Fouad Twal, Avi Primor und Berthold Wald (v.l.n.r.) im Jahr 2011
Fouad Twal, Avi Primor und Berthold Wald (v.l.n.r.) im Jahr 2011

08.04.2020

Der israelische Diplomat Avi Primor wird 85 Hauptsache Frieden

Von 1993 bis 1999 war Avi Primor der oberste Repräsentant seines Landes in Berlin. Auch im hohen Alter gilt er als eine der profiliertesten Stimmen im deutsch-israelischen Dialog. Nun begeht er seinen 85. Geburtstag.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avraham "Avi" Primor, gilt als eine der profiliertesten Stimmen im deutsch-israelischen Dialog und ist bis heute ein beliebter Gesprächspartner in Deutschland.

Gleichzeitig machte sich der Politikwissenschaftler und Publizist mit Sätzen wie "Die Mauer ist nur vorübergehend" und "Der Friedensprozess ist unumkehrbar" einen Namen als standhafter Verfechter einer Zweistaatenlösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt. Einst forderte er internationale Truppen im Westjordanland, um Israel Sicherheit für den Abzug von dort zu geben. Sogar deutsche Soldaten konnte er sich in Israel vorstellen. An diesem Mittwoch wird Primor 85 Jahre alt.

Positionen mit der Realität abgeglichen

1935 in Tel Aviv als Sohn einer deutschen Jüdin und eines Niederländers geboren, trat Primor 1961 in den diplomatischen Dienst Israels ein. Nach Stationen unter anderem in der Elfenbeinküste, Frankreich und Belgien und als Botschafter bei der EU vertrat er von 1993 bis 1999 die Interessen seines Landes in Deutschland.

Im Laufe seiner langen Karriere hat Primor immer wieder seine Positionen mit der Realität abgeglichen. Sah er anfangs noch die USA in der Federführung von Nahost-Initiativen, weil die EU für die Rolle noch nicht reif sei, bezeichnete er unlängst US-Präsident Donald Trumps Friedensplan als Fiktion.

Vertrat er noch zum 50. Gründungsjubiläum Israels 1995 die Ansicht, dass "gute Chancen" bestehen, "irgendwann Frieden zu schließen", sah er 20 Jahre später den Nahost-Konflikt an einem kritischen Punkt. Die Lage sei "so scharf wie nur menschlich möglich".

Vom Westen mangele es an "schmerzendem" Druck auf Israel von außen, glaubt Primor, der wachsende Angst vor und Hass auf Muslime und Araber zur Begründung heranzieht. Gleichzeitig gestand er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) von 2017 ein, dass "die offizielle Haltung der israelischen Regierung fast jede Kritik als Antisemitismus" wertet.

Auf diese Weise gehe man einer Auseinandersetzung mit der Kritik aus dem Weg und komme bei "einem bestimmten Publikum in Israel immer gut an".

Er äußerte zuletzt die Ansicht, der Antisemitismus in Deutschland und Europa habe in den vergangenen Jahren nicht zugenommen. Das ausgezeichnete deutsch-israelische Verhältnis sei vor allem auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zurückzuführen. Sie sei sehr zurückhaltend gegenüber der heutigen israelischen Politik, und dennoch sei sie "ganz pro Israel" und unterstützt die Regierung sowie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, obwohl sie ihn "nicht mag".

Anders als vielen israelischen Vertretern geht Primor dabei aber gerade die Kritik an Israels Politik im "Land der größten Freunde, Deutschland" nicht weit genug.

Rolle der Kirche im Nahost-Friedensprozess

Auch die Kirche könne eine größere Rolle im Nahost-Friedensprozess spielen, da Christen "keine Feinde und keine Gegner" sind, sondern das Vertrauen aller genießen, sagte er, als er 2007 in Tabgha von der Deutschen Bischofskonferenz mit der Bonifatiusmedaille, ihrer höchsten Ehrung, gewürdigt wurde.

Zu den weiteren zahlreichen Auszeichnungen, mit denen Deutschland und Europa den Einsatz Primors ehrten, zählen der "Merite Europeen in Gold" (1998), die "Berliner Friedensuhr", das Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband (beides 2003) oder der Friedenspreis der Stadt Osnabrück (2014 zusammen mit dem palästinensischen Politiker Abdallah Frangi).

Im eigenen Land kosteten ihn seine klaren Worte und Ansichten 1999 den Botschafterposten in Berlin. Der auswärtige Dienst müsse frei von jeglicher politischer Beteiligung bleiben, kritisierte der damalige israelische Außenminister Ariel Scharon Primor für ein Zeitungsinterview, in der dieser die Demokratiefähigkeit der Schas-Partei in Frage gestellt hatte.

In einem seltenen Schritt entschied sich Scharon, Primors Ernennung nicht zu erneuern. Auch die Unruhe, die die Maßnahme gegen den Diplomaten im politischen System hervorriefen, änderte nichts.

Ein halbes Jahr später ging Primor altersbedingt als Diplomat in den Ruhestand und wurde Vizepräsident der Universität Tel Aviv. Das 2004 von ihm gegründete trilaterale Zentrum für Europäische Studien an der Privatuniversität "Interdisciplinary Center" (IDC) Herzliya, das mit Universitäten in Jordanien und Ost-Jerusalem kooperiert, ist seither sein Herzensanliegen.

Andrea Krogmann
(KNA)

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