Anhänger der AfD verfolgen die Ergebnisse der Landtagswahl in Brandenburg
Anhänger der AfD verfolgen die Ergebnisse der Landtagswahl in Brandenburg
Markus Dröge
Bischof Markus Dröge

02.09.2019

Bischof Dröge alarmiert nach Brandenburg- und Sachsenwahl AfD-Erfolg im Osten: Hetze aus dem Westen?

Nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen wünscht sich Bischof Markus Dröge von seiner evangelischen Kirche mehr Gemeinwesen-Arbeit auf dem Land. Zu viele Menschen im Osten fühlten sich als Bürger zweiter Klasse.

DOMRADIO.DE: Die AfD hat deutlich an Stimmen dazu gewonnen. Warum, glauben Sie, ist die Partei dieses Mal so stark geworden in Brandenburg?

Bischof Markus Dröge (Geistlicher Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz): Die AfD hat natürlich extrem stark zugelegt. Aber was befürchtet worden ist, dass sie stärkste Partei werden könnte, das ist Gott sei Dank ausgeblieben. Das wäre ja auch eine - ich würde fast sagen - Katastrophe gewesen, weil sie dann den Parlamentspräsidenten gestellt hätte. Und das wäre für unsere demokratische Kultur ein ganz schlechtes Zeichen gewesen.

DOMRADIO.DE: Fühlt sich das für Sie am Tag danach auch so an, dass das große Beben erst mal ausgeblieben ist?

Dröge: Ich glaube, dass viele Bürgerinnen und Bürger in Brandenburg immer noch das Gefühl haben, wir hier in Ostdeutschland seien Bürger zweiter Klasse. Sie spüren, dass auch die Infrastruktur in der Fläche an vielen Stellen noch problematisch ist. Ich glaube, dass dieses Wahlergebnis ein dringender Aufruf ist, sich nun um diese Probleme zu kümmern. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass jetzt die Möglichkeit besteht, eine Koalition mit wirklich demokratisch überzeugten Parteien zu gründen und diese Probleme anzugehen: Strukturwandel in der Lausitz mit dem Ausstieg aus der Kohle, ärztliche Versorgung, Nahverkehr, schnelles Internet... Da muss vieles getan werden.

DOMRADIO.DE: In Brandenburg regiert die SPD seit rund 30 Jahren, die Wähler haben die rote Regierung jetzt ganz klar abgestraft. Aber eine gute Nachricht gibt es auch: Die Wahlbeteiligung war sehr stark. Sie lag in Sachsen bei 65,5 Prozent, in Brandenburg bei 60,5 Prozent. Was sagt Ihnen das?

Dröge: Zum einen muss man sagen, dass die SPD als die langjährige Regierungspartei in den vergangenen Tagen nochmal richtig zugelegt hat. Das ist auch ein gutes Zeichen, weil ich das Grundvertrauen, was viele Bürgerinnen und Bürger in die Politik haben, dann doch nicht so angegriffen worden ist, wie man befürchtet hat. Jetzt kommt es natürlich darauf an, dass die SPD als stärkste Partei eine Koalition zusammenstellen kann, die die diese Probleme angeht.

Es ist einerseits gut, dass die Probleme jetzt auf den Tisch kommen, mit denen viele Bürgerinnen und Bürger unzufrieden sind. Es ist andererseits traurig, dass sie dann denjenigen glauben, die mit Parolen Stimmung machen, statt wirklich konkrete Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Wir müssen ja auch bedenken, dass die Funktionäre der AfD fast alle aus dem Westen kommen. Es sind jetzt also wieder einmal "Wessis", die nun sogar in demagogischer Weise hier tätig werden.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet dieses Wahlergebnis jetzt für die Kirchen? In fast allen Wahlprogrammen spielten Kirche und Religion eine sehr, sehr untergeordnete Rolle.

Dröge: Der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, und ich hatten uns ja im Vorfeld engagiert und zur Wahl aufgerufen. Wir haben sehr deutlich gesagt, dass wir der Auffassung sind, man müsse die Kräfte stärken, die konstruktiv in unserer Demokratie Probleme lösen wollen.

Für mich als Leiter der evangelischen Kirche bedeutet das jetzt, dass wir weiterhin konstruktiv mithelfen müssen, in der Fläche präsent zu sein. Wir sind ja als evangelische Kirche immer noch die Institution, die in strukturschwachen Gebieten das engste Netz in der Fläche hat. Und ich möchte sehr gerne, dass wir auch mit unseren Dorfkirchen noch mehr gemeinwesenorientiert arbeiten.

Ich möchte, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Land schauen, dass das Leben in der Fläche weiterhin ein gutes Leben sein kann und dass diese Unzufriedenheit aufgefangen werden kann, auch dadurch, dass wir den Dialog mit den Menschen suchen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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