3. Kongress der "SPV - Die Grünen", 12.01.1980 in Karlsruhe
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Grünen-Bundesparteitag
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Robert Habeck (l.) und Reinhard Kardinal Marx
Robert Habeck (l.) und Reinhard Kardinal Marx

12.01.2020

40 Jahre Grüne - Antikirchliche Töne sind leiser geworden Die Rede vom zerschnittenen Tischtuch ist längst Geschichte

Vor allem der Protest gegen die Umweltzerstörung führte zur Gründung der Grünen. Deren zunächst sehr antikirchlichen Töne sind im Laufe der Jahre leiser geworden. Nun wird die Partei 40 Jahre alt.

Aus den Anfangsjahren der Grünen bleiben die Bilder strickender Frauen und langhaariger Männer in Norweger-Pullis in Erinnerung, dazu Anti-Atomkraft-Sticker und Sonnenblumen im Bundestag. Und endlose Richtungsdiskussionen auf Parteitagen. Der erste fand vor 40 Jahren, am 12. und 13. Januar 1980, in Karlsruhe statt.

Ein immer wieder umstrittenes Thema war das Verhältnis der Partei zur katholischen Kirche. Es blieb lange sehr gespannt: Die Bischöfe prangerten etwa die liberale Haltung der Grünen zur Abtreibung an. Dagegen zogen beide Seiten in Fragen von Entwicklungshilfe und Flüchtlingspolitik von jeher oft an einem Strang. Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag bei der Jubiläumsfeier der Partei spricht, werden wohl auch Kirchenvertreter zu den Gratulanten gehören.

Wie ein "Hassprediger"?

Dabei hatten hochrangige Geistliche wie der Kölner Kardinal Joseph Höffner die Grünen in den 1980er-Jahren unter anderem wegen ihrer Forderung nach völliger Freigabe der Abtreibung als für Katholiken unwählbar erklärt. Zum geflügelten Wort wurde die Aussage des damaligen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Maier (CSU), von 1986, das Tischtuch zwischen Grünen und katholischer Kirche sei zerschnitten.

Grünen-Politiker wurden bis 1990 nicht zu Katholikentagen eingeladen. Und noch 2007 lieferten sich der Grüne Volker Beck und der Kölner Kardinal Joachim Meisner heftige Wortgefechte, die in Becks Vorwurf gipfelten, Meisner agiere wie ein "Hassprediger". Als 2011 Papst Benedikt XVI. im Bundestag sprach, gab es Proteste einiger Politiker der Linken und eben auch der Grünen.

Die schärfsten Kritiker

All das hinderte Katholiken jedoch nicht, sich seit der Gründung bei den Grünen zu engagieren. Mit Christa Nickels saß bereits in den 1980er-Jahren eine bekennende Katholikin für die Partei im Bundestag. Durch den Zusammenschluss mit der ostdeutschen Partei Bündnis 90, die sich vor 30 Jahren im Februar 1990 gründete, kamen in den Folgejahren profilierte Protestanten wie die spätere Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und Katrin Göring-Eckardt zu den Grünen.

Deren Grundsatzprogramm von 2002 würdigt in der Präambel den Beitrag auch von Christen zur Entstehung der Partei. Dort wird zudem betont, dass die Grünen die Kirchen in vielen Fragen als "wertvolle Bündnispartner" erlebt hätten.

2010 gehörten Grünen-Vertreter wie die Bundestagsabgeordnete Renate Künast nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche zu den schärfsten Kritikern - bis die Partei 2013 selbst massive Fehler im Umgang mit sexualisierter Gewalt einräumen musste. Vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren hatte sie pädosexuelle Strömungen in den eigenen Reihen zumindest teilweise toleriert.

Bewahrung der Schöpfung und Sozialpolitik

2016 legten die Grünen bei ihrem Parteitag in Münster schließlich ein religionspolitisches Papier vor, das die Delegierten mit großer Mehrheit verabschiedeten. Fast zwei Jahre lang hatte sich eine Kommission unter Vorsitz der Katholikin Bettina Jarasch mit der Frage beschäftigt, ob das staatliche Verhältnis zu Religionen mit Blick auf die wachsende Bedeutung nicht-christlicher Religionen sowie die steigende Zahl konfessionsloser Menschen neu austariert werden müsse.

Im Vergleich zu den Anfangsjahren fällt die Kritik an kirchlichen Strukturen in dem Papier eher mild aus: Bemängelt werden etwa das kirchliche Arbeitsrecht, das unter anderem kein Streikrecht vorsieht, sowie die Staatsleistungen an die großen Kirchen. Letztere müssten abgelöst werden, zugleich gibt sich die Partei aber realistisch: Angesichts der großen Summen, um die es gehe, sei dieser Weg schwierig.

Zuletzt kamen Spitzenvertreter der katholischen Kirche und der Grünen im vergangenen Juni zusammen. In Berlin trafen sich unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und Grünen-Chef Robert Habeck, der sich selbst als säkularer Christ bezeichnet. Sie sprachen im Anschluss von beachtlichen Schnittmengen: Neben der Flüchtlingspolitik decken sich danach in weiteren zentralen Fragen wie der Bewahrung der Schöpfung und der Sozialpolitik viele Positionen.

Birgit Wilke
(KNA)

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