltverbänden - auch beim "Evangelical Environmental Network", einer evangelikalen Organisation zur "Erhaltung der Schöpfung". Man müsse Millionen Arbeitsplätze schaffen und die Klimakrise bewältigen, betonte EEN-Geschäftsführer Mitchell Hescox.

Saubere Energie aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich

Der evangelikale Verband EEN begrüßte Bidens Nominierungen der Ex-Gouverneurin von Michigan, Jennifer Granholm, zur Energieministerin und des Umweltverantwortlichen im Staat North
Carolina, Michael Regan, zum Direktor der US-Umweltbehörde EPA. Laut Granholm muss sich Wachstum auf saubere Energie gründen, das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich.

Regan hat sich mit der Kohle- und Chemieindustrie angelegt und in North Carolina ein Beratungsgremium für Umweltgerechtigkeit eingerichtet. Er wäre der erste afro-amerikanische EPA-Direktor. Der Senat muss über beide Nominierungen entscheiden.

Bidens nominierte Innenministerin Deb Haaland von den Laguna Pueblo in New Mexico wäre die erste Indigene auf diesem Posten. Haaland ist gegenwärtig Kongressabgeordnete. Sie werde mit größtem Einsatz für den Planeten kämpfen, versicherte sie.

Skepsis gegenüber Wissenschaft

Die bisherige weitgehende Ignoranz der Evangelikalen beim Thema Klimaschutz hat mehrere Gründe. Zum einen stehen weite Kreise konservativer Christen der Wissenschaft schon immer skeptisch gegenüber. In Teilen des Evangelikalismus hält sich zudem ein Schöpfungsglauben, dem zufolge die Erde nur mehrere Tausend Jahre alt ist. Daher wird bestritten, dass der Klimawandel durch Menschen verursacht sein kann.

Die Religionswissenschaftlerin Robin Veldman von der Texas A&M Universität in College Station (US-Staat Texas) sieht in ihrem Buch "The Gospel of Climate Scepticism" ("Das Evangelium der
Klimaskeptiker", 2019) in der evangelikalen Haltung auch politische Beweggründe. Weiße Evangelikale seien tief verwurzelt in der Republikanischen Partei, und dort würden Klimaschutzgesetze abgelehnt, erläutert Veldman.

Bibelgläubiges Christentum und Republikaner-Sein eng verworren

Viele evangelikale Kirchen seien "republikanische Echokammern geworden", ergänzt die Religionssoziologin Nancy Ammerman von der Boston Universität im Umweltfachdienst "insideclimatenews.org". Die Mehrheit der Gläubigen wisse nicht, wie man "das bibelgläubige Christentum und Republikaner-Sein entwirren kann".

Ob der konservative Zusammenhalt bei den Evangelikalen tatsächlich mittelfristig aufbrechen wird, lässt sich nicht schlüssig beantworten. Umfrageergebnisse sind da widersprüchlich. Junge evangelikale Christen seien an manchen Punkten liberaler als ihre Eltern, schreibt der Politikwissenschaftler Jeremiah Castle in seiner Analyse "Rock of Ages" (2019). Es gebe allerdings keine weitreichenden Veränderungen, sondern höchstens einen "nuancierten und schrittweisen" Wandel.

Konrad Ege
(epd)

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