Männer beten in einer türkischen Moschee in der Innenstadt von Hanau.
Männer beten in einer türkischen Moschee in der Innenstadt von Hanau.

21.02.2020

Kurdische Gemeinde zu den tödlichen Schüssen in Hanau "Es hätten auch christliche Aramäer sein können"

Zehn Menschen hat der Attentäter von Hanau getötet, unter ihnen sind auch Kurden. Die kurdische Gemeinde in Deutschland fordert lückenlose Aufklärung und bessere Sicherheitsmaßnahmen – aber nicht, weil die Mehrheit der Opfer Muslime waren.

DOMRADIO.DE: Wie war das gestern? Wie haben Sie den Tag in Hanau und die Mahnwache gestern Abend erlebt?

Mehmet Tanriverdi (Stellvertretender Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland): Ja, es waren unbeschreiblich bewegende Momente. Auf dem Hanauer Marktplatz waren Tausende gekommen um 18 Uhr. Davor waren wir am Heumarkt am Tatort vor einer Shisha-Bar. Kränze wurden niedergelegt, kurze Pressegespräche geführt und dann ging es um 18 Uhr auf den Marktplatz. Zuerst hat der Oberbürgermeister der Stadt Hanau, Herr Kaminsky, als Gastgeber gesprochen, danach sprachen der Ministerpräsident Hessens Volker Bouffier und anschließend Bundespräsident Steinmeier. Sie haben bewegende, warme und richtige Worte gesagt.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein war, als eine Cousine eines Getöteten aus dem Zuschauerraum vor der Bühne sagte: "Das macht alles meinen Cousin nicht lebendig." Es war schon traurig, es gab traurige Momente. Aber es war ganz wichtig, dass unsere Stadtspitze gestern in Hanau vertreten war, dass die Bundeskanzlerin klare Worte zu dieser schrecklichen Tat gesagt hat, sodass diese Attentate unsere Gesellschaft nicht kaputtmachen können. Wir können keinen Millimeter abweichen und wir müssen bereit sein, die Werte, die wir haben, zu verteidigen.

DOMRADIO.DE: Jetzt wird viel über den Täter gesprochen, aber auch über die Opfer. Der Spiegel schreibt, die Opfer kamen aus der Türkei, aus Rumänien, Bulgarien, Afghanistan/Deutschland und Bosnien-Herzegowina. Unter den Opfern seien auch mehrere Kurden, heißt es von ihnen als kurdischer Gemeinde. Auch die beiden Tatorte, die beiden Bars, gehören Kurden. Konnten Sie denn mit den Mitgliedern ihrer Gemeinde vor Ort sprechen?

Tanriverdi: Wir haben die Eltern zweier Opfer sprechen können. Es gibt in Hanau zwei kurdische Gemeinden, wo gestern auch Trauergäste empfangen wurden. Ein Vater war auch am Marktplatz von Hanau. Die Menschen sind schockiert. Wir sind alle fassungslos.

Die fragen sich: Warum wir? Die Antwort ist ganz klar: Dieser fremdenfeindliche Attentäter hat sich einfach anders aussehende Menschen ausgesucht. Nicht, weil es mehrheitlich Muslime waren, es hätten auch christliche Aramäer sein können, die auch in vielen Städten Shisha-Bars führen. Das waren halt zufällig Kurden, die anders aussehen. Der Staat und die Gesellschaft müssen mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen und Maßnahmen ergreifen, sodass ein Fall wie in Hanau nicht wieder passieren darf.

DOMRADIO.DE: Das wird ja jetzt auch schon diskutiert. Innenminister Seehofer hat angekündigt, die Polizeipräsenz im ganzen Land zu erhöhen. Ist das für Sie als kurdische Gemeinde und Ihrer Meinung nach der richtige Schritt?

Tanriverdi: Wenn der Bundesinnenminister Seehofer das ankündigt, ist das gut. Sowohl unser Bundesvorsitzender, aber auch einige andere Stimmen gestern sagten, die Maßnahmen, die gegen Linksextremismus in den 80er- und 90er-Jahren ergriffen wurden, sollte der Staat hier auch gegen Rechtsextremismus anwenden. Das ist schon richtig. Maßnahmen gegen rechtsterroristische Organisationen und auch gegen Teile der AfD müssen erfolgen. Wir können das einfach nicht zulassen, dass diese Kräfte unsere Gesellschaft teilen und kaputtmachen wollen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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