Erwin Teufel
Erwin Teufel
Erzbischof Stephan Burger
Erzbischof Stephan Burger

04.09.2019

Ex-Ministerpräsident und ZdK-Mitglied Erwin Teufel wird 80 Jahre Franziskus muss liefern

Erwin Teufel war von 1991 bis 2005 baden-württembergischer Ministerpräsident. Über Jahrzehnte gehörte der CDU-Politiker dem ZdK an. Zu seinem 80. Geburtstag an diesem Mittwoch spricht er über die Situation seiner Partei und seiner Kirche.

KNA: Wie sehen Sie die Entwicklung Ihrer Partei?

Erwin Teufel (CDU-Politiker, Früherer Ministerpräsident von Baden-Württemberg und früheres Mitglied im Zentralkomitee Deutscher Katholiken / ZdK): Konservative Parteien in vielen europäischen Ländern haben zuletzt starke Verluste erlitten oder sind wie die Democrazia Cristiana in Italien nach jahrzehntelanger Regierungsführung fast ganz verschwunden. Mich lassen die Stimmenverluste der CDU in Deutschland wahrlich nicht kalt. Trotzdem schaue ich nicht ängstlich in die Zukunft. Jeder politisch Verantwortliche muss mit den Rahmenbedingungen umgehen, die vorliegen.

KNA: Allerorten Populisten: Trump, Orban, Putin, Johnson, Conte, Salvini - in Deutschland die AfD. Was empfehlen Sie für den Umgang mit diesen Strömungen und Menschen?

Teufel: Mit Menschen sollten wir menschlich umgehen. Natürlich hat sich das Klima verändert. Aber wir können uns nicht die Zeit aussuchen, in die wir hineingestellt sind. Die entscheidende Aufgabe heißt: Wir müssen das Beste für die Menschen zu erreichen versuchen.

Lamentieren oder Furcht verbreiten - das macht keinen Sinn. Zum Thema Rechtsradikalismus gilt für mich die Erkenntnis: Rechtsradikale kommen in Deutschland nicht über fünf Prozent. Wenn sie mehr erreichen, liegt das an Protestverhalten. Dann müssen wir herausfinden: Was bewegt Menschen, die normalerweise keine radikale Partei wählen, es doch zu tun? Die demokratischen Parteien müssen die Probleme dieser Menschen lösen.

KNA: Themenwechsel. Schon vor Jahren haben Sie ein Buch über "Kirchliche Verzagtheit" geschrieben. Sehen Sie die überwunden?

Teufel: Nein, die Verzagtheit hat sich zur Gleichgültigkeit breiter Massen der Mitglieder entwickelt. Vor Jahren hätte ich mir nicht vorstellen könne, dass der Kirchenaustritt in den evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern zu einer Bewegung anwächst.

Und ein weiterer Rückgang steht bevor. Wir müssen damit rechnen, dass in den nächsten 10 oder 20 Jahren die Austritte weiter steigen werden. Das beschäftigt jeden, der Reformbedarf in seiner Kirche sieht.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil tut sich in der katholischen Kirche wenig. Was war das für eine Aufbruchsstimmung! Es gab nach dem Konzil eine Phase in meinem Leben, da war man stolz, katholisch zu sein. Wir haben diese Stimmung nicht halten können, weil wir das, was Papst Johannes XXIII. mutig begonnen hat, nicht weitergeführt haben. Er wollte frische Luft und die Fenster öffnen.

KNA: Jetzt plant die Bischofskonferenz einen "synodalen Weg". Was halten Sie davon?

Teufel: Sehr viel. Endlich arbeiten das ZdK, dem ich jahrzehntelang angehört habe, und die Deutsche Bischofskonferenz zusammen. Zumindest in ihrer großen Mehrheit. Jetzt wird analysiert, was wir als Teilkirche ändern können. Es geht darum, die katholische Kirche reformfähiger zu machen.

KNA: Allerdings halten sich die Möglichkeiten einer Teilkirche zu grundlegenden Änderungen sehr in Grenzen ...

Teufel: ... weil die Kirche in den vergangenen 150 Jahren immer stärker zentralisiert wurde. Zum Besten, was in den vergangenen Jahrzehnten für Staat und Kirche entwickelt wurde, gehört das Subsidiaritätsprinzip. Wir müssen vom Einzelnen her denken, dann von der Familie sowie von den kirchlichen und staatlichen Gemeinden. Erst das, wofür deren Kräfte nicht ausreichen, bedarf der Hilfe durch die Gesamtkirche oder das Land.

KNA: Für Aufsehen sorgen derzeit unter dem Motto Maria 2.0 Frauenproteste.

Teufel: Das ist ein ganz besonderes Thema. Was würde ohne Frauen aus der Kirche werden? In 99 Prozent aller Fälle hängt von ihnen ab, ob Kinder im Glauben erzogen werden. Frauen werden aber nicht als gleichberechtigt angesehen, obwohl Gott Menschen und nicht Männer erschaffen hat. Gleichberechtigung ist dringend nötig, es geht um Menschenrechte und nicht um Männerrechte. Als Kind habe ich nur einmal im Jahr erlebt, dass Frauen zur Mitarbeit aufgerufen wurden: zum Putzen der Kirche. Es geht einfach nicht, wie die Kirche mit Frauen umgeht.

KNA: Was erwarten Sie von der für Oktober geplanten Amazonas-Synode?

Teufel: Ich halte sie für sehr gut. Auch hier gilt: Subsidiarität fördern! Die Gemeinden und Teilkirchen müssen auf ihre je unterschiedlichen Situationen reagieren können.

KNA: Sind Sie mit dem Papst zufrieden?

Teufel: Franziskus hat große Hoffnungen ausgelöst. Ich habe mich außerordentlich gefreut, dass ein Mann aus Lateinamerika gewählt wurde. Das ist ein großer Fortschritt, fast ein Wunder. Aber er hat es in Rom sehr schwer.

KNA: Viele dort scheinen ihm Steine in den Weg legen zu wollen.

Teufel: Das stimmt. Andererseits: Mehr Kompetenzen kann ein Mensch nicht haben als die, die mit dem Amt des Papstes verbunden sind.

KNA: Heißt übersetzt: Er muss auch liefern.

Teufel: So ist es.

Das Interview führte Michael Jacquemain.

(KNA)

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