Am Tatort im Stadtteil Kesselstadt wurden Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt
Am Tatort im Stadtteil Kesselstadt wurden Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt
Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt
Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt

20.02.2020

Katholische Gemeinde über Gewalttat in Hanau "Eine Schockstarre"

Mehrere Menschen sind der Gewalttat in Hanau-Kesselstadt am Mittwochabend zum Opfer gefallen. Die örtliche St. Elisabeth-Gemeinde ist schockiert und bietet Seelsorge-Gespräche an. Darüber hinaus ist eine interreligiöse Mahnwache angedacht.

DOMRADIO.DE: Einer der beiden Tatorte ist direkt in der Nähe Ihrer Kirche St. Elisabeth in Hanau-Kesselstadt. Wie haben Sie von dem Unglück erfahren?

Andreas Weber (Hanauer Dechant und Pfarrer der Gemeinde St. Elisabeth): Wir haben das gemerkt durch den Hubschrauber, der in der Nacht im Einsatz war und haben das dann in den Morgenstunden auch erfahren über die Medien. Aber auch durch unterschiedliche Anrufe, darüber haben uns Leute gefragt. Aber wir haben eigentlich auch nur Informationen, die wir jetzt aus den Medien haben. Vor Ort haben wir von Menschen gehört, die dort wohnen. Sie waren schon hier und haben davon berichtet aus der Nachbarschaft. Das ist natürlich alles auch abgeriegelt. Ein Tatort gehört hier zu unserer Kirchengemeinde, der Kurt-Schumacher-Platz. Wenn man den Medien da folgen kann, gehört scheinbar auch der Wohnort des Täters hier zur Kirchengemeinde. Von daher sind von der Nachbarschaft ja viele Gläubige unserer Pfarrei auch betroffen. Der Heumarkt, wo der andere Tatort ist, ist die Nachbargemeinde. Das ist aber auch fußläufig erreichbar

DOMRADIO.DE: Wie sieht die Stimmung heute bei Ihnen in der Stadt aus? 

Weber: Die Menschen sind betroffen, auch ratlos und informieren sich, rufen einander an, auch bei uns. Wir haben schon unzählige Anrufe gehabt. Aber es ist halt auch so, dass wir alle noch nicht genau wissen, wie die Hintergründe sind. Wir wissen von den Opfern, auch von den Verletzten und von dem Täter. Aber was jetzt die Hintergründe sind, das bleibt alles noch im Dunkeln. Es gibt Vermutungen. Die Menschen sind betroffen, es ist wie so eine Schockstarre. Es ist auch eine Ruhe jetzt hier im Stadtteil. Die Tatorte sind abgeriegelt, man kommt auch nicht hin. Auch die Nachbarschule, in der wir auch Religionsunterricht geben, hat heute den Schulbetrieb eingestellt. Es gibt eine Versorgung für die Kinder und auch eine Kindertagesstätte ist in der Nähe. Die Stimmung ist ruhig, sehr gesammelt, aber auch sehr betroffen. Man spürt auch ein Stück Angst, dass nichts mehr weiter passiert. Die Sicherheitskräfte sind ja im Einsatz vor Ort, es gibt lange Schlangen von Polizeiautos. Die Menschen merken, dass sich die Ordnungsbehörden auch kümmern.

DOMRADIO.DE: Wie gehen Sie damit als Gemeinde und als Seelsorger um?

Weber: Wir sind natürlich offen. Wir haben uns von den pastoralen Mitarbeitern heute Zeit genommen für die Menschen. Bisher gab es nur telefonische Seelsorgegespräche. Wir werden auch in den Gottesdiensten der Anliegen gedenken, in denen Werktagsgottesdiensten, die ohnehin schon sind. Das werden wir von den katholischen Pfarreien aus tun. Sonst haben wir jetzt noch keinen Sondergottesdienst geplant. Wir haben zum Beispiel heute Abend Gottesdienst, wo das ein großes Thema sein wird und wir die Leute dann auch dazu einladen, auch über unsere Homepage. Wir sind auch in engem Kontakt zum Bistum. Der erste Anruf war heute morgen der vom Bischof. Bischof Gerber ist betroffenen und bringt das durch eine Stellungnahme und einem Kondolenzschreiben an die Stadt zum Ausdruck.

DOMRADIO.DE: Wie gehen Sie im Dialog mit den anderen Religionen in der Stadt damit um?

Weber: Wir haben hier den runden Tisch der Religionen, den es seit einigen Jahren gibt. Wir sind auch Gründungsmitglied, da planen wir auch auf kurzem Weg eine gemeinsame Stellungnahme und auch eine Mahnwache. Voraussichtlich heute Abend auf dem Marktplatz soll eine Mahnwache sein, eine spontane Mahnwache in der Innenstadt vor dem Rathaus. Das aber auch in Absprache mit dem Oberbürgermeister und auch mit der Stadt Hanau, wo wir eine gute Vernetzung vor Ort haben und zusammenhalten. Gerade der runde Tisch der Religionen ist, denke ich, ein geeignetes Gremium, auch weil da alle Religionen der Stadt vertreten sind. Wir wissen ja jetzt noch nicht genau die Hintergründe, wie die Motive für die schreckliche Tat waren. Von daher ist es gut, wenn alle Religionen auch gemeinsam Stellung beziehen oder zumindest zum Ausdruck bringen, dass wir ganz stark diese Gewaltäußerungen ablehnen.

Wir haben ja auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Da werden wir sicher auch gemeinsam überlegen, wie wir reagieren. Es ist jetzt alles noch sehr frisch. Man weiß, es kommen dauernd neue Nachrichten raus. Von daher ist erstmal auch ein Stück weit eine gewisse Ruhe geboten, sodass man guckt, wie sich das jetzt auch entwickelt. Hektik ist fehl am Platz und auch eine Panikmache letztlich. Die Panik ist schon groß genug durch diese schrecklichen Taten.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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