Teilnehmer einer Demonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen
Teilnehmer einer Demonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen
Bischof Georg Bätzing in Kevelaer
Bischof Georg Bätzing in Kevelaer
Mit Maske: Winfried Kretschmann
Mit Maske: Winfried Kretschmann
Erzbischof Burger
Erzbischof Burger
Heinrich Timmerevers, Bischof des Bistums Dresden-Meißen
Heinrich Timmerevers, Bischof des Bistums Dresden-Meißen
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode
Der evangelische "Hauptstadtbischof" Christian Stäblein
Christian Stäblein

01.06.2020

Kirche und Politik besorgt über Corona-Demos "Teils krude Thesen und Forderungen"

Am Pfingstwochenende haben sich Politik und Kirche besorgt zu Demonstrationen gegen Corona-Beschränkungen geäußert. Sie warnen vor dem Aufkommen von Verschwörungstheorien und Antisemitismus.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte, über viele Wochen habe man in Deutschland und vielen anderen Ländern "in einer Art Schockstarre" gelebt. Mit den Lockerungen hätten nun auch Proteste zugenommen. Er verurteilte "teils krude Thesen und Forderungen", die "leider sogar in hohen kirchlichen Kreisen Widerhall gefunden" hätten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte: "Wir leben in einem freien Land, da kann jeder seine Meinung äußern, selbst wenn sie unsinnig ist und Verschwörungsmythen transportiert", sagte der Grünen-Politiker der Funke-Mediengruppe. "Die Gefahr sehe ich eher darin, dass Rechtsradikale solche Demonstrationen unterwandern. Das besorgt mich doch ganz erheblich."

Verschwörungstheorien und Antisemitismus

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode warnte vor Verschwörungstheorien und einem wachsenden Antisemitismus. Gegen solch ein "zersetzendes Virus der sozialen Klimavergiftung" könne der Glaube ein wirksamer Antikörper sein, sagte Bode.

Kritische Worte fand auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger: "Kaum beginnen wir, über Lockerungen und Entlastungen nachzudenken, Luft zu holen in der Pandemie, werden gleich Verschwörungstheorien befördert und erwogen, die manche wieder neu in Angst und Schrecken versetzen." Statt sich über gemeinsame "Aktionen zu freuen, die uns für ein paar Wochen beflügelt und geeint haben, geht es gleich wieder um die Risse und Spalten, die sich in unserem gesellschaftlichen wie kirchlichen Gefüge zeigen", sagte der Bischof.

Das Gespräch suchen

Der Dresdner katholische Bischof Heinrich Timmerevers plädiert erneut für einen Austausch mit Verschwörungstheoretikern und Protestierern auf Hygienedemos. "Wir müssen uns diesen Debatten einfach stellen und dann auch vielleicht von Mann zu Mann und von Frau zu Frau das Gespräch und den Dialog suchen. Ob wir überzeugen können, ist die zweite Frage, aber wir dürfen uns davon nicht wegducken", sagte Timmerevers in der Podcast-Reihe "Himmelklar - Fürchtet euch nicht!".

In seinem Bistum sei man ein bisschen besorgt gewesen, dass sich verschiedene Gruppen aus unterschiedlichsten Lagern zusammenfinden. "Der Ministerpräsident ist da ganz mutig draufzugegangen, um einfach das Gespräch und den Kontakt zu suchen und hat sich auch da hineingestellt", so der Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Das sei ein "starkes Zeichen" von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewesen.

Man dürfe den Dialog nicht aufgeben und müsse deutlich sagen, was man selber davon denke und was für einen selber wichtig sei. "Aber in so eine Linie zu kommen, dass man mit ihnen nicht redet, das ist gefährlich. Da braucht es eben auch eine gewisse Kultur des Konfliktes", sagte Timmerevers. "Und ich glaube, da müssen wir als Christen mit der großen Langmut und der Beständigkeit dranbleiben. Das ist notwendig."

Mit aller Entschiedenheit widersprechen

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, plädierte dazu, dass Kirche für die Demonstrierende zum einen ein Gesprächspartner sein müsse. "Und wir haben da, wo vereinfacht, verurteilt und Schuld billig zugewiesen wird oder wo sich wieder Antisemitismus breitmacht, mit aller Entschiedenheit zu widersprechen", sagte Stäblein im Interview dem "Tagesspiegel".

Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt betonte ebenfalls, dass die Kirche grundsätzlich das Gespräch mit allen Menschen suchen. "Wie sich solche Dialoge gestalten lassen, muss man natürlich gut überlegen. Auf jeden Fall ist es wichtig, Ängste anzusprechen", sagte sie der Sylter Rundschau.

(KNA)

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