Landesbischof Carsten Rentzing
Landesbischof Carsten Rentzing

15.10.2019

Aufarbeitung in sächsischer Landeskirche gefordert Nach Rücktrittsgesuch von Rentzing

Nach der Rücktrittsankündigung von Sachsens evangelischem Landesbischof Carsten Rentzing beginnt in der Landeskirche die Aufarbeitung. Ein Leipziger Pfarrer fordert weiter eine Distanzierung des Bischofs von dessen Vergangenheit.

Nach der Rücktrittsankündigung von Sachsens evangelischem Landesbischof Carsten Rentzing wünscht sich der Leipziger Pfarrer Frank Martin eine intensive Aufarbeitung. "Wir müssen als Landeskirche sehen, wie wir mit der Sache umgehen und wie wir uns in der gesellschaftlichen Debatte neu aufstellen", sagte Martin am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Leipzig. "Gerade auch mit Blick auf die rechtsnationalen Tendenzen im sächsischen Landtag müssten wir deutlicher Stellung beziehen", erklärte er.

Vergangenheit Rentzings wurde nicht überprüft

Martin gehört zu einer Gruppe von Pfarrern, die Rentzing Ende September in einer Online-Petition zu einer Distanzierung "von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien" und von der Neuen Rechten aufgefordert hatte. Hintergrund war unter anderem ein Vortrag Rentzings in der Berliner "Bibliothek des Konservatismus" 2013, die dem Umfeld der Bewegung zugerechnet wird. Weiter forderten die Autoren eine Erklärung, warum Rentzing bis heute Mitglied in einer schlagenden Studentenverbindung ist.

Landeskirchensprecher Matthias Oelke sagte dem epd am Montag, weder Rentzings Vergangenheit noch die seiner drei Mitbewerber seien im Zuge der Bischofswahl 2015 gesondert überprüft worden. Rentzings Lebenslauf mit Theologiestudium und langjährigem Pfarramt im Erzgebirge habe dazu auch keinerlei Anlass gegeben. In dem Bewerbungsprozess sei es "in erster Linie um die Gegenwart und um die Zukunft von Kirche" gegangen, sagte Oelke.

Rentzing hatte überraschend seinen Rücktritt angekündigt

Kritiker Martin sagte, er halte es für "sehr problematisch", wenn nun in konservativen Kirchenkreisen kolportiert werde, Rentzing sei "ein Paulus". "Paulus hat sich von seiner Vergangenheit getrennt. Rentzing hat das nie getan", betonte Martin. Laut biblischer Überlieferung hatte sich die Figur des Saulus von einem Verfolger der ersten Christen zu dem erfolgreichen Missionar und Theologen Paulus gewandelt.

Am Freitag hatte Bischof Rentzing überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Er wolle Schaden von seiner Kirche abwenden, erklärte er und schrieb: "Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr." Tags darauf wurde bekannt, dass er als Student von 1989 bis 1992 Texte in der Zeitschrift "Fragmente" verfasst und das Blatt auch mit herausgegeben hat.

"Texte aus damaliger und heutiger Sicht unvertretbar"

Die Leitung der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens stufte die Texte als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" ein. Sie seien "aus damaliger und aus heutiger Sicht unvertretbar". Über eine rechtsextreme oder nationalistische Denkweise Rentzings sei bisher in der kirchlichen Öffentlichkeit nichts bekannt gewesen, erklärte die Landeskirche weiter. Umso "verstörender" seien die jetzt bekanntgewordenen Texte.

Der Bischof ist derzeit im Urlaub. Die Kirchenleitung will am 21. Oktober über weitere Schritte entscheiden. Formal bleibt Rentzing bis dahin im Amt. Seine Aufgaben übernimmt Stellvertreter Thilo Daniel. Rentzing steht seit Jahren immer wieder in der Kritik. Der als konservativ geltende Theologe lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab und wurde wiederholt dafür kritisiert, sich nicht deutlich zum Erstarken der AfD zu positionieren. 2015 war er von der Landessynode nur mit knapper Mehrheit zum Bischof gewählt worden.

(epd)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 19.10.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Coronavirus: Die aktuelle Lage in Deutschland und weltweit
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Leben auf der Straße - Wie geht kirchliche Hilfe in Corona-Zeiten?
  • Frankreich im Schock - Mordanschlag auf Lehrer wegen Mohammed-Karikaturen
  • Buchtipp - Vatikan-Thriller "Der letzte Feind"
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Leben auf der Straße - Wie geht kirchliche Hilfe in Corona-Zeiten?
  • Frankreich im Schock - Mordanschlag auf Lehrer wegen Mohammed-Karikaturen
  • Buchtipp - Vatikan-Thriller "Der letzte Feind"
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • 12. Integrationsgipfel - Caritas Deutschland im Gespräch
  • Carola Rackete bekommt den Karl-Küpper-Preis
  • Verein LebensWert - Plakatkampagne für Krebspatienten endet
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • 12. Integrationsgipfel - Caritas Deutschland im Gespräch
  • Carola Rackete bekommt den Karl-Küpper-Preis
  • Verein LebensWert - Plakatkampagne für Krebspatienten endet
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…