Symbolbild: Kette mit Kreuz
Symbolbild: Kette mit Kreuz

22.08.2019

Vatikanzeitung kritisiert Umgang mit religiösen Symbolen Von Verärgerung bis Fetisch

Politiker instrumentalisieren vielfach religiöse Symbole oder lehnen sie ab. So zeigte sich der italienische Innenminister Salvini demonstrativ mit Rosenkranz. Der Direktor der Zeitung "Osservatore" sieht den Grund in mangelnder Bildung.

Italiens aktuelle Regierungskrise ist nach Ansicht der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" auch eine Folge davon, dass Politik und Kirche den Menschen zu wenig zuhören. Gleichzeitig sei die Debatte um den öffentlichen Gebrauch religiöser Symbole eine Folge mangelnder Bildung, schreibt der Direktor des "Osservatore", Andrea Monda, in einem Leitartikel am Donnerstag.

Er bezieht sich dabei auch auf die Debatte am Dienstag im Senat, bei der Ministerpräsident Giuseppe Conte (parteilos) Lega-Chef Matteo Salvini dessen demonstrative Verquickung religiöser Symbole mit politischen Slogans vorwarf.

Monda: Tatsächliche Bedeutung religiöser Symbole rückt in den Hintergrund

Man könne diese Debatte mit dem Hinweis Jesu beenden: "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut." Aber die Diskussion verweise auf ein anderes, tiefer gehendes Problem in der italienischen Gesellschaft, so Monda. Die Art und Weise, wie Religion "auf der 'hohen Ebene'" von Politik, Kulturbetrieb und Intellektuellen diskreditiert werde, habe "eine fast instinktive Reaktion" auf der Gegenseite hervorgerufen.

Der Direktor der Vatikan-Zeitung beobachtet eine Spaltung zwischen jenen, die religiöse Symbole "mit Verärgerung und Abneigung sehen und versuchen, sie aus dem gesellschaftlichen Leben zu vertreiben, und denen, die an diesen Symbolen als Fetisch mit starkem Identitätswert festhalten". Dabei werde die tatsächliche Bedeutung dieser traditionellen Symbole, die unter anderem einen und nicht spalten sollen, verraten, schreibt Monda.

Bildung nicht auf "Instruktion" verkürzen

Einen Grund für diese Entwicklung sieht der Autor auch in einer jahrzehntelangen pädagogischen Fehlentwicklung im Land. Erziehung und Bildung seien auf bloße "Instruktion" reduziert worden; die wiederum geschehe von Seiten der Politik wie der Kirche tendenziell von oben herab. Dabei wurde nach Aussage des Pädagogen Monda "vergessen, dass man, um erziehen zu können, wesentlich erst einmal zuhören muss. Dem Volk wurde nicht zugehört." An dieser Stelle brauche Italien einen Neuanfang.

(KNA)

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