Christen zu Weihnachten unter Druck?
Christen unter Druck: Zerstörter Altar in einer syrischen Kirche
Professor Dr. Heribert Hirte
Professor Dr. Heribert Hirte

22.08.2019

CDU-Politiker zum Gedenktag für die Opfer religiöser Verfolgung "Wenn wir nicht reden, kommt es nicht ins Bewusstsein"

Kann ein Gedenktag für die Opfer religiöser Verfolgung wirklich etwas bewirken? CDU-Politiker Heribert Hirte ist davon überzeugt. Denn gerade in säkularen Ländern kann er das Gefühl vermitteln, mit welchen Problemen Religionen weltweit kämpfen.

DOMRADIO.DE: An wen oder welche Religionsgruppe denken Sie denn an so einem Gedenktag als erstes?

Prof. Dr. Heribert Hirte (CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des christlichen Stephanuskreises der Unionsfraktion): Natürlich denken wir als Christdemokraten in allererster Linie an die Christen. Aber es ist völlig wichtig und richtig zu sagen: Es geht nicht nur um die Christen, sondern religiöse Verfolgung ist ein Problem aller Religionen. Wir erleben es weltweit und haben ähnliche Situationen in der ganzen Welt.

DOMRADIO.DE: Warum werden immer häufiger religiöse Minderheiten verfolgt, wenn zugleich viele Gesellschaften immer säkularer werden?

Hirte: Das ist ein Widerspruch, den wir vor allen Dingen im Westen erleben, bei uns in Deutschland, aber auch in anderen westeuropäischen Ländern. Schon in den Vereinigten Staaten ist die Lage völlig anders. Ganz wichtig ist zu sehen, religiöse Verfolgung geht oft mit Verfolgung aus anderen Gründen einher. Einen verstärkenden Faktor, der auch die Aggressivität steigert, haben wir im Nahen Osten erlebt. Aber wir erleben es auch im Umgang mit den nationalen Minderheiten, die andere Religionen haben, und wir erleben es jetzt bei den Unruhen in Hongkong.

In vielen Ländern der Welt nimmt die Bedeutung religiöser Intoleranz und auch die Instrumentalisierung der Religion zu Lasten von Minderheiten zu. In anderen Ländern ist es so, dass das Bewusstsein dafür gar nicht da ist. Deshalb ist dieser neue Gedenktag so wichtig. Damit wieder mehr daran erinnert wird, welche Bedeutung dieses zentrale Element der Glaube für die Menschen hat.

DOMRADIO.DE: Der 22. August ist also jetzt das erste Mal Gedenktag für die Opfer religiöser Verfolgung. Warum hat man nicht früher die Idee gehabt?

Hirte: Das ist natürlich immer schwierig zu sagen. Wir haben die Religions- und Glaubensfreiheit als Menschenrecht in der Charta der Vereinten Nationen verankert. Aber schon da beginnen die Schwierigkeiten. Denn gerade die Frage des Glaubenswechsels wird nicht von allen Staaten, die Mitglied der Vereinten Nationen sind, anerkannt. Und da merken Sie, dass auch dieser Punkt überwunden werden muss.

Wir selbst haben mit daran gearbeitet, auch wir als die Unionsfraktion, ich persönlich im IPPFORB (International Panel of Parliamentarians for Freedom of Religion or Belief). Wir haben am Sitz der Vereinten Nationen vor einiger Zeit eine Konferenz gehalten, um dort Sensibilität herzustellen und die Vereinten Nationen in diese Richtung zu bewegen, die sie jetzt eingeschlagen haben.

DOMRADIO.DE: Nun gibt es Gedenktage für alles Mögliche. Ist die Gefahr nicht groß, dass es mit so einem Tag nur bei gut gemeinten Worten bleibt?

Hirte: Die Gefahr besteht. Völlig klar. Das ist bei all diesen Tagen so. Umgekehrt gilt, wenn wir nicht darüber reden, kommt es nicht ins Bewusstsein. Und es ist unsere Aufgabe, solche Tage als Anlass zu nehmen, darüber zu reden, wie wir das hier gerade tun. Denn Religionsfreiheit ist eine Frage des Glaubens, aber letztlich auch eine Frage der Meinung. Und deshalb ist der Tag als symbolische Meinungsäußerung von eminenter Bedeutung.

DOMRADIO.DE: Schauen wir mal auf die Politik: Setzen sich Politiker genug zum Schutz religiöser Minderheiten ein?

Hirte: Ich glaube, ja. Mit dem Regierungsbeauftragten für Internationale Religionsfreiheit haben wir jetzt dieselbe Lage wie in den Vereinigten Staaten, wo es ein Amt für Internationale Religionsfreiheit gibt. Damit sind wir schon deutliche Schritte gegangen. Und auch auf europäischer Ebene zeigt sich mit Ján Figeľ, dem Beauftragten für Internationale Religionsfreiheit, dass die Politik das auf dem Schirm hat. Gerade auch bei der großen Konferenz in Lindau, wo es um den Einsatz der Religionen für den Frieden geht und auch der Bundespräsident gesprochen hat.

In manchen Ländern sind Religionen auf dem Rückzug, gerade dort geht es darum, die Dimension der Religion zu begründen und den Menschen das Gefühl zu vermitteln, wie es in anderen Ländern der Welt aussieht, um das eigene Verständnis zu schärfen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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