SPD-Urgestein Erhard Eppler ist tot
SPD-Urgestein Erhard Eppler ist tot
Württembergischer Landesbischof Frank Otfried July
Württembergischer Landesbischof Frank Otfried July

19.10.2019

Zum Tod des SPD-Politikers Erhard Eppler Der Gewissenhafte

Sein Leben umfasste beinahe ein ganzes Jahrhundert. Jetzt ist der Politiker Erhard Eppler 92-jährig gestorben. Erinnerungen an einen manchmal unbequemen Mahner, der sich bis zuletzt treu blieb.

Evangelischer Kirchentag 2015 in Stuttgart. Ein drahtiger Mann betritt das Podium im Beethovensaal der Liederhalle - aufrechten Ganges, obwohl er da schon 88 Jahre alt ist. Als Erhard Eppler seine "Bibelarbeit" beginnt - eine beliebte Übung bei den protestantischen Glaubenstreffen - kann man eine Stecknadel fallen hören.

Am Ende erhebt sich das Publikum und spendet minutenlang Beifall. Applaus für einen, der es ernst meinte: mit seinem Dasein als Politiker, mit seinen Überzeugungen, aber auch mit seinen Fragen an den eigenen Glauben. An diesem Samstag starb Eppler im Alter von 92 Jahren in seinem Wohnort Schwäbisch-Hall, wie die SPD Baden-Württemberg am selben Tag mitteilte

Einer der prägenden Köpfe der "Bonner Republik"

Mit ihm geht einer der prägenden Köpfe der "Bonner Republik" - und seiner Partei, der SPD. Lange galt er als ihr Vordenker und Gewissen.

Bis zuletzt mischte er in politischen Debatten mit, gab den mitunter unbequemen Mahner, lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Flüchtlingspolitik, warnte davor, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verteufeln, oder rief seine Sozialdemokraten zu einem entschlosseneren Auftreten gegen Egoismus und Neoliberalismus auf.

Der Mann mit dem markanten Bart zeigte Profil und blieb am Ball - über die Aufgeregtheiten des politischen Tagesgeschäfts hinaus.

Eppler gehörte wie Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher zu jenen Politikern im damaligen Westdeutschland, die als junge Männer noch im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten. Er habe deswegen seine Probleme mit dem Spruch "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", bekannte Eppler. "Ich habe erfahren, wie es ist, zu früh zu kommen."

Das Kriegsende hielt für den damals 18-Jährigen zwei Botschaften parat. "Da war zuerst das dankbare Staunen darüber, dass die Natur, der Frühling, die Wiesen und Wälder, sich überhaupt nicht darum kümmerten, dass in diesen Momenten, zusammen mit einem Regime, das die halbe Welt herausgefordert hatte, das Deutsche Reich zu Bruch ging." Zweitens: "Politik entschied über die Zukunft." Eppler führte in den Jahrzehnten darauf beides zusammen: den politische Einsatz und das Engagement für die Friedens- und Ökobewegung.

Arbeit als Entwicklungsminister

Exemplarisch zeigte er das in seiner Arbeit als Entwicklungsminister von 1968 an. Lange bevor das Thema auf der politischen Agenda stand, machte sich Eppler für Kleinbauern in Afrika stark. Zugleich kümmerte er sich um die Erweiterung der finanziellen Spielräume seines Ministeriums und brachte den Gedanken des Umweltschutzes in die Debatte ein. Eppler eckte an beim Establishment - in den beiden großen Kirchen sah er dagegen seine "verlässlichsten Stützen".

Als "visionär" und "fordernd" beschreiben Weggefährten den Stil des Ministers. "Niemand im Hause konnte Eppler Redeentwürfe liefern, die seinen Vorstellungen auch nur annähernd entsprachen", so Büroleiter Gunther Huonker. "Das gab nur Ärger. Große Reden hat er gleich selbst geschrieben." Als Helmut Schmidt 1974 auf Willy Brandt als Bundeskanzler folgte, kam es zum Zerwürfnis unter Parteifreunden.

Weil Schmidt den Entwicklungsetat gründlich zusammenstreichen ließ, gab Eppler sein Amt ab.

Eppler ging voran

Es blieben Risse zwischen dem selbsternannten Realpolitiker Schmidt und dem von SPD-Urgestein Herbert Wehner spöttisch als "Pietcong" bezeichneten Idealisten Eppler aus dem pietistischen "Bibelgürtel" um Stuttgart herum. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre unterstützte Eppler die Proteste gegen den von Schmidt initiierten Nato-Doppelbeschluss, wurde zu einer Galionsfigur der Friedensbewegung.

In der Schmollecke richtete er sich allerdings nie häuslich ein. Von 1975 bis 1991 leitete Eppler die Grundwertekommission der SPD, war Mitglied im Präsidium und stellte nach Kontakten mit den DDR-Oberen 1987 das erste gemeinsame Grundsatzpapier von Sozialdemokraten und Kommunisten vor - als an die Wende noch kein Denken war. 2018 stellte er sein Buch "Trump - und was tun wir?" vor. Bei einer entsprechenden Veranstaltung in Bonn sagte er über den US-Präsidenten: "Ich glaube, er ist eine ziemlich einfach gestrickte Figur."

Eppler ging voran, aber hob nicht ab. Seinen Zuhörern einst in Stuttgart gab er mit auf den Weg: "Wir werden klüger, wenn wir mit unserer Eitelkeit fertig werden und die Grenzen unserer Fähigkeiten erkennen."

Joachim Heinz
(KNA)

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