Ein Boot mit 200 Flüchtlingen im Mittelmeer
Ein Boot mit 200 Flüchtlingen im Mittelmeer
Dariush Beigui, Preisträger des Menschenrechtspreises 2020 und Mitglied der Iuventa10
Dariush Beigui, Preisträger des Menschenrechtspreises 2020 und Mitglied der Iuventa10

22.02.2020

Menschenrechtspreisträger Beigui über Seenotrettung "Empathielosigkeit greift um sich"

Die Seenotrettungscrew "Iuventa10" erhält den Menschenrechtspreis von Amnesty International. Einer der Preisträger ist der Hamburger Binnenschiffer Dariush Beigui. Wegen seines Einsatzes auf dem Mittelmeer droht ihm jetzt eine Haftstrafe.

KNA: Herr Beigui, was macht der Preis für Ihr Engagement auf der "Iuventa" mit Ihnen und was bedeutet er für Ihre Arbeit als Seenotretter und Aktivist?

Dariush Beigui (Seenotretter und Hamburger Binnenschiffer): Ich bin eigentlich ein sehr schüchterner Mensch. Ich bin in der Tat nicht gewohnt, Preise zu bekommen. Diese Auszeichnung ist ein Statement für die ganze Seenotrettungsbewegung. Amnesty setzt damit ein klares Zeichen und sagt deutlich, dass Solidarität nicht kriminalisiert werden darf. Hoffentlich beeinflusst das auch den Mainstream in der europäischen Außenpolitik, der das, was wir täglich machen, infrage stellt. Mit diesem Preis sagt Amnesty ganz klar, dass es keine Diskussionen geben darf: Menschen in Not müssen wir retten.

KNA: Was ist dieser von Ihnen beschriebene politische Mainstream genau?

Beigui: Es gibt zwei Arten von Politik mit Blick auf Seenotrettung: Einerseits jene der europäischen Regierungen, die bewusst den Tod von Menschen in Kauf nehmen, in dem sie keine Rettungsmissionen betreiben. Staatlich betriebene Rettungsaktionen wurden verantwortungslos immer weiter runtergefahren und dann ganz eingestellt. Die regierenden Politiker wissen, dass Menschen in die Boote gehen und sich in Lebensgefahr begeben.

Zum anderen sehe ich in Europa einen flächendeckenden Rechtsruck. Ideologisches Gedankengut wird wieder attraktiver, und rechte Parteien kommen an die Macht oder sind es zum Teil schon. Empathielosigkeit greift um sich. Immer mehr Menschen wird es egal, wie es dem Rest der Welt geht.

KNA: Die italienische Justiz ermittelt seit Monaten wegen "Beihilfe zur unerlaubten Ein- und Durchreise und zum unerlaubten Aufenthalt" gegen Sie. Ihnen droht eine Gefängnisstrafe. Wie ist momentan Ihre persönliche Situation?

Beigui: Ich arbeite normal in meinem Beruf als Binnenschiffer am Hamburger Hafen weiter. Ansonsten bereiten wir uns als Gruppe auf einen anstehenden Prozess vor. Wir erwarten den Prozessbeginn noch in diesem Jahr. Deshalb versuchen wir, möglichst viel an die Öffentlichkeit zu bringen - halten Vorträge und gehen in die Medien. Die Gesellschaft muss wissen, was hier eigentlich gerade passiert - Solidarität wird kriminalisiert und das eben auch buchstäblich an Land.

KNA: Wie lassen sich der Berufsalltag und Ihre Arbeit als Aktivist und Rettungskapitän vereinbaren?

Beigui: Glücklicherweise ist mein Arbeitgeber gegenüber meinen Einsätzen auf dem Mittelmeer sehr wohlgesonnen. Während ich bei den Missionen war, habe ich meinen gesamten Jahresurlaub dafür einsetzen können. Mit einer Sonderregelung war es auch möglich, dass ich zusätzlich Überstunden dafür ansammeln konnte, um eben nicht nur sechs Wochen, sondern länger auf der "Iuventa" zu sein.

KNA: Bei Ihren Einsätzen haben Sie geholfen, mehrere Tausend Menschen zu retten. Wie läuft es ab, wenn die Crew ein Schlauchboot mit Flüchtlingen auf dem Meer treiben sieht?

Beigui: Routine dabei gibt es nicht. Wir sehen bei einer Erkundungsfahrt mit dem Fernglas ein Boot mit Geflüchteten und nehmen so schnell wie möglich Kurs darauf. Anschließend setzen wir unsere beiden kleinen Schnellboote ein. Das Wichtigste ist dann, dass alle Rettungswesten bekommen.

Wenn so ein Boot kentert, weiß ich aus eigener Erfahrung, dann ist das eine Frage von rund 15 bis 20 Minuten, dann sind 150 Menschen ertrunken. Die Frauen, Kinder und Männer haben sich davor teilweise bis zu 30 Stunden nicht bewegt und können nicht schwimmen. Selbst ein erfahrener Schwimmer bekommt dann Probleme. In 15er Gruppen kommen sie mit den Motorbooten an Bord der "Iuventa". Nach einer medizinischen Versorgung bringen wir die Geflüchteten meist weiter zu einem größeren Schiff, das sie an Land bringen kann. Die "Iuventa" ist dafür nämlich nicht gedacht.

Das Interview führte Christian Michael Hammer.
(KNA)

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