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03.06.2020

Das Katholischsein in Deutschland wird erforscht Zwischen Zweitem Vatikanum und Mauerfall

Was bedeutet es überhaupt, katholisch zu sein? Ein breit angelegtes Forschungsprojekt geht der Frage nach, wie sich die Antwort der Deutschen darauf in den vergangenen fünf Jahrzehnten verändert hat.

Der Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann gilt als gut katholisch, sein Amtskollege Bodo Ramelow von den Linken ist bekennender Protestant. Was heute nicht wirklich irritiert, hätte vor gut einem halben Jahrhundert gesellschaftlich und politisch nicht funktioniert. Vor allem die CDU Konrad Adenauers schien fast unauflöslich mit dem Katholizismus verbunden zu sein.

"Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland"

Was zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil Mitte der 1960er Jahre und dem Mauerfall 1989 geschah, das ist das Thema des Forschungsprojekts "Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland". Weil das Thema überraschenderweise wissenschaftlich nicht systematisch erforscht ist, sponsert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Vorhaben von 30 Historikern und Kirchenhistorikern an neun Standorten in der Bundesrepublik über drei Jahre mit rund drei Millionen Euro.

Der Projektsprecher, der Tübinger Kirchenhistoriker Andreas Holzem, erläutert, bis in die 1960er Jahre habe sich der Katholizismus wie auch vor dem Zweiten Weltkrieg als geschlossene gesellschaftliche Gruppe begriffen. Viele Christen hätten dann aber außerhalb des innerkirchlichen Milieus enorme Dynamiken sozialen, kulturellen und religiösen Wandels angestoßen und zum Wandel der ganzen deutschen Gesellschaft beigetragen. Also weg von der katholischen Milieustudie und hin zur Betrachtung der Religiosität in der Gesellschaft insgesamt.

Die Leitfrage der Wissenschaftler heißt: Was sind die vielen Formen des Katholischseins, wenn sie nicht mehr als organisierte Kirchlichkeit stattfinden? Ein Projekt befasst sich beispielsweise mit der geänderten Rolle der Theologie, die sich als Folge des Konzils (1962-1965) "vom Gängelband des kirchlichen Lehramtes" in Rom befreit.

Theologinnen in einstiger Männerdomäne

Als "Leuchttürme dieser Entwicklung" geht es um die Biografien der früheren Tübinger Theologen Hans Küng und Joseph Ratzinger, des späteren Papstes. Beim Konzil, sagt Holzem, stand Ratzinger auf Seiten der Progressiven. Die gedankliche Trennung der beiden manifestierte sich erst, als Ratzinger als Folge der Studentenunruhen 1968 ein Jahr später von Tübingen nach Regensburg wechselte.

Neu war, dass es ab den 1960er Jahren in der einstigen Männerdomäne Theologinnen gab. Die Wissenschaftler fragen, welche Berufsprofile damals erfunden wurden und welche Frauen sich dafür interessierten.

Parallel entstand in diesen Jahren ein neues geistliches Liedgut, der Sacro-Pop. Holzem sieht darin "einen Spiegel der enormen Politisierung - etwa in der Friedensbewegung, der Dritte-Welt-Bewegung, der Umweltbewegung". Auch hier verlässt der Katholizismus seine Milieugrenzen.

Blick auf die politische Landschaft

Einen besonderen Blick werfen die Forscher auf die politische Landschaft, die sich mit dem Entstehen der Grünen 1979/1980 erheblich veränderte. Nicht nur, dass auf einmal vier statt drei Fraktionen im Bundestag vertreten waren. Für viele junge Menschen wurden die Grünen "zu einem außerordentlich attraktiven Angebot".

Zugleich ärgerten sich immer mehr Katholiken, weil sie nach dem Verlesen der Hirtenworte in der Kirche vor einer Wahl den Eindruck haben konnten, dass nur der ein Katholik sei, der sein Kreuzchen brav bei der Union setzt. "Petra Kellys Auseinandersetzung mit der Deutschen Bischofskonferenz ist ein gutes Beispiel für den Gedanken, dass christliche Politik auch außerhalb von CDU und CSU politisch beheimatet werden kann", sagt Holzem.

Begrenzt ist das Erkenntnisinteresse der Forscher auf den Westen, die DDR kommt nicht vor. "Das Problem ist: Die DDR-Gesellschaft hat nach so extrem anderen Regeln funktioniert - wie kann man da wissenschaftlich verantwortlich vergleichen?", fragt Holzem.

Er kann sich indes vorstellen, dass die Ergebnisse, die zunächst auf jährlichen Tagungen präsentiert werden sollen, Anlass zu einer Ausweitung des Projekts bieten. Nicht nur auf den Osten, sondern auch auf andere Länder. "Wir fangen erst einmal mit der Bundesrepublik an." Doch bereits bei der aktuellen Studien seien viele Fragestellungen "ohne die Wahrnehmung internationaler Bezüge schon heute nicht verstehbar".

Michael Jacquemain
(KNA)

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