Union Jack zwischen EU-Fahnen
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01.02.2020

Die christlichen Kirchen im Vereinigten Königreich Große Unterschiede

Großbritannien verlässt die EU. Dazu ein letzter Blick auf die bunte konfessionelle Landkarte von England und Wales, Schottland und Nordirland.

Die einstige Kolonial- und Weltmacht Großbritannien vereint diverse Weltanschauungen. Unter den 66 Millionen Bewohnern stehen neben rund 25 Millionen anglikanischen, 10 Millionen anderen protestantischen und 6 Millionen katholischen Christen immer mehr Konfessions- und Religionslose zu Buche. Zudem gibt es ein bis vier Millionen Buddhisten, geschätzt drei Millionen Muslime sowie mehr als 800.000 Hindus, 420.000 Sikhs und 300.000 Juden.

Wie in allen westlichen Demokratien ist auch im Vereinigten Königreich eine starke Säkularisierung zu verzeichnen. Regional sind die konfessionellen Verhältnisse aus historischen Gründen von großen Unterschieden gekennzeichnet.

Im 16. Jahrhundert setzten sich protestantische Einflüsse durch 

Die Geschichte der einst mächtigen katholischen Kirche in England und Wales verzeichnet einen Bruch im 16. Jahrhundert, als sich König Heinrich VIII. 1533/34 von Rom lossagte und eine "anglikanische" Staatskirche mit sich selbst als Oberhaupt etablierte. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre; später setzten sich protestantische Einflüsse durch.

Die Katholiken waren fortan eine lange verfolgte und verachtete Minderheit, die sich zumeist aus armen irischen Einwanderern und aus der Arbeiterschicht rekrutierte. Erst mit dem sogenannten Catholic Relief Act von 1791 durften sie im gesamten Vereinigten Königreich wieder Gottesdienst feiern, Religionsunterricht abhalten und unauffällige Kirchen bauen. 1850 wurde eine katholische Hierarchie mit Bischöfen wiedererrichtet.

In England zeichnete sich die katholische Kirche vor allem durch ihr soziales Engagement aus. Auch dank italienischer, polnischer und afrikanischer Immigranten gibt es lokale Hochburgen vor allem im Großraum London.

Karfreitagsabkommen von 1998 sichert den Frieden in Nordirland 

Nordirland gehört zwar politisch zum Vereinigten Königreich; die katholische Kirchenhierarchie zählt allerdings mit zum stark katholisch geprägten Irland. In Nordirland prallen die konfessionellen Gegensätze besonders hart aufeinander. Sie mündeten in den 1970er Jahren in einen blutigen, rund 30 Jahre dauernden Bürgerkrieg, der schließlich im Karfreitagsabkommen von 1998 überwunden wurde, auch mithilfe der Kirchen.

Die Spannungen dauern allerdings unterschwellig an. Noch heute werden am Abend die Tore an den sogenannten Peace Walls von Belfast geschlossen, um katholische und protestantische Problemviertel voneinander zu trennen. Und noch immer gibt es die martialischen Malereien an Privathäusern, die in leuchtenden Farben die vermeintlichen Märtyrer des Bürgerkriegs und ihre Waffen verherrlichen.

Der katholische Bevölkerungsanteil in Nordirland ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Schätzungen zufolge könnten Katholiken schon bald wieder die Bevölkerungsmehrheit stellen. Es gibt Rückschläge, unversöhnliche Haltungen, schwierige Regierungsbildungen, vereinzelt sogar Bombenexplosionen. Doch zumindest bis zum Brexit hat das Karfreitagsabkommen von 1998 den Frieden gewährleisten können. Durch das britische Nordirland und Irland verläuft nun die EU-Außengrenze.

Einführung der Reformation zog sich lange hin 

Der Gegensatz zwischen Schottland und England hat tiefe kulturelle und auch religiöse Wurzeln. In Schottland, das erst 1707 mit England und Wales zum britischen Königreich vereinigt wurde, war die Reformation überwiegend religiös, nicht politisch motiviert. Hauptakteur dort war John Knox (1514-1572), der für Schottland eine presbyterianische, nicht anglikanische Kirchenverfassung durchsetzte. Die "Church of Scotland" ist also, anders als die "Church of England", nicht anglikanisch, sondern presbyterianisch-reformiert.

Die Einführung der Reformation zog sich lange hin und war bis Mitte des 18. Jahrhunderts von blutigen Aufständen der sogenannten Jakobiten gekennzeichnet. Zu ihnen, die für das Königshaus der Stuarts kämpften, gehörten auch die katholisch gebliebenen "Highlander", die in traditionellen Clans organisiert waren. Am Ende unterlagen sie der militärischen Übermacht der Engländer. Nach der Niederschlagung 1745 ging die englische Krone mit großer Härte gegen die verbleibenden Anhänger der Jakobiten vor. Sie verboten den Highlandern unter anderem das Waffentragen und die Pflege der gälischen Kultur.

Laut Volkszählung von 2011 bekannten sich knapp 54 Prozent der schottischen Bevölkerung zum Christentum. Die reformierte Nationalkirche war demnach die stärkste Konfession mit rund 32 Prozent, die katholische Kirche die zweitstärkste mit 16 Prozent; sie profitiert von Einwanderung aus Polen, Italien und Litauen. Eine relative katholische Hochburg ist Glasgow mit einem Anteil von damals rund 25 Prozent.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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