Menschen demonstrieren am Hermannplatz in Neukölln gegen rechten Terror.
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21.02.2020

Kommentar zum Anschlag in Hanau Wer Wind sät …

Wie konnte es zu dem Attentat in Hanau kommen? Viele Parteien üben Kritik an der rassistischen Rhetorik der AfD. DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen meint, es fängt immer mit der Sprache an, die einen verrät. Ein Kommentar.

Man kann der AfD doch nicht die Schuld für einen Irren in Hanau in die Schuhe schieben! Die Spitzenpolitiker der AfD waschen jetzt wieder ihre Hände in Unschuld. Wenn aber der AfD-Verband Augsburg noch während die Polizei die Toten zu identifizieren postet: "Deutschland auf dem Weg zum Mulitkultidrecksloch!", wird deutlich, wo das Problem liegt. Wer immer mit dem Feuer spielt, der braucht sich nicht wundern, wenn es irgendwann lichterloh brennt.

Seit Jahren hetzen Politiker am rechten Rand gegen Fremde und Flüchtlinge. Verantwortlich sei die Merkel-Politik, das "Pack müsse zurück nach Afrika geprügelt" werden, solche "Menschen müsse man entsorgen" … Es fängt immer mit der Sprache an, die einen verrät: "Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt und ausgemistet!"

Alle diese AfD-Aussagen sind belegbar. Wenn Gauland mit seiner Hundekrawatte droht: "Wir werden Merkel jagen!", setzt er ganz bewusst auf das Bild von Jagdhunden und einer Menschenjagd. Wenn Höcke vom "Denkmal der Schande!" spricht, hetzt er ganz bewusst gegen Juden und Verfolgte. Nein – die Gaulands und Höckes sind nicht die direkten Täter. Aber sie sind verantwortlich für ein Klima, in dem Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass prächtig gedeihen.

In weiten Teilen der Gesellschaft und leider auch am rechten Rand der Kirche wird man doch wohl sagen dürfen, dass Fremde bei uns auf Dauer keinen Platz haben? Dass Deutschland den Deutschen gehört? Nein, Christen dürfen das nicht sagen – für Sie gilt das Jesus-Wort: "Ich war Fremd – und Ihr habt mir Heimat gegeben" (Mt 25,35). Im christlichen Abendland muss man im Angesicht der Toten von Hanau klar und deutlich den Politikern und Wählern der AfD den Propheten Hosea vor Augen halten: "Den Wind säen sie und werden Sturm ernten!“ (Hos 8,7).

Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur

(DR)

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