Auf der Berlinale
Gedenken an Opfer von Hanau bei Berlinale-Empfang der Kirchen
Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart
Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart

24.02.2020

Gedenken an Opfer von Hanau bei Berlinale-Empfang der Kirchen "Das dürfen wir nicht hinnehmen"

Die beiden großen Kirchen haben bei ihrem Ökumenischen Empfang zur Berlinale der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. Erneut würden in unserer Gegenwart Wegsehen, Gleichgültigkeit und Hass mehr und mehr hoffähig, warnte Medienbischof Gebhard Fürst.

Die Schlüsse aus Auschwitz und dem Holocaust "sind für uns heilige Verpflichtung". Mit einer Schweigeminute setzten die evangelische und die katholische Kirche ein Zeichen gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Gewalt.

Zusammenleben mit allen Religionen und Kulturen

In Hanau hatte nach bisherigen Ermittlungen ein 43 Jahre alter Deutscher am späten Mittwochabend neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen, bevor er anschließend seine Mutter und sich selbst tötete. Der mutmaßliche Täter soll eine rassistische Gesinnung gehabt haben und psychisch krank gewesen sein.

Der Leiter des Filmkulturellen Zentrums der Evangelischen Kirche in Deutschland, Christian Engels, sagte, in der Gesellschaft breiteten sich Hass und Rassismus immer weiter aus. Minderheiten müssten sich immer stärker um ihre Sicherheit sorgen. "Das dürfen wir nicht hinnehmen", mahnte Engels. "Wir müssen klar sagen, dass wir mit allen Religionen, mit allen Kulturen, mit den verschiedensten sexuellen Prägungen, mit allen Menschen hier in diesem Land zusammenleben wollen." Die Mehrheit müsse immer dazu bereit sein, Minderheiten zu schützen.

Zugleich würdigte Fürst die Berlinale zu ihrem 70. Geburtstag als "konsequent, weise und mutig zugleich". Sie stelle sich den Herausforderungen ihrer Tradition und denen ihrer Zukunft, lobte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Das zeige auch die "verheißungsvolle Auswahl" der Produktionen in diesem Jahr.

Anregungen für den Umgang mit Herausforderungen

Filme böten kreative Anregungen zum Umgang mit aktuellen Herausforderungen wie Klima und Lebensstil, künstlicher Intelligenz oder dem Weg der Kirchen, sagte Fürst. Filme würden zum Erfahrungsraum, wenn sie "formal, ästhetisch und inhaltlich empathisch" seien. Durch Filme könnten wir "uns selbst für einen Moment nahekommen". Sie seien Resonanzräume.

Fürst würdigte zudem den neuesten Film der Regisseurin Caroline Link (55, "Der Junge muss an die frische Luft", "Nirgendwo in Afrika"), die Ehrengast des Empfangs war. Ihre Verfilmung des gleichnamigen Romans "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" von Judith Kerr öffne den Zugang zur Nazizeit durch die Perspektive auf Flucht, Vertreibung und Exil. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Kind, das mit seiner Familie vor den Nazis flieht. "Im unbefangenen Blick auf diesen Menschen und auf die Vergangenheit sehen wir mit Caroline Link auch genauer hin auf uns und auf die Gegenwart, auf Exil und Geflüchtete", sagte Fürst.

Die Kirchen vergeben traditionell bei der Berlinale auch Preise für Filme, die für spirituelle, menschliche und soziale Werte sensibilisieren. Der Ökumenischen Jury steht in diesem Jahr der Filmbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Roland Wicher, vor. Er ersetzt kurzfristig den erkrankten Filmemacher Paul de Silva aus Toronto (Kanada).

Alexander Riedel
(KNA)

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