Kein Shopping am Karfreitag und Ostermontag
Shoppen auch am Sonntag?

31.01.2020

Kirchen gegen Grundgesetzänderung für mehr Sonntagsverkauf Sonntagsruhe wichtig für Gesellschaft

Weil immer mehr Einzelhandelsläden schließen, fordert der Handelsverband eine Grundgesetzänderung, damit verkaufsoffene Sonntage leichter möglich werden. Shoppen statt Sonntagsruhe? Die Kirchen sind dagegen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert eine Grundgesetzänderung, um verkaufsoffene Sonntage in Zukunft leichter zu ermöglichen. "Die darin verankerten Vorschriften stammen letztlich noch aus der Zeit der Weimarer Republik. Und die lassen reflexartige Klagen von Kirchen und Gewerkschaften zu, mit denen die Städte seit Monaten überhäuft werden. Die Zeiten haben sich aber geändert - und die Menschen auch", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser der Tageszeitung "Die Welt" an diesem Freitag. Die Politik müsse daher den "Anlassbezug" aus dem Gesetz herausnehmen. Alles andere treibe den Niedergang der Innenstädte weiter voran.

Gegen Ladensterben

Rund 40.000 Einzelhandelsgeschäfte seien zwischen 2010 und 2019 bereits verschwunden, das zeige eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung (IfH) aus Köln. "Dieses Ladensterben dürfte sich in den kommenden Jahren weiterhin rasant fortsetzen, vor allem in den Klein- und Mittelstädten", so Sanktjohanser.

Kollektive Arbeitsunterbrechung

Die Kirchen wehren sich nicht nur aus Angst um den Gottesdienstbesuch gegen eine Öffnung des verfassungsmäßigen Sonntagsschutzes über die bisher geltenden anlassbezogenen Ausnahmen hinaus. Unter anderem sei der Sonntag als Tag der kollektiven Arbeitsunterbrechung ein wichtiges Element der Lebenskultur, argumentieren sie. Zudem gingen Freiräume für ehrenamtliches Engagement verloren.

"Erhalt unserer Gesellschaft"

Der Respekt vor der Sonntagsruhe trage zudem "wesentlich zum Erhalt unserer Gesellschaft" bei. Mit einer weiteren Aufweichung des Sonntagsschutzes vollziehe sich eine "zunehmende wirtschaftliche Verzweckung aller Lebensbereiche". Der kulturelle Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe müsse um der Menschen willen erhalten bleiben und der Mensch "im Mittelpunkt des Wirtschaftens" stehen.

(KNA)

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