Elizabeth Tower und Turmuhr des Westminster-Palastes in London
Elizabeth Tower und Turmuhr des Westminster-Palastes in London

13.04.2020

Verschwörer Guy Fawkes vor 450 Jahren geboren Ein gescheiterter katholischer Terrorist

​Mit Fässern voll Schwarzpulver wollten Verschwörer die Welt verändern. Der gescheiterte Anschlag auf das britische Parlament im Jahr 1605 hätte alles in den Schatten gestellt. Man benennt den Tag auch nach Guy Fawkes.

Jedes Jahr am 5. November werden in Großbritannien im Gedenken an einen Terroranschlag, der nicht stattgefunden hat, Feuer angezündet und Böller in die Luft gejagt. Dann ist "Bonfire Night"; man sammelt sich gemeinsam am Feuer. Das Geschehen wird, nach einem der Verschwörer, auch "Guy Fawkes Day" genannt. Fawkes, der am 13. April 1570, vor 450 Jahren, geboren wurde, war nicht das Gehirn des Anschlags. Aber weil man ihn bei der Aufdeckung vor den Pulverfässern antraf, wurde er zum Namensgeber.

Geplante Vernichtung der Eliten

Hätte die Gruppe katholischer Verschwörer Erfolg gehabt, wäre das Parlamentsgebäude in die Luft geflogen und im Umkreis von 42 Metern jedes Haus zerstört worden. Gleichzeitig wäre die Funktionselite des Königreichs ums Lebens gekommen: König Jakob I., seine Familie, die Parlamentsmitglieder, alle Bischöfe des Landes und ein Großteil des Hochadels. Denn für den 5. November 1605 war die feierliche Eröffnung des Parlaments geplant.

Doch dazu kam es nicht. Die Pläne flogen auf - und machten die wenigen Katholiken in England zu einer noch stärker marginalisierten und ausgegrenzten Gruppe als ohnehin schon seit der englischen Reformation. In der langen Regierungszeit Elizabeths I. (1558-1603) schritt die Protestantisierung des Landes deutlich voran. Die Katholiken mussten sich anpassen, wollten sie am öffentlichen Leben teilhaben, und ihren Glauben im Geheimen leben. Beim Tod Elizabeths I. war gerade noch ein knappes Prozent der Engländer katholisch.

Katholiken in der Minderheit

Papst Pius V. hatte 1570 mit seiner Exkommunikation der Königin und der Aufforderung, Elizabeth von ihrem Thron zu vertreiben, einen Brandbeschleuniger in eine schon angespannte Lage gegossen. Aus Katholiken wurden jetzt Staatsverräter und konnten als solche hingerichtet werden.

Und 1580 begannen die Jesuiten mit einer erhofften Rekatholisierung Englands; für jeden der Beteiligten ein Selbstmordunternehmen. Zwar ermöglichten die Jesuiten den Menschen, wieder an Gottesdiensten teilzunehmen. Aber: Wurden sie entdeckt, so drohte ihnen als Staatsfeinden der Tod: Folter, Vierteilen bei lebendigem Leib und/oder der Strick. Teilnehmer der Gottesdienste mussten mit Strafen bis zum Verlust von Eigentum und Leben rechnen.

Guy Fawkes kam aus dem katholischen Milieu, das nach außen kooperierte und nach innen versuchte, den Glauben zu leben. Die wenigen noch übrigen Katholiken kannten und halfen einander und heirateten gerne unter sich. Sich zu radikalisieren, war in diesem geschlossen Milieu schnell möglich.

Der Keller wird immer noch auf Sprengstoff untersucht

Eine Gruppe von Verschwörern um Guy (Guido) Fawkes und Robert (Robin) Gatesby wollte also mit einem großen Knall unter dem Verlust vieler Menschenleben der protestantischen Mehrheitsgesellschaft den Todesstoß versetzen. Jedoch verriet sie jemand; ohnehin waren schon die Spione des Staates hinter ihnen her. Die Verschwörer wurden gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet; Guy Fawkes am 31. Januar 1606.

Seither wird jedes Jahr bei der Eröffnung des Parlaments der Keller auf Sprengstoff überprüft - heute mehr als eine zeremonielle Erinnerung. Böse Zungen behaupten, Guy Fawkes sei der einzige Mensch gewesen, der je mit ehrlichen Absichten das Parlament betreten habe.

Der 5. November, der Tag des gescheiterten Anschlags, wurde zum nationalen Gedenktag des anglikanischen England. Später warf man, wenn antikatholische Gefühle wieder ein Ventil benötigten, auch eine als Papst verkleidete Strohpuppe ins Feuer. Heute ist allerdings Halloween erheblich beliebter als "Bonfire Night".

Guy Fawkes - Heute immer noch aktuell

Erst im 19. Jahrhundert konnten die Katholiken in England wieder am offiziellen Leben teilnehmen. Ihre Emanzipation 1829 brachte ihnen zusätzliche Rechte; und 1850 wurde die katholische Kirchenhierarchie in England wieder eingerichtet.

Wie präsent und doch unbekannt Guy Fawkes ist, zeigt sich an der Anonymous-Maske des Designers David Lloyd: Ursprünglich als stilisiertes Fawkes-Abbild gedacht, wurde die Maske über einen Comic zum Symbol des Protests: erst für die Occupy-Bewegung und Anonymous, mittlerweile auf der ganzen Welt.

(KNA)

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