Kirchliche Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen
Kirchliche Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen

19.01.2020

Christliche Arbeiterjugend fordert kirchliche Position gegen Rechts "Wir müssen offene Worte und klare Positionen finden"

Die Kirche muss einen Umgang mit Rechtsextremismus in der Gesellschaft finden, fordert die Christliche Arbeiterjugend. Ausdrücklich bezieht sie auch die AfD mit ein, die der „Normalisierung von rassistischer Gewalt und Antisemitismus Vorschub“ leiste.

DOMRADIO.DE: Auf welche Weise werden kirchliche Gruppen von Rechten, von der AfD, bedroht?

Christoph Holbein (Geistlicher Leiter der Christlichen Arbeiterjugend Deutschland e.V.): Was uns ganz wichtig war auf der Tagung, das ja in erster Linie vor allem auch viele Menschen unter Rassismus leiden. Das sind erst einmal die Betroffenen, die unter Sexismus oder Antisemitismus leiden. Es sind ganz viele Gruppen unmittelbar von Rassismus und Hetze in ihrem Alltag betroffen. Sie haben Angst, beispielsweise an bestimmte Orte zu gehen. Das war etwas, das wir in die Tagung stark mit rein genommen haben.

Und dann gibt es eben kirchliche Gruppen, die – wenn sie sich klar positionieren – auch angegriffen werden. Das ist beispielsweise auch passiert, als wir in der Christlichen Arbeiterjugend eine Auseinandersetzung mit einem AfD-Mitglied hatten, der dann das Ganze an die Medien gebracht hat. Da kamen uns Social-Media-Hasstiraden entgegen, mit denen wir umgehen mussten.

DOMRADIO.DE: Haben Sie diese Beispiele am Wochenende auch offen angesprochen?

Holbein: Ja, es gab immer wieder Berichte, wissenschaftliche Publikationen und öffentliche Stellungnahmen, wo Menschen davon erzählt haben, wie sie wirklich über Monate damit umgehen mussten. Sie müssen eine gute Strategie und einen guten Umgang damit finden, wenn sie selber dort rein geraten.

DOMRADIO.DE: Wie sieht denn dieser gute Umgang aus? Man sagt ja immer, man muss Haltung zeigen. Aber wenn die Angst mitspielt, weil die Bedrohung beispielsweise zu massiv ist, dann ist das nicht so leicht, Flagge zu zeigen.

Holbein: Das erste ist, dass wir da rauskommen müssen, dass wir als Einzelkämpfer in der Situation sind.

Es geht darum, dass wir gerade auch als Kirche eine gemeinsame Position entwickeln – auch in den Gemeinden vor Ort – und uns darüber verständigen, was sind denn unsere Ideale des Zusammenlebens? Wofür stehen wir gemeinsam ein? Das solidarisiert erstmal und ermöglicht, gemeinsam darauf zu reagieren und sich dabei zu unterstützen.

Das Erste ist einfach ein Gespräch darüber, wie verstehen wir uns als Kirche? Das haben wir versucht auf dieser Tagung zu machen. Es geht weiter darum, den eigenen Standpunkt auch klar zu vertreten und darauf hinzuweisen, dass beispielsweise gerade die AfD – selbst dann, wenn sie bürgerlich wirkt – der Normalisierung von rassistischer Gewalt, von Sexismus und Antisemitismus Vorschub leistet.

DOMRADIO.DE: Unter AfD-Mitgliedern sind auch katholische Christen. Wie sieht denn dann die Auseinandersetzung aus?

Holbein: Wichtig ist es da sicherlich, je nachdem, in welcher Situation ich bin, dass die Auseinandersetzung unterschiedlich ist. Das heißt, wenn ich eine öffentliche Veranstaltung habe, würde ich sagen, geht es auch darum der AfD kein öffentliches Podium zu geben, damit wir einfach zeigen, dass das aus unserer christlicher Sicht nicht geht.

Wenn ich in der Gemeinde eine Person habe, die der Partei zuneigt, ist es natürlich so, dass ich die Person nicht aus der Gemeinde ausschließen kann. Das geht nicht. Aber es geht schon darum, gemeinsam zu zeigen, dass diese rassistischen Positionen nicht mit der Haltung der Kirche und der Christen und Christinnen vereinbar sind.

DOMRADIO.DE: Gab es auch eine theologische Dimension, die Sie diskutiert haben?

Holbein: Worüber wir viel gesprochen haben, ist die Vision, dass es eine Einheit der Menschheit gibt. Das ist eine Vision, die im Begriff "Reich Gottes" stark enthalten ist. Die Vision, dass alle Menschen, auch wenn Sie das nicht komplett bewirken können, letztlich zusammengehören. Und diese Einheit der Menschheit, das ist das Ideal, das wir weiter hoch halten müssen und wofür wir ganz viel tun können. Auch das muss sich in unserem praktischen Tun zeigen.

An diesen Stellen, wo diese Spaltungen zwischen den Menschen ins Spiel kommen, gilt es unsere Visionen entgegenzuhalten. Ich glaube, dass die Auseinandersetzungen darüber ganz wichtig sind. Da geht es nicht nur darum zu warten, dass nur die Bischöfe sich äußern, sondern das diese Auseinandersetzungen auch wirklich vor Ort stattfinden und wir eine klare Position haben. Wir sollten nicht unvorbereitet getroffen werden. Wo werden unsere Ideale sichtbar, um dann auch gar nicht attraktiv zu sein für Menschen, die Rassismus, Antisemitismus und Sexismus vorantreiben.

DOMRADIO.DE: Wie kann das konkret gehen?

Holbein: Wir müssen offene Worte und klare Positionen finden, um gemeinsam Stellung zu beziehen. Das heißt in den Gottesdiensten, aber auch in den Gesprächen, die wir haben. Das ist unerlässlich. 

Das Interview führte Andreas Lange.

(DR)

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