Gebete und Mahnwache für die Opfer des Massakers in El Paso
Gebete und Mahnwache für die Opfer des Massakers in El Paso
Mahnwache für die Opfer des Massakers in El Paso
Mahnwache für die Opfer des Massakers in El Paso
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

05.08.2019

Trump, Waffen, Anschläge und die Katholiken "Er hat eine Menge Hass gefördert"

"Wir wollen den Hass ausrotten" - so reagierte US-Präsident Trump auf die Massaker in den USA. Doch er selbst befördere den Hass, so Kritiker. In den USA wird nun über Dinge wie schusssichere Schulranzen nachgedacht.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat am Wochenende für die Opfer gebetet. Die US-Bischöfe haben sich für schärfere Waffengesetze ausgesprochen. Was konkret haben Sie gefordert?

Klaus Prömpers (Journalist und langjähriger USA-Korrespondent): Sie haben eine Forderung wiederholt, die sie schon nach verschiedenen anderen Vorfällen geäußert haben. Beispielsweise im Jahr 2012. Nach dem Amoklauf an einer Grundschule in der Stadt Newtown im US-Bundesstaat Connecticut mit 26 getöteten Grundschülern und Lehrern. 

Nach vielen anderen Schießereien haben sie immer wieder gefordert, dass es schärfere Waffengesetze geben müsse. Gesetze, die wie Sie wörtlich sagen "diese soziale Krankheit, die unsere Nation befallen hat" beendet. Die US-Bischofskonferenz hat lange gefordert, dass verantwortungsvolle Waffengesetze nötig sind und die Ursachen dieser Gewalt untersucht werden. Hier ein Zitat: "Wir rufen den Präsidenten der USA und den Kongress auf, auf politische Einzelinteressen zu verzichten und bessere Wege zu finden, Leben zu schützen."

Diese Worte wurden am Sonntagmorgen nach der zweiten Attacke in Dayton, Ohio, veröffentlicht. Und zwar vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, dem Erzbischof von Galveston-Houston, Kardinal Daniel diNardo sowie dem Vorsitzenden der Menschenrechtskommission, Bischof Frank Joseph Dewane.

DOMRADIO.DE: 42 Prozent der amerikanischen Katholiken haben Donald Trump 2016 gewählt. Der US-Präsident ist bisher ein Gegner von strikteren Waffengesetzen. Werden denn alle Katholiken sich dem Aufruf der Bischöfe anschließen?

Prömpers: Es ist zu befürchten, dass sie das nicht tun werden. Sie werden zwar sicherlich für die Opfer beten, aber es werden nicht alle der Meinung der Bischofskonferenz zustimmen. Zwar hat der Bischof von Lexington, Kentucky, John Stowe getwittert: 'Mehr sinnlose Morde. Mehr weißer Nationalismus. Nun bessere Gesetze.' Und auch andere haben in dieser Richtung getwittert. Aber etliche Katholiken stehen auf der Seite der Republikaner und werden sich nicht der Forderung nach strengeren Waffengesetzen anschließen. Es gibt aktuelle Umfragen nach denen 37 Prozent der Katholiken generell den Republikanern zuneigen, 44 Prozent den Demokraten und 19 Prozent sich als unabhängig betrachten. Diese 37 Prozent und ein Teil der Unabhängigen werden sicherlich weiterhin darauf beharren, dass der Waffenbesitz und -gebrauch gemäß der Zweiten Ergänzung der amerikanischen Verfassung weiter frei bleiben muss.

DOMRADIO.DE: Diese Forderung nach härteren Waffengesetzen ist nicht neu. Warum ist es denn seit Jahrzehnten so schwer, die Waffengesetze zu verschärfen?

Prömpers: Das liegt zum einen an der sehr starken Lobby der National Rifle Association (NRA), also der - wenn man so will - nationalen Gewehrassoziation. Darin haben sich beispielsweise Jäger und Schützen organisiert. Sie üben erheblichen politischen Druck auf jeden einzelnen Wahlkreisabgeordneten und auf jeden einzelnen Senator aus. Sie wollen, dass diese zweite Ergänzung der amerikanischen Verfassung, also der freie Zugang zu Waffen, nicht beeinträchtigt wird.

Entstanden war diese Ergänzung in Zeiten der Unabhängigkeitskriege im 18. Jahrhundert. Im Entstehen eines neuen Gremiums sozusagen haben es die Vereinigten Staaten abgelehnt, ein berufliches Militär zu etablieren. Sie haben gesagt: "Wir wollen lieber Waffen zu Hause als im Schrank haben" Ähnlich wie die Schweizer, von denen wir das kennen. Der Gedanke war, erst dann die Menschen zu den Waffen zu rufen, wenn es nötig ist. Es sollte keine Bedrohung durch ein Berufsheer provoziert werden.

Daraus ist mittlerweile eine Ideologie geworden, die sehr schwierig darstellbar ist, weil der ursprüngliche Sinn dieser Ergänzung der Verfassung vollkommen verloren gegangen ist. Die NRA übt Druck aus. Über Zuwendungen finanzieller Art und über Bedrohungen, dass sonst Politiker nicht wiedergewählt werden.

DOMRADIO.DE: In den USA sterben jeden Tag durchschnittlich 110 Menschen durch Schusswaffengebrauch. Von den meisten Einzelfällen dringt meist kaum etwas an die Öffentlichkeit. Was aber als neue Entwicklung gilt, ist, dass die Motive einen politischen Hintergrund haben, also rassistisch motiviert sind. Und da gilt US-Präsident Trump als moralischer Brandstifter. Zu Recht?

Prömpers: Auf jeden Fall. Die Diffamierung ging schon im Wahlkampf weit über das hinaus, was unter politischen Gegnern ausgetauscht werden sollte. Das gilt genauso für seine Ausfälle gegen die vier farbigen Mitglieder des Kongresses. Er hat schon eine Menge Hass über Twitter und in seinen Reden gefördert. Das einzige, was er zu den jüngsten Schusswaffenattacken gesagt hat, war "Wir wollen den Hass ausrotten." Dann müsste er bei sich selber anfangen, denke ich.

DOMRADIO.DE: Nach diesen Taten am Wochenende ist die Erschütterung und die Empörung erneut groß. Was macht diese dauernde Bedrohung mit den Menschen im Land?

Prömpers: Es herrscht eine totale Verunsicherung. In verschiedenen Kommentatoren ist zu lesen, dass viele jetzt sagen "Es kann uns überall und alle treffen." Das führt dann zu solchen Auswüchsen wie schusssichere Schulranzen für kleine Kinder. Diese Dinge sind ja keine Lösung des Problems, dass immer wieder Menschen in Schulen gehen und dort Menschen umbringen. Es müssen sich wirklich die Waffengesetze ändern. Manche Einzelstaaten sind da so weit vorangeschritten, wie es irgendwie geht. Connecticut gehört dazu. Dort ist eben auch der Amoklauf 2012 passiert.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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