Bundeswehr-Aufklärungsflugzeug im Fliegerhorst Büchel
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Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf

06.08.2020

Bischof Kohlgraf gegen Atomwaffen in Büchel "Das möchte ich nicht mittragen"

75 Jahre nach dem Atombomenabwurf über Hiroshima werden immer noch Atombomben in Deutschland gelagert. Der Präsident von pax christi, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, fordert, damit solle endgültig Schluss sein.

DOMRADIO.DE: Sie sagen der Atombombenangriff von Hiroshima geht uns heute, 75 Jahre später, sehr wohl noch etwas an. Wieso genau?

Bischof Peter Kohlgraf (Bischof von Mainz/Präsident pax christi Deutschland): Zum einen ist es natürlich das Gedenken, wir haben ja jetzt so einige Gedenkveranstaltungen auch gehabt zum Ende des Weltkrieges, und das Gedenken ist natürlich auch eine Motivation für den Frieden heute zu arbeiten. Das wäre so ein erstes wichtiges Thema. Aber wir leben auch in einer Welt, in der es wieder zur Aufrüstung kommt, zu verstärkter Aufrüstung, auch atomarer Aufrüstung. Insofern macht einen das besorgt. Diese beiden Gesichtspunkte wären mir im Moment wichtig.

DOMRADIO.DE: Vor allem, wenn man bedenkt, dass jede heute existierende Atomwaffe noch ein größeres Vernichtungspotenzial hat, als zum Beispiel die Hiroshima-Bombe. Wie konkret können wir denn da hinkommen? Zu einer Welt ganz ohne Atomwaffen.

Bischof Kohlgraf: Es ist ein dringendes Anliegen, gerade auch von pax christi und auch ein persönliches Anliegen, deutlich zu machen, dass diese Logik der Abschreckung, die Logik, sozusagen des Säbelrasselns, mal vorübergehend gut gehen kann. Aber dass das natürlich eine sehr fragile Geschichte ist. Eigentlich geht es darum, aktiv den Frieden zu gestalten und eine Welt zu schaffen, in der man Vertrauen schafft, in der man miteinander redet, weil ja niemandem daran gelegen sein kann, Atomwaffen einzusetzen, eigentlich. Das ist ja auch die Perversion dieser Abschreckungslogik, dass man das Ganze nur wirksam machen kann, wenn man wirklich auch bereit ist, die Bombe zu werfen. Und das kann es heute nicht sein.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja einen Atomwaffensperrvertrag von 1968, in dem sich die fünf offiziellen Atommächte zur nuklearen Abrüstung sogar verpflichten. Trotzdem drohen sie mit Atomwaffen. Passt ja auch nicht ganz zusammen?

Bischof Kohlgraf: Nein, die ganze Situation war eigentlich auch eine paradoxe Situation, sich einerseits zu verpflichten, am Frieden zu arbeiten, aber weiterhin natürlich mit den Bomben zu arbeiten und damit ein Drohszenario aufzubauen. Und das funktioniert heute so nicht mehr, weil wir auch nicht mehr einfach über über zwei Parteien in der Zeit des Kalten Krieges reden. Wir reden über viele Weltmächte, die heute wieder aufrüsten und wo sicherlich die Sicherheitslage nicht so aussieht wie vielleicht noch vor vor 50 Jahren.

DOMRADIO.DE: Und Sie sagen auch Deutschland ist in nukleare Teilhabe eingebunden. Inwiefern denn?

Bischof Kohlgraf: Na gut, es gibt die amerikanischen Atomwaffen in Büchel. Natürlich sind wir auch an Verträge gebunden. Vor einiger Zeit wurden die Atomwaffen in Büchel auch noch einmal modernisiert und technisch aufgerüstet, sodass auch da natürlich ein Signal kommt: Wir müssen damit rechnen oder wir rechnen damit, dass die auch einsatzfähig sind. Und das möchte ich auch nicht mittragen. Ich glaube viele Menschen nicht mehr.

DOMRADIO.DE: Wie lautet konkret Ihre Aufforderung an die Bundesregierung?

Bischof Kohlgraf: Es gibt von den Vereinten Nationen 2017 diesen Vertrag, zu dem sich hoffentlich viele Nationen verpflichten, nämlich an einer atomwaffenfreien Welt weiterzuarbeiten bzw. auch konkrete Schritte zur atomwaffenfreien Welt zu gehen.

DOMRADIO.DE: Einige Menschen, die den Angriff 1945 in Hiroshima erlebt haben, leben noch. Und ihr persönliches Ziel lautet auch nicht erst seit heute, diesen Menschen eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen, noch zu Lebzeiten. Wie realistisch ist das?

Bischof Kohlgraf: Man darf auch träumen und man darf auch Forderungen stellen, die sich sicherlich nicht in den nächsten sechs Wochen umsetzen lassen. Aber ich denke, dass gerade wir Christen auch aus einer biblischen Friedensvision leben und dass wir nicht nur Realpolitik machen, sondern dass wir auch schauen: Wie kann man letztlich auch Menschen motivieren, Frieden zu schaffen? Ich glaube, das ist ein wichtiger Auftrag, den uns die Überlebenden, die letzten Überlebenden der Atomwaffenkatastrophe von Hiroshima und Nagasaki auch mitgeben. 

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(DR)

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